Vater flüchtig

Familie in Nantes wurde hingerichtet

23.04.2011

Nach Leichenfund einer Frau und der vier Kinder fahndet Polizei nach Vater.

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© Reuters
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Nach dem Familiendrama im westfranzösischen Nantes hat die Autopsie der fünf Leichen den Mordverdacht bestätigt. Es handele sich um "fünf methodisch Hinrichtungen", sagte der Staatsanwalt von Nantes, Xavier Ronsin, am Freitag während einer Pressekonferenz. "Sie wurden im Schlaf mit einer Schusswaffe getötet", sagte Ronsin.

Auf jedes der fünf Opfer sei mindestens zweimal geschossen worden, in den Kopf oder in die Brust. Untersucht wird jetzt, ob die Opfer vorher betäubt worden waren. Die Tatwaffe, ein Gewehr, wurde noch nicht entdeckt. Der Familienvater hatte eine derartige Waffe kurz zuvor geerbt und sich bei einem Schützenverein angemeldet, obwohl er nicht als Waffennarr gilt. Er hatte sich im März offenbar auch noch mit Munition eingedeckt.

Leichen im Garten verscharrt
Die Polizei hatte am Donnerstag im Garten der Familie die fünf verscharrten Leichen entdeckt. Die Ermittler gingen davon aus, dass es sich um die 49-jährige Agnes D. und ihre vier Kinder im Alter zwischen 13 und 21 Jahren handelte, die Opfer eines Gewaltverbrechens wurden. Die Gewalttat war nach Einschätzung der Ermittler vermutlich genau geplant worden.

Tat geplant
Die beiden jüngeren Kinder wurden schriftlich von ihrer Privatschule mit der Begründung abgemeldet, die Familie wolle nach Australien auswandern. Die Abmeldung sei vor etwa zehn Tagen mit der Post eingegangen, zusammen mit einem Scheck über das restliche Schulgeld bis zu den Ferien, sagte der Schuldirektor Olivier Bouissou. Auch alle anderen offenen Rechnungen der Familie wurden beglichen, Freunde wurden per Brief über den angeblich bevorstehenden Weggang informiert.

Der 50-jährige Familienvater Xavier D. hatte kurz vor seinem Verschwinden Freunden gegenüber behauptet, er sei ein US-Geheimagent und werde in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Der Nachfahre eines wohlhabenden Adelsgeschlechts hatte nach Angaben einiger Anrainer ein kleines Geschäft im bretonischen Touristenort Pornic, anderen Angaben zufolge betrieb er ein kleines Anzeigenunternehmen und hatte in den Tourismus investiert. Seine Frau war eine engagierte Katholikin und gab Religionsunterricht.

Keine Spuren von Gewalt
Spuren von Gewalt fanden die Ermittler in dem Haus, das an einer Hauptstraße in Nantes liegt, nicht. Die Kästen waren ausgeräumt und die Fensterläden geschlossen. Auf dem Briefkasten klebte ein Zettel mit der Aufschrift "Post an den Absender zurück. Danke". Von den beiden Labrador-Hunden und den Autos der Familie fehlte jede Spur.

Anrainer beschrieben die Familie als unauffällig. Die Besitzerin eines benachbarten Cafes sagte, dass das Auto der Mutter, ein schwarzer Golf, seit eineinhalb Wochen auf seinem Platz stand. Ein Nachbar sagte, er habe die Hunde der Familie eine Nacht lang wie verrückt bellen hören "und danach nichts mehr".

Polizei fahndet nach dem Vater
Bankkartenabrechnungen brachten die Ermittler auf die Spur des Familienvaters. Er hob Bargeld im kleinen Ort Roquebrune-sur-Argens im südlichen Departement Var ab, in dem die Familie früher gelebt hatte. Am Freitag fand die Polizei das Auto des Mannes vor einem Hotel, wo er am 14. April offenbar für eine Nacht abgestiegen war.

Zuvor wurde er beim Abheben von 30 Euro bei einem Geldautomaten sowie in einem Restaurant gesehen. Augenzeugen betonten, dass der elegant gekleidete Mann beim Restaurantbesuch außergewöhnlich entspannt und gut gelaunt gewirkt hätte.

Die Ermittler nahmen Fingerabdrücke am Auto und im Hotel und werteten die Aufnahmen von Überwachungskameras aus. Ein Fahndungsaufruf der Polizei gab an, Xavier D. habe kurzes braunes Haar, ein rundliches Gesicht und trage eine Brille.
 

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