Alle von Bord
Tödliches Virus: "Seuchenschiff" vollständig evakuiert
11.05.2026Die Evakuierung des von einem tödlichen Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffes "Hondius" auf Teneriffa ist abgeschlossen.
Die letzten 27 Menschen, die das Schiff verlassen sollten, gingen am Montag von Bord. Dort legte die "Hondius" wegen schlechten Wetters kurzzeitig an. Anschließend machte sich das unter niederländischer Flagge fahrende Kreuzfahrtschiff mit 27 Besatzungsmitgliedern an Bord auf den Weg nach Rotterdam, wo es in rund fünf Tagen erwartet wird.
In blauen Schutzanzügen verließen die Passagiere das Schiff auf Teneriffa, bevor sie in Busse stiegen, die sie zum Flughafen Teneriffa Süd brachten. Dort brachten zwei Flugzeuge die Passagiere in die Niederlande. 27 Besatzungsmitglieder blieben an Bord der "Hondius", um in Richtung Niederlande zu fahren. Nach Angaben des Kreuzfahrtunternehmens Oceanwide Expeditions wird das Schiff in etwa fünf Tagen in Rotterdam erwartet. An Bord ist auch die Leiche einer Deutschen, die am Hantavirus starb. Die "Hondius" legte wegen der Wetterbedingungen am Montag kurzzeitig direkt im Hafen auf Teneriffa an. Auf Drängen der örtlichen Behörden war die "Hondius" zunächst vorsichtshalber nicht direkt in den Hafen eingelaufen, sondern ankerte ein Stück vor dem Kai.
Am Sonntag hatten bereits 94 Passagiere und Besatzungsmitglieder aus insgesamt 19 Ländern das Kreuzfahrtschiff verlassen und von Teneriffa aus mit Sondermaschinen die Heimreise angetreten.
Teneriffa hat Sorge vor infizierten Nagern
Die Tatsache, dass das Schiff nun doch - wenn auch nur kurz - mit dem Land verbunden war, dürfte für Kritik auf der Insel sorgen. Die Regionalregierung der Kanaren hatte im Vorfeld darauf bestanden, dass die "Hondius" nicht anlegt, weil sie Sorge hatte, Mäuse mit dem Hantavirus könnten an Land gelangen. Die spanische Gesundheitsministerin Monica Garcia hatte das jedoch unter Berufung auf Experten ausgeschlossen.
Vom Flughafen Teneriffa Süd hob zunächst ein Passagierjet ab. An Bord waren nach Angaben von Garcia 22 Besatzungsmitglieder der "Hondius" verschiedener Nationalitäten. Mit dabei sollte auch ein deutsches Crewmitglied sein, wie das niederländische Außenministerium mitteilte. Beim zweiten Flugzeug handelte es sich um ein kleineres Sanitätsflugzeug, mit dem laut Garcia vier Australier, ein Neuseeländer und ein Brite ausgeflogen werden sollten.
Damit sind seit Sonntag insgesamt 122 Menschen unter strikten Sicherheitsvorkehrungen von dem Schiff an Land und dann per Flugzeug in Richtung ihrer Heimatländer geflogen worden. Garcia dankte allen Beteiligten und äußerte "Stolz" darüber, dass Spanien zu einer derartig komplizierten und "einzigartigen" Aktion in der Lage gewesen sei. Das sei ein großer Erfolg.
"Hondius" war auf Atlantik-Kreuzfahrt
Die "Hondius" war am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens zu einer Atlantik-Kreuzfahrt aufgebrochen. Ein erster Passagier aus den Niederlanden starb am 11. April an Bord an den Folgen des Hantavirus. Seine Frau ging am 24. April auf der Insel St. Helena im Südatlantik von Bord, um die Leiche ihres Mannes in die Heimat zu begleiten. Zwei Tage später starb sie nach einem Flug nach Johannesburg im Krankenhaus. Am 2. Mai starb eine deutsche Passagierin an Bord der "Hondius".
Eine weitere Deutsche, die mit ihr Kontakt hatte und bereits vor einigen Tagen von Bord geholt wurde, befindet sich seit vergangener Woche im Universitätsklinikum Düsseldorf. Bisher wurde bei ihr keine Infektion nachgewiesen, wie das Krankenhaus am Montag mitteilte.
Gegen das schwere Atemwegserkrankungen verursachende Hantavirus gibt es keine Impfung und auch keine Behandlung. Die WHO vermutet, dass sich der zuerst gestorbene Niederländer in Südamerika mit einer seltenen und von Mensch zu Mensch übertragbaren Variante des Hantavirus infizierte, bevor er an Bord ging. Anschließend verbreitete sich das Virus dann offenbar an Bord. Nach Einschätzungen aus Brüssel ist das Risiko für eine Ausbreitung des Hantavirus in Europa gering.