Air France-Crash

Wilde Theorien um Flug 447

02.06.2009

Die Ursache des Absturzes ist weiter unklar. Sturmböen, Blitze, Eisklumpen, aber auch Terror könnte den Flug AF 447 in den Atlantik gestürzt haben.

Zur Vollversion des Artikels
© Reuters
Zur Vollversion des Artikels

Jetzt ist es traurige Gewissheit. Mitten im Atlantik wurden gestern die ersten Trümmerteile des Todesfluges 447 gefunden: Kleine Trümmerteile, Öl- und Kerosinspuren sowie ein Flugzeugsitz. Die Absturzursache hingegen ist noch immer ungewiss. Es gibt mittlerweile mehrere Theorien:

Theorie 1
Blitz. Das Satellitenbild der Wetterexperten der Hohen Warte in Wien zeigt die riesige Unwetterfront, die zum Unglückszeitpunkt nordöstlich von Brasilien tobte. Genau über diesem Gebiet kam es zum Absturz. Die Air France selbst vermutet als wahrscheinlichste Ursache einen Blitzeinschlag. Laut Experten wie Niki Lauda kann ein Blitzschlag alleine aber nicht zum Absturz geführt haben. Und: Jedes Flugzeug wird im Schnitt alle 1.000 bis 1.500 Flugstunden einmal vom Blitz getroffen. Ein Absturz deswegen sei „extrem unwahrscheinlich“, sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg.

Theorie 2
Turbulenzen. Fakt ist: Teile der Elektronik sind für drei Minuten völlig ausgefallen. Gut möglich, dass der Airbus „blind“ direkt in den Tropensturm hineinflog. Flugsicherheitsexperte Christoph Mair ist den Airbus 330 sieben Jahre lang selbst geflogen. Er schildert die Situation in einem solchen Sturm: „Das Flugzeug wird wild durch die Gegend gebeutelt – durch diese irren Strömungen kann ein Flugzeug fliegen, aber es kann kein Kurs mehr gehalten werden.“ Oft sei es in starken Turbulenzen nicht einmal mehr möglich, „einen Knopf genau zu treffen“. Beim Flug AF 447 sollen die Piloten mit zwei schweren Gewitterzonen gekämpft haben. Statt die Gewitter großräumig – bis zu 1.000 Kilometer weit – zu umfliegen, sollen die Piloten mitten hineingeflogen sein. Die zweite Front soll dann zum Ausfall geführt haben.

Theorie 3: Eis
„In solchen Unwettern gibt es Eisklumpen in der Größe von Fußbällen in der Luft“, so Mair. Außerdem könnte es durch Eis zu Beschädigungen am Triebwerk kommen. Dann sei eine Steuerung der Maschine unmöglich. „Wenn es den Jet in der Luft zerreißt, fällt er einfach nach unten.“

Theorie 4: Terror-Anschlag
Bis zur genauen Klärung der Absturzursache schließt die französische Regierung einen Terroranschlag nicht aus. Denn: Es wurde (abgesehen von automatischen Meldungen) kein Notruf von der Crew abgesetzt. Zudem sind die Sicherheitsmaßnahmen in Rio de Janeiro nicht so drakonisch wie etwa in Europa. Aber: Bisher hat sich niemand zu einem Anschlag bekannt.

Zur Vollversion des Artikels
Weitere Artikel