Welt-Analyse

1 Jahr Trump: Präsident im Machtrausch

19.01.2026

Am 20. Jänner des Vorjahres wurde der "Make America Great Again"-Republikaner zum zweiten Mal vereidigt.

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Ein Jahr Trump: Es ist die Bilanz einer Brachial-Präsidentschaft, die Amerika entzweit, die Welt dominiert und zuletzt mit einem Feuerwerk provozierter Krisen erschreckend an Tempo gewinnt. Kaum ein Stein blieb auf dem anderen – in den USA und rund um den Globus. Es gab Erfolge, doch oft auch Niederlagen.

Der Präsident selbst: machtversessen, aggressiv, dünnhäutig, rachsüchtig. Am 20. Jänner des Vorjahres wurde der "Make America Great Again"-Republikaner zum zweiten Mal vereidigt. Mit Turbo-Antrieb wollte er seine Wahlversprechen umsetzen. Die Top-Bilanzen:

  • Trump schloss die Grenze schneller und effektiver als erwartet. Die Abschiebebehörde ICE verhaftete kriminelle illegale Migranten. Das trug zunächst eine Mehrheit mit – vor allem nach dem Massenansturm der Biden-Jahre. Doch inzwischen ist die Stimmung gekippt. Die Wut entlädt sich nach den ICE-Exzessen in Minneapolis und dem Tod der Aktivistin Renee Good. Schwer bewaffnete, vermummte Agenten ziehen wie eine Invasionsarmee durch Wohnviertel. Die Proteste eskalieren. Trump erwägt sogar, Luftlandetruppen der „11th Airborne“ zu entsenden.
  • Mit dem Zollhammer wollte Trump die US-Industrie stärken – doch am Ende profitierte eher China. Die Volksrepublik exportiert mehr denn je: weniger in die USA, dafür umso mehr in den Rest der Welt. In den USA wächst die US-Wirtschaft robust, doch fast ausschließlich wegen des KI-Booms. Für Normalbürger bleibt das Leben unerschwinglich. Die Inflation verharrt bei 2,7 Prozent, auch wegen der Zölle. Der Arbeitsmarkt lahmt. Nur 36 Prozent geben Trump hier gute Noten.
  • Am dramatischsten bleibt seine Weltpolitik. Mit dem Gaza-Deal und der Zerstörung iranischer Atomanlagen gelangen zwar Erfolge. Auch der Zugriff auf Venezuela-Diktator Nicolás Maduro könnte eine neue Ära einleiten. Doch sonst wirkt Trump wie im Machtrausch: Der Streit um Grönland demoliert die transatlantische Achse mit Europa. Gegen Irans Mullah-Regime zog er rote Linien in den Sand – die ignoriert wurden. Und der Ukraine-Krieg, den er am ersten Amtstag beenden wollte, wütet unverändert weiter.

Trumps Zustimmung dümpelt bei 42,4 Prozent. Und wie er wirklich tickt, zeigte nun ein durchgesickerter Brief an Norwegens Premier: Weil ihm der Friedensnobelpreis verwehrt blieb, fühle er sich nicht länger an Friedenswillen gebunden, argumentiert er eher kindisch. Deshalb wolle er Grönland annektieren – notfalls mit militärischer Gewalt.

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