Gegen Nesthocker

Jugendliche soll raus aus "Hotel Mama"

25.01.2010

Mit einer monatlichen Finanzspritze von 500 Euro soll italienischen Jugendlichen der Auszug schmackhaft gemacht werden.

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Italiens Minister für öffentliche Verwaltung, Renato Brunetta, will die oft als "Nesthocker" bekannten Jugendlichen zum Verlassen des Elternhauses bewegen. Er sprach sich in einem Interview für eine monatliche Finanzspritze von 500 Euro aus. Das Geld soll durch Einsparungen bei anderen Sozialleistungen aufgetrieben werden.

Diskussionen
Vergangene Woche hat Brunetta ein Gesetz vorgeschlagen, mit dem Volljährige gezwungen werden sollten, das Elternhaus zu verlassen. Der Vorschlag löste heftige Diskussionen aus. Die Regierung Berlusconi hatte daraufhin erklärt, dass es sich dabei nur um den Vorschlag eines Ministers handle, der nicht offiziell unterstützt werde.

Unsichere Arbeitsverhältnisse und teure Wohnungen zwingen immer mehr Erwachsene, im Elternhaus zu bleiben. Die Hälfte der 18- bis 39-Jährigen lebte 2007 noch bei Mama und Papa. Von jenen, die 2003 angekündigt hatten, das Elternhaus verlassen zu wollen, hatten es bis zum Jahr 2007 nur 53,4 Prozent geschafft, so eine jüngst veröffentlichte Studie des Statistikamts Istat. 43,7 Prozent verlassen das Nest, weil sie heiraten, 11,8 Prozent weil sie mit einem Partner zusammenziehen. Nur 8,8 Prozent gehen aus beruflichen Gründen weg.

"Mammoni"
Vor allem Männer haben Schwierigkeiten, das Elternhaus zu verlassen. 40 Prozent der Männer im Alter zwischen 30 und 34 Jahren leben noch zu Hause. Das Phänomen der "Mammoni", der Muttersöhne, ist Gegenstand lebhafter Diskussionen. Auch viele junge Frauen sind Nesthockerinnen, obwohl sie finanziell selbstständig sind. Viele leben bei Mama und Papa, obwohl sie eine Beschäftigung haben. Als Gründe nennen Forscher die hohen Mieten in Italien und das Desinteresse an der Ehe.

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