Irak

Konferenz zur "nationalen Versöhnung"

16.12.2006

Hunderte Delegierte verschiedener politisch-konfessioneller Gruppierungen befassen sich mit dem Problem der andauernden Gewalt.

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© (c) Reuters
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Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki will beim Aufbau der Armee auch auf frühere Offiziere des gestürzten Baath-Regimes von Ex-Diktator Saddam Hussein zurückgreifen. Zu Beginn einer "Nationalen Versöhnungskonferenz" in Bagdad sagte der schiitische Premier am Samstag mit Blickrichtung auf die sunnitische Bevölkerungsminderheit: "Die neue Armee öffnet ihre Tore für frühere irakische Offiziere. Alle, die nicht zurückkehren wollen, erhalten Pensionen".

Nach der US-Invasion im Frühjahr 2003 hatte der amerikanische Verwalter Paul Bremer die irakische Armee kurzerhand aufgelöst. Die neue Armee mit einer Truppenstärke von 300.000 Mann soll die Voraussetzungen für den schrittweisen Abzug der US-Truppen schaffen. Die Sunniten stellten unter Saddam Hussein die Führungskaste, sie fühlen sich im Nachkriegsirak an den Rand gedrängt und sind einer der Hauptträger des Aufstands. Schiitische Milizen wie die im Iran ausgebildete berüchtigte Badr-Brigade des "Obersten Rats für die Islamische Revolution im Irak" (SCIRI) verüben systematisch Rachemorde an Sunniten.

Andauernde Gewalt
Zu der Konferenz sind nach offiziellen Angaben auch etwa zwanzig ehemalige Baath-Funktionäre eingeladen worden, von denen sich aber nur ein kleiner Teil eingefunden hat, wie Konferenzsprecher Nasser al-Ani sagte. "Wir unterscheiden zwischen Baathisten, deren Hände nicht mit Blut befleckt sind, und solchen, die weiter hasserfüllt Verbrechen begehen". Mehrere hundert Delegierte verschiedener politisch-konfessioneller Gruppierungen wollten sich unter anderem mit dem Problem der andauernden Gewalt im Land befassen.

Vor der Zusammenkunft hatte es mehrere Boykottdrohungen gegeben, unter anderem von Schiiten, die eine Teilnahme von Baath-Vertretern ablehnen. Maliki hatte am Freitag in einem Telefonat mit US-Präsident George W. Bush seine Pläne für die Konferenz dargelegt. Nach Angaben des Weißen Hauses in Washington erklärte Maliki, dass er sich eine noch breitere Beteiligung wünschen würde. Bush sicherte Maliki seine Unterstützung zu.

Zusätzliche US-Soldaten
Bush erwägt nach einem Bericht der "New York Times" (NYT) die Entsendung von mehr als 20.000 zusätzlichen Soldaten in den Irak. Die Zeitung schrieb am Samstag unter Berufung auf hohe Regierungsbeamte, die vereinigten Stabschefs untersuchten zur Zeit im Auftrag des Weißen Hauses Möglichkeiten, wie die Truppenverstärkung bewerkstelligt und wie die dafür erforderlichen Gelder aufgebracht werden könnten. Eine der Optionen sei es, Einheiten früher als bisher geplant in den Irak zu entsenden und gleichzeitig dort bereits stationierte Truppen länger zu belassen.

Das US-Militär hat ein neues Handbuch zur Aufständischenbekämpfung herausgegeben. In "Counterinsurgency" seien auch die Erfahrungen aus den Kriegen im Irak und in Afghanistan berücksichtigt, teilten das US-Heer und die Marineinfanterie in einer gemeinsamen Erklärung mit. Amerikanische Soldaten müssten jeden Tag darauf gefasst sein, "mit einer Handgranate oder einem Händedruck begrüßt zu werden" und jeweils entsprechend reagieren können. Die Anleitungen waren zuletzt vor 20 Jahren vollständig überarbeitet worden.

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