Aufstockung

Obama in Afghanistan-Debatte unter Druck

07.10.2009

Der US-Präsident hat noch nicht entschieden, ob die Anzahl der Truppen aufgestockt werden.

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© Reuters
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US-Präsident Barack Obama gerät in der Afghanistan-Debatte unter immer stärkeren Druck. Oppositionelle Republikaner drängen ihn zu einer raschen Entscheidung über zusätzliche Truppen. Obama dürfe sich nicht länger Zeit lassen, sondern müsse so schnell wie möglich über die Forderung von General Stanley McChrystal nach 40 000 zusätzlichen US-Soldaten entscheiden.

Kein Signal
Seitens des US-Präsidenten gab es aber weiter kein Signal, ob er der geforderten Aufstockung zustimmen werde oder eine Verstärkung in einem geringeren Ausmaß bevorzugt. Obama sagte nach Angaben der "New York Times" vor führenden Abgeordneten des Kongresses, er wolle sich mit seiner Entscheidung in der Frage der Truppenstärke noch Zeit lassen. Er sei dabei noch unentschieden. Er wolle jedoch auch nicht die Zahl der Soldaten wesentlich reduzieren und die Afghanistan-Mission zu einer reinen Verfolgung von Terroristen machen.

In den Niederlanden bröckelt die Unterstützung für den Afghanistan-Einsatz. Das Parlament in Den Haag forderte am Dienstag mit breiter Mehrheit, den Einsatz nicht über das Jahr 2010 hinaus zu verlängern.

Acht Jahre Krieg
Acht Jahre nach dem Beginn des Afghanistankrieges haben die USA derzeit gut 60 000 Soldaten in Afghanistan. Zudem sind weitere 35 000 NATO-Soldaten von außerhalb der USA am Hindukusch stationiert. Rund 4000 Soldaten kommen aus Deutschland. Erst im Frühjahr hatte Obama zusätzliche Truppen ins Land geschickt, dennoch befinden sich die radikal-islamischen Taliban-Kämpfer auf dem Vormarsch. Immer mehr US-Soldaten kommen bei den Kämpfen ums Leben.

Die Gesamtausgaben der USA für den Krieg in Afghanistan seit dem 11. September 2001 könnten schon bald die Schwelle von 300 Milliarden Dollar überschreiten. Der US-Senat stimmte am Dienstag einem neuen Ausgabengesetz für das Militär zu. Neben 498 Milliarden Dollar für das Verteidigungsministerium sind darin auch 128 Milliarden Dollar für die Militäroperationen im Irak und Afghanistan enthalten. Nach einer Analyse von Kongressmitarbeitern summieren sich damit die Gesamtausgaben für den Afghanistan-Krieg auf rund 300 Milliarden Dollar.

Skepsis wächst
Während McChrystal - der Oberbefehlshaber der amerikanischen NATO-Truppen in Afghanistan - mehr Soldaten, wächst die Skepsis unter Demokraten im Parlament. Außerdem geht die Bevölkerung laut Umfragen auf immer mehr Distanz zum Krieg.

Vize-Präsident Joe Biden plädiert im vertrauten Krise bereits für eine Reduzierung der Truppenstärke. Statt die Taliban-Aufständischen zu bekämpfen und die Regierung in Kabul dadurch zu schützen, sollten sich die amerikanischen Soldaten auf den Kampf gegen El-Kaida-Terroristen konzentrieren, vor allem im Grenzgebiet zu Pakistan, meint Biden.

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