In der österreichischen Finanzbranche existiert ein klares System, nach dem Kundinnen und Kunden kategorisiert werden. Dabei geht es primär nicht um das monatliche Einkommen oder den Wert einer Immobilie, sondern einzig um das frei verfügbare, investierbare Kapital. Schon ab einer verhältnismäßig geringen Summe stufen viele Banken ihre Kunden in eine eigene Klasse ein.
Die vier diskreten Vermögensklassen der Banken
Die Einteilung erfolgt laut finanz.at traditionell in vier Stufen, die den Grad der Betreuung bestimmen:
- Affluent: Diese erste Stufe beginnt bereits ab etwa 100.000 Euro investierbarem Vermögen.
- High Net Worth Individuals (HNWI): Ab einer Million Euro sprechen Finanzinstitute von dieser Klasse.
- Very High Net Worth Individuals (VHNWI): Diese Kategorie umfasst Personen mit mehreren Millionen Euro.
- Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI): Die absolute Spitzenklasse startet ab 30 Millionen Euro.
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Was 100.000 Euro in Österreich wirklich wert sind
Auf den ersten Blick mag die Schwelle von 100.000 Euro für eine Einstufung als vermögender Kunde niedrig erscheinen. Vergleicht man diesen Betrag jedoch mit den durchschnittlichen Einkommen in Österreich, zeigt sich eine andere Realität. Laut aktuellen Daten der Statistik Austria liegt das Median-Nettoeinkommen unselbstständig Beschäftigter bei 2.711 Euro pro Monat.
Die Summe von 100.000 Euro entspricht somit rund 37 durchschnittlichen Netto-Monatsgehältern. Um diesen Betrag anzusparen, müsste ein Durchschnittsverdiener mehr als drei Jahre lang sein gesamtes Gehalt beiseitelegen – ohne in dieser Zeit auch nur einen Cent für Wohnen oder Essen auszugeben. Wer diese Schwelle überschreitet, gilt bei den Banken bereits als "Affluent" und erhält eine intensivere Betreuung.
Ab einem verfügbaren Vermögen von einer Million Euro ändert sich die Betreuung grundlegend. Ab dieser Grenze steigen Kundinnen und Kunden bei den meisten österreichischen Banken in das prestigeträchtige Private Banking auf. Rechnerisch entspricht eine Million Euro rund 369 Median-Netto-Monatsgehältern in Österreich. Selbst ohne jegliche Lebenshaltungskosten wären dafür mehr als 30 Jahre Arbeit nötig.
Warum das Eigenheim für die Banken nicht zählt
Bei allen Berechnungen machen die österreichischen Geldinstitute einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Gesamtvermögen und dem tatsächlich investierbaren Kapital. Ein selbst genutztes Eigenheim mit hohem Marktwert wird von den Banken nicht als frei verfügbares Vermögen gewertet, besonders wenn noch hohe Belastungen darauf liegen.
Besitzt eine Person beispielsweise ein Haus im Wert von 500.000 Euro, muss dafür aber noch einen Kredit von 400.000 Euro abstottern, steht dieses Vermögen nicht für Veranlagungen zur Verfügung. Laut Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) besitzen die privaten Haushalte in Österreich ein Geldvermögen von rund 896 Milliarden Euro. Dieses ist jedoch meist in Wertpapieren, Fonds oder Versicherungen gebunden und liegt nicht als Geld auf dem Girokonto. Für die Banken bleibt die entscheidende Frage, wie viel Kapital tatsächlich sofort liquide und veranlagbar ist.