Rumänien

Bären-Füttern wird zum tödlichen Verhängnis

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Auf der berühmten Transfăgărășan-Hochstraße in Rumänien kommen Braunbären regelmäßig aus dem Wald und nähern sich den Autos. Manche Menschen halten an, füttern die Wildtiere oder versuchen, möglichst nah an sie heranzukommen.

Was wie ein außergewöhnliches Naturerlebnis aussieht, ist in Wahrheit ein gefährlicher Konflikt zwischen Mensch und Wildtier.

Allein an einem Vormittag Ende Juli wurden innerhalb von drei Stunden rund 20 Bären beobachtet, die sich den Autos näherten.

Dabei ist das Füttern ausdrücklich verboten. Warnschilder stehen entlang der Straße, trotzdem werden die Tiere immer wieder angelockt. Mitte Juli verhängten rumänische Behörden bereits Geldstrafen. Die Behörden warnen: Füttern ist kein Akt der Tierliebe, sondern gefährdet Menschen – und die Bären selbst. Denn ein Wildtier lernt schnell: Wo Menschen sind, gibt es Futter. Und aus einem scheuen Waldbewohner wird ein Tier, das gezielt Straßen, Häuser und Müllcontainer aufsucht.

In Orten wie Predeal gehören Bären inzwischen zum Alltag.

"Der Bär kommt fast jeden Abend, normalerweise zu den Müllcontainern. Sie haben sich an uns gewöhnt, an die Menschen, die hier leben. Sie haben vor nichts mehr Angst", erzählt der 59-jährige Jean Stangaciu.

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Das Problem beginnt also nicht beim Bären. Es beginnt bei der Nahrungsquelle. Müll, schlecht gesicherte Lebensmittel – und eben Menschen, die Wildtiere füttern. Gleichzeitig wird der Lebensraum der Bären durch menschliche Siedlungen und den Klimawandel zunehmend verändert und zerschnitten. Die Folge: Immer häufiger treffen zwei Arten aufeinander, die eigentlich möglichst wenig miteinander zu tun haben sollten.

Rumänien beherbergt nach Angaben des Umweltministeriums zwischen 10.000 und 13.000 Braunbären – die größte Braunbärenpopulation Europas außerhalb Russlands. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden nach Angaben des rumänischen Umweltministeriums fast 30 Menschen von Bären getötet. Und genau deshalb ist die Szene am Straßenrand so trügerisch. Ein Bär, der direkt neben einem Auto steht, ist kein Haustier. Er ist ein wildes, kräftiges Tier, das gelernt hat, dass Menschen Nahrung bringen. Wie schnell aus vermeintlicher Nähe Gefahr werden kann, zeigen auch aktuelle Vorfälle an der Transfăgărășan. Erst kürzlich wurde ein Tourist von einem Bären verletzt, nachdem er dem Tier zu nahe gekommen war.

Tierschützer fordern deshalb einen anderen Umgang.

Cristina Lapis vom Libearty-Bärenschutzgebiet hält Abschüsse allein nicht für eine Lösung. Entscheidend sei, den Konflikt dort zu verhindern, wo er entsteht. Im Schutzgebiet leben rund 140 gerettete Bären. Viele wurden als Jungtiere gefunden oder aus schlechter Haltung befreit. Einige wurden sogar als Attraktion für Touristen gehalten. Das Ziel der Tierschützer ist deshalb nicht, die Bären aus Rumänien verschwinden zu lassen. Sie sollen dort bleiben können – aber mit ausreichend Abstand zum Menschen. Dafür braucht es sichere Müllsysteme, Elektrozäune und konsequente Maßnahmen gegen das Anfüttern. Ciprian Galusca von der Climate Adaptation Platform Association sieht deshalb vor allem die Menschen in der Verantwortung. "Selbst wenn nur noch drei Bären im Wald wären – wenn wir unsere Art, mit ihnen umzugehen, nicht ändern, hätten wir mit diesen drei Bären weiterhin Probleme." Der Schutz der Bären beginnt beim Verhalten der Menschen.