Polit-Wirbel

Bankräuber will für die AfD kandidieren

© Getty Images
Ein verurteilter Bankräuber wollte für die AfD in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern einziehen. Kandidat Sascha Gläser verschwieg seine Haftstrafe vor der Parteispitze.
Zur Vollversion des Artikels

Im Wahlkreis 7 wollte Sascha Gläser als Direktkandidat für die AfD in das Schweriner Schloss einziehen. Der AfD-Landesvorstand zeigte sich nach eigenen Angaben schockiert und gab an, vor der Listenaufstellung von nichts gewusst zu haben. Auch auf der Website der Partei fehlte jeder Hinweis auf die kriminelle Vergangenheit. Gläser warb dort stattdessen seriös mit seiner beruflichen Erfahrung: "Als gelernter Informationselektroniker, langjähriger Teamleiter und IHK-Ausbilder habe ich gelernt, auch in schwierigen Situationen Überblick zu bewahren, Verantwortung zu tragen und Dinge wieder in die richtige Richtung zu führen. Seit zwölf Jahren bin ich in leitender Funktion tätig."

Überfall auf Volksbank in Duisburg

Die Vorgeschichte der Verurteilung reicht einige Jahre zurück. Am 19. Dezember 2012 betrat ein Mann um 14:45 Uhr eine Volksbank in Duisburg-Rumeln. Unmaskiert forderte er von der Kassiererin Bargeld, indem er seine Jacke öffnete und eine vermeintliche Schusswaffe zeigte. Die Polizei beschrieb den Täter damals als "gepflegte Erscheinung mit kurzen Haaren mit einem Ansatz von Geheimratsecken". Bereits einen Tag später wurde Gläser vor einer Trinkhalle festgenommen.

Geständnis und Tat mit Feuerzeug

Gegenüber der "Ostsee-Zeitung", die zuerst über den Fall berichtete, räumte Gläser die Tat ein: "Rückblickend war die Tat Ausdruck einer persönlichen Krise und einer Flucht aus meinem Lebensumfeld." Er habe in einer "toxischen Beziehung" gelebt und wollte aus "schädlichen Strukturen" ausbrechen. Die Tat sei der "größte Fehler seines Lebens" gewesen. Zudem stellte sich heraus, dass die verwendete Waffe eine Attrappe war. Laut eines Berichts handelte es sich um ein Feuerzeug in Pistolenform.

Mehrjährige Freiheitsstrafe und politische Reaktionen

Die Staatsanwaltschaft Duisburg bestätigte Gläser gegenüber BILD als Täter. Er "wurde mit Urteil des Amtsgerichts Duisburg vom 20. März 2013 wegen schwerer räuberischer Erpressung rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt." Spöttische Reaktionen kamen von der politischen Konkurrenz. CDU-Landeschef Daniel Peters sagte BILD: "Die AfD gibt sich als Partei von Recht und Ordnung - und schickt einen verurteilten Bankräuber ins Rennen um den Landtag. Bürgerlich ist daran gar nichts."