40 Mio. investiert

Beliebte österreichische Pilzproduktion wird eingestellt

© Getty Images
Nach jahrelanger Entwicklung ist Schluss: Das Fungi Pad wird nicht mehr produziert. Auch die riesige Pilz-Manufaktur in Ulrichsberg steht vorerst leer.
Zur Vollversion des Artikels

ULRICHSBERG. Für Thomas Neuburger ist es eine schwere Entscheidung: Ende September wird die Produktion des Fungi Pad eingestellt. Das vegetarische Produkt wurde mit viel Aufwand entwickelt – doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen eine Fortführung laut dem Firmenchef nicht mehr möglich.

40 Millionen Euro investiert

Besonders bitter: In die Kräuterseitlings-Manufaktur wurden insgesamt rund 40 Millionen Euro investiert. Direkt neben dem Neuburger-Werk entstand ein dreigeschoßiges Gebäude mit rund 15.000 Quadratmetern Fläche.

Dort wurden für das sogenannte Vertical Farming mehr als 7.000 Etagen errichtet. Mit dem Produktions-Aus steht die große Anlage nun vorerst leer.

"Wir haben viel investiert und lange an dem Produkt festgehalten, weil wir an das Fungi Pad und seine Qualität glauben", erklärt Thomas Neuburger. Dauerhaft könne man aber kein Produkt weiterführen, dessen Herstellung mehr koste, als es erwirtschafte.

Inflation und Kaufzurückhaltung

Als Gründe für das Aus nennt das Unternehmen vor allem stark gestiegene Produktionskosten, die Inflation und die anhaltende Kaufzurückhaltung bei höherpreisigen Lebensmitteln.

Auch die Marke Hermann.Bio wird vorerst nicht weitergeführt. Neuburger legt sie nach eigenen Angaben "in die Schublade" – mit dem Gedanken: "Sag niemals nie."

Neue vegane Produkte geplant

Ganz vorbei ist das Thema Pilze bei Neuburger aber offenbar nicht. Bereits jetzt arbeitet das Unternehmen an neuen Produkten, die besser zu den aktuellen Marktbedingungen passen sollen.

Für 2027 ist eine neue vegane Linie geplant. Produziert werden soll sie in der derzeit freien Pilzhalle. Dabei soll ein neues fermentiertes Lebensmittel entstehen. Was genau dahintersteckt, will Thomas Neuburger noch nicht verraten.

Neuburger-Leberkäse bleibt

Vom Produktions-Aus bei Hermann.Bio und der Pilzproduktion ist die Marke Neuburger selbst nicht betroffen. Der klassische Neuburger-Leberkäse läuft weiter.

Für vier Mitarbeiter hat die Entscheidung allerdings direkte Folgen. Alle anderen Beschäftigten sollen laut Unternehmen bei Neuburger integriert werden.

"Gerade dieser Teil der Entscheidung fällt uns persönlich sehr schwer", sagt Thomas Neuburger. Man wolle mit der Situation "so fair, respektvoll und wertschätzend wie möglich" umgehen.

Keine Schule in der Pilzhalle

Auch ein Gerücht rund um die riesige Halle stellt Neuburger klar: Die Unterrichtsräume der Volks- und Mittelschule Ulrichsberg sollen dort während der Sanierung nicht untergebracht werden.

"Das entbehrt jeder Grundlage", sagt Neuburger. Außerdem seien die Räume dafür gar nicht geeignet.

Vom Pilz-Start zum Produktions-Aus

Die Geschichte der fleischlosen Produkte von Neuburger begann bereits 2016. Damals brachte das Unternehmen mehrere Produkte auf Basis von Kräuterseitlingen auf den Markt.

2017 folgte der Spatenstich für die neuen Produktionshallen, 2018 waren acht Hallen fertig. 2019 wurde schließlich der neue Produktname Hermann eingeführt und das Herstellungsverfahren patentiert.

Nun endet die Produktion des Fungi Pad – die nächste vegane Idee soll aber bereits in den Startlöchern stehen.