Paris – die Stadt der Mode, der Eleganz, der Liebe und der großen Träume. Doch genau dort soll sich hinter verschlossenen Türen auch ein düsteres Kapitel im Fall Jeffrey Epstein abgespielt haben. Neue Ermittlungen der französischen Justiz bringen jetzt Details ans Licht, die den internationalen Missbrauchsskandal erneut ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Französische Behörden sprechen inzwischen von rund 20 mutmaßlichen Betroffenen – etwa zehn davon waren den Ermittlern bislang völlig unbekannt. Und auch ein neues Buch von Investigativjournalisten Frédéric Ploquin widmet sich den Hintergründen der Epstein-Connection in der französischen Hauptstadt.
Epsteins Paris-Connections
"Epstein: Die Geheimnisse des französischen Netzwerks", so der Titel des Werks, das unfassbare Details aus der Supermodel-Ära der 1980er- und 1990er-Jahre ans Licht bringt. Im Mittelpunkt des Verdachts "systematischer Mädchenjagd und sexueller Ausbeutung" steht der einst mächtige Model-Scout Jean-Luc Brunel, der bereits 2020 aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit Jeffrey Epstein verhaftet wurde. 2022 wurde er erhängt in seiner Untersuchungshaftzelle aufgefunden – genau wie Sexualstraftäter Jeffrey Epstein im August 2019.
Schockierende Details
Der Mann, der Christy Turlington & Co. entdeckt haben will - er behauptete auch, Sharon Stone und Monica Bellucci hätten ihm ihre Karriere zu verdanken – soll Dutzende junge Mädchen für Epsteins verbrecherisches Netzwerk angeworben haben. Wie brutal er dabei vorgegangen sein soll, beschreibt ein Opfer in Frédéric Ploquins Buch. "Willst du Topmodel werden oder nicht?", soll er sie bedrängt und später vergewaltigt haben. Der Autor im Interview mit der deutschen "Bild"-Zeitung über das System des Machtmissbrauchs in der Modelszene: "Die Mädchen wurden von Brunel und anderen getestet, drogenabhängig gemacht und dann an einen Zirkel mächtiger Männer weitergegeben, der sich völlig unantastbar fühlte."
Die dunkle Seite der Model-Szene
Das Netzwerk des Model-Managers, der auch im Auftrag von Epstein gearbeitet haben soll, reicht laut Ploquin bis nach Monaco. Albert II., der heutige Fürst, soll mit Jean-Luc Brunel gut befreundet gewesen sein. Der einstige Verlobte von Alberts Schwester Stéphanie, Modeunternehmer Jean-Yves Le Fur, dürfte eng mit Brunel zusammengearbeitet haben. Le Fur war wiederum drei Jahre lang mit Topmodel Karen Mulder liiert. Diese sprach 2001 in einer Talkshow über sexuellen Missbrauch in der Szene – auch der Name Fürst Albert fiel damals, was vom Palast bis heute unkommentiert blieb.
Und auch der frühere Elite-Agenturchef Gérald Marie, bis 1993 Ehemann von Supermodel Linda Evangelista, wird erneut mit Vorwürfen konfrontiert. Mehrere Frauen werfen ihm sexuelle Übergriffe vor. Französische Behörden untersuchen nun, ob zwischen diesen Männern und Epsteins Netzwerk direkte Verbindungen bestanden.
Epsteins Paris-Connection
Fakt ist: Epsteins luxuriöses Apartment an der Avenue Foch in Paris gerät nun erneut in den Fokus. Die Ermittler prüfen Hinweise darauf, dass dort junge Frauen empfangen und möglicherweise gezielt angeworben wurden. Dabei spielt die Veröffentlichung neuer Akten aus den USA eine entscheidende Rolle. Millionen Seiten an Dokumenten werden derzeit weltweit ausgewertet. Französische Staatsanwälte sprechen von einer "gigantischen Analyse", weil Kontakte, Fluglisten, Telefonnummern und Zeugenaussagen neu miteinander verknüpft werden müssen.
Lange wurde Epstein vor allem als US-Fall betrachtet. Doch die aktuellen Ermittlungen zeigen: Sein Netzwerk reichte offenbar weit über Amerika hinaus. Für viele Frauen weltweit steht deshalb heute nicht mehr nur die Person Jeffrey Epstein im Mittelpunkt. Sondern die größere Frage, wie Männer mit Geld, Einfluss und gesellschaftlicher Macht über Jahrzehnte geschützt werden konnten. Der neue Fokus auf Paris macht deutlich, wie eng Glamour, Modewelt und Machtmissbrauch miteinander verwoben sein können – und wie leicht junge Menschen in toxische Abhängigkeiten geraten können. Sich daraus zu befreien und dann auch die Täter anzuzeigen, gelingt den wenigsten.
Die Ermittlungen in Frankreich stehen noch am Anfang. Doch schon jetzt ist klar: Der Epstein-Skandal wird Europa noch lange beschäftigen.