Diese Landwirtschaft profitiert von Hitzewelle

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Während Europa unter extremen Hitzewellen ächzt und Ernten verdorren, gleicht die Rinderfarm von Sam Squier im Südosten Englands einer grünen Oase.
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Während benachbarte Landwirte bereits auf Winterfutter zurückgreifen müssen, grasen Squiers Aberdeen-Angus-Rinder auf üppigen Weiden. Er setzt auf tiefwurzelnde Kräuter und Gräser, die Wasser im Boden halten und die Erde vor dem Austrocknen schützen.

"Dieses Jahr zeigt eindrucksvoll, was man in einem trockenen Jahr erreichen kann", erläutert Squier. Sein Ziel sei gewesen, die Bodenstruktur zu verbessern und den Betrieb widerstandsfähiger gegen längere Trocken- und Nässeperioden zu machen.

Nach Jahrzehnten intensiver Landwirtschaft, die vor allem darauf ausgerichtet war, möglichst viele Menschen möglichst günstig zu ernähren, verleiht das extreme Wetter der Suche nach klimaresistenten Anbaumethoden neue Dringlichkeit. Meteorologen zufolge erlebt Europa in diesem Jahr mit fünf Hitzewellen und weit unterdurchschnittlichen Niederschlägen eine stärkere Erwärmung als jeder andere Kontinent. Die Verluste für Landwirte in der EU und Großbritannien durch Ernteausfälle könnten sich der Denkfabrik Energy and Climate Intelligence Unit zufolge allein infolge der Hitzewelle im Juni auf bis zu 2,3 Milliarden Euro belaufen. Zugleich treibt die Entwicklung die Inflation weiter an, die durch höhere Energie- und Düngemittelkosten infolge des Krieges im Nahen Osten bereits gestiegen ist.

Investitionen von Konzernen und Banken

Um ihre Lieferketten krisenfester zu machen, finanzieren Banken, Versicherer und große Lebensmittelkonzerne zunehmend den Umstieg auf sogenannte regenerative Landwirtschaft. Der Fast-Food-Konzern McDonald's will in den kommenden zehn Jahren mindestens eine Milliarde Dollar in die Stabilität seiner Lieferketten investieren. Auch der kanadische Pommes-Frites-Hersteller McCain Foods und der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestle unterstützen ihre Zulieferer mit Finanzierungen und langfristigen Verträgen. "Wir betrachten dies wirklich als eine Initiative zur Sicherung der Versorgung", sagte Charlie Angelakos, Vizepräsident bei McCain.

Für viele Landwirte sind solche Anreize aus der Finanz- und Versicherungsbranche ein wichtiger Impuls für den Wandel. Versicherer bieten zunehmend niedrigere Prämien oder höhere Entschädigungsgrenzen, wenn regenerative Methoden eingesetzt werden. "Das ist ein völlig neues, äußerst wirkungsvolles Instrument", sagte Nestle-Nachhaltigkeitschefin Antonia Wanner. In Großbritannien hat sich zudem die Bank Lloyds mit Wasserversorgern und dem Versicherer Axa zusammengetan, um einen Fonds zur Verbesserung der Bodengesundheit aufzulegen.

Ertrag und Rentabilität höher

Auch die Ergebnisse auf den Feldern sprechen aus Sicht der Befürworter für den Ansatz. Betriebe, die regenerative Methoden anwenden, schnitten bei Dürre in puncto Ertrag und Rentabilität durchweg besser ab als konventionelle Höfe, erklärte Andrew Voysey vom Beratungsunternehmen Soil Capital. Einer Studie der Organisation zufolge konnten solche Betriebe ihre dürrebedingten Ertragseinbußen in rund 85 Prozent der Fälle um mindestens zehn Prozent verringern. Squier schätzt, dass sein Boden auf den knapp 80 Hektar nach der Umstellung pro Hektar rund eine Million Liter mehr Wasser speichert als zuvor. Zudem habe die Zahl der Regenwürmer in den ersten sechs Jahren massiv zugenommen.

Wie entscheidend eine schützende Bodenbedeckung sein kann, zeigt auch das Beispiel von Andy Gray, der im Südwesten Englands auf rund 60 Hektar Mais anbaut. An einem der heißesten Tage des Jahres maß er die Temperatur auf zwei Flächen seines Hofes. Unter einer Zwischenfrucht aus Klee betrug die Bodentemperatur 32 Grad Celsius. Auf einer nahegelegenen kahlen Fläche stieg sie dagegen auf 51 Grad - eine Temperatur, die einen Großteil der für Pflanzen wichtigen Bodenorganismen abtötet, wie Gray erklärte. "Wenn ich die Bodenfeuchtigkeit zu Beginn der Dürre zwei Wochen lang aufrechterhalten kann, dann gibt mir das im Vergleich zu allen anderen zwei zusätzliche Wochen Wachstum", sagte er. "Was länger grün bleibt, bringt auch länger Ertrag."