Entwickelt wurde das System "Scentronic" von Forschern der Ohio State University und des Zhejiang Laboratory in China. Es verbindet eine elektronische Nase mit einem Gerät, das Düfte mithilfe kleiner Zerstäuber wieder freisetzt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal "Science Advances" veröffentlicht.
So funktioniert die digitale Nase
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Das System besteht aus zwei zentralen Komponenten. Zunächst analysiert eine elektronische Nase die Duftstoffe in der Luft. Dafür kommen sechs Gassensoren zum Einsatz, die unterschiedlich auf flüchtige chemische Verbindungen reagieren.
Eine künstliche Intelligenz wertet die Messdaten aus und ordnet den erkannten Geruch einer Kategorie zu. Anschließend werden die Informationen über das Internet an ein Empfangsgerät geschickt. Dieses setzt den digitalen Befehl in einen Duft um: Kleine Zerstäuber geben winzige Tröpfchen einer vorbereiteten Duftflüssigkeit an die Luft ab, die von der menschlichen Nase wahrgenommen werden.
Die Geräte gibt es in verschiedenen Ausführungen, etwa als Armband, Anhänger oder handliches Gerät.
Kaffee, Bier und Kuchen im Test
Für erste Versuche wählten die Forscher fünf bekannte Gerüche aus: Kaffee, Kuchen, Orange, Bier und Rotwein. Die elektronische Nase erkannte charakteristische Muster der verschiedenen Düfte. Anschließend sollten Versuchspersonen identifizieren, welchen Geruch das Empfangsgerät erzeugte.
Das Ergebnis: In einem Test erkannten die Teilnehmer die einzelnen Düfte in rund 73 Prozent der Fälle richtig. Auch Kombinationen mehrerer Gerüche wurden untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Übertragung grundsätzlich funktionieren kann, allerdings noch nicht fehlerfrei.
Kommt der Duft bald aufs Smartphone?
Die möglichen Einsatzbereiche sind vielfältig. Bei Videokonferenzen könnte man künftig nicht nur sehen, was jemand isst, sondern auch den Duft der Speise wahrnehmen. In virtuellen Welten könnte Geruch für ein intensiveres Erlebnis sorgen. Auch beim Online-Shopping wäre die Technik interessant: Kunden könnten eines Tages Parfüms oder andere Produkte vor dem Kauf aus der Ferne riechen.
Auch für die Medizin sehen die Forscher mögliche Anwendungen, etwa bei der Untersuchung des Geruchssinns. Dafür wäre allerdings weitere Forschung notwendig.
Noch lange kein Duft für jede Nachricht
Bis Gerüche so einfach wie Fotos verschickt werden können, ist es noch ein weiter Weg. Das aktuelle System kann nur eine begrenzte Auswahl vorbereiteter Düfte erzeugen. Es ist noch nicht in der Lage, beliebige Gerüche vollständig zu analysieren und originalgetreu nachzubilden.
Für eine alltagstaugliche Anwendung müssten die Forscher die Zahl der erkennbaren Düfte erweitern, Mischungen präziser reproduzieren und die Geräte weiterentwickeln. Einen konkreten Termin für eine Markteinführung gibt es bislang nicht.
Die Idee zeigt dennoch, wie sich das Internet künftig verändern könnte: Neben Bild, Ton und Sprache könnte eines Tages auch unser Geruchssinn digital angesprochen werden.