Die US-Behörde für Regierungsethik (Office of Government Ethics) hat am Samstag ein brisantes Dokument veröffentlicht, das die privaten Finanzen des Präsidenten offenlegt. Der Bericht listet für den Monat Juni weit über 1.000 einzelne Käufe und Verkäufe von Aktien auf. Zwar nennt das Formular keine exakten Dollar-Beträge für die einzelnen Transaktionen, sondern gibt lediglich Wertspannen an, doch die Dimensionen sind gewaltig. Der größte Deal betrifft den Verkauf eines börsengehandelten Indexfonds (ETF) von Vanguard am 22. Juni. Hierbei wurden Anteile im Wert von schätzungsweise 5 bis 25 Millionen US-Dollar abgestoßen
Buffett-Firma, Visa und Mastercard
Zudem flossen immense Summen in etablierte US-Finanzdienstleister und Traditionsunternehmen. Zu den größten Zukäufen des Typs gehören Investitionen in Berkshire Hathaway, das Investmentimperium von Warren Buffett, sowie in die Kreditkartenriesen Visa und Mastercard sowie das Dienstleistungsunternehmen Cintas. Diese Käufe bewegten sich jeweils in einer Spanne von 1 bis 5 Millionen US-Dollar.
Auch interessant
Brisante Deals mit SpaceX und Palantir
Besonders viel Aufmerksamkeit erregen die Transaktionen mit Aktien von Unternehmen, die in direkter Geschäftsbeziehung mit der US-Regierung stehen oder kurz zuvor an die Börse gingen:
- SpaceX: Am 23. Juni kaufte Trump SpaceX-Aktien im Wert von 15.001 bis 50.000 US-Dollar. Dieser Deal fand nur rund elf Tage nach dem mit Spannung erwarteten Börsengang (IPO) des Raumfahrtunternehmens von Elon Musk statt. SpaceX steht vor Verträgen mit dem US-Militär in Milliardenhöhe, darunter ein Auftrag der US-Space-Force über 4,16 Milliarden US-Dollar zur Erkennung und Verfolgung von Bedrohungen aus der Luft.
- Palantir: Das auf Datenanalyse und Militärsoftware spezialisierte Unternehmen war ebenfalls Gegenstand reger Handelsaktivität. Am 18. Juni wurden Palantir-Aktien im Wert von bis zu 1 Million US-Dollar verkauft. Im Gegenzug erwarben die Konten des Präsidenten kurz darauf, am 24. Juni, wieder Palantir-Papiere im Wert von 100.001 bis 250.000 US-Dollar. Insgesamt gab es im Juni zwei Verkäufe und drei kleinere Zukäufe dieser Aktie.
- Weitere Tech-Giganten: Der Bericht zeigt auch massive Handelsaktivitäten bei weiteren Technologie-Schwergewichten. So wurden Aktien von Meta, Broadcom, Apple, Microsoft und Nvidia in großem Stil gehandelt.
Zweifel
Die schiere Menge an Transaktionen sorgt in den USA für heftige politische Diskussionen. Das Weiße Haus betonte in der Vergangenheit stets, dass das Vermögen von Donald Trump nach dessen Amtsantritt in eine ungebundene Treuhandverwaltung (einen sogenannten "Blind Trust“) überführt worden sei. Es bleibt jedoch unklar, wer diese Transaktionen tatsächlich steuert. Eric Trump, der Sohn des Präsidenten und Vizepräsident der Trump Organization, erklärte dazu im Mai: „Die Konten werden von unabhängigen Finanzinstituten als Drittparteien verwaltet. Weder Präsident Trump, seine Familie noch die Trump Organization haben eine Rolle bei der Auswahl, Steuerung, Genehmigung, Beeinflussung oder Einholung spezifischer Investitionen."
Die oppositionellen Demokraten bezweifeln diese Darstellung vehement. In einem gemeinsamen Brief äußerten sich die demokratische Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts und der Abgeordnete Robert Garcia aus Kalifornien höchst kritisch über das "beispiellose" Handelsvolumen während Trumps zweiter Amtszeit. Sie schätzen, dass Trump allein im Jahr 2025 rund 14.000 Aktiendeals im Gesamtwert von bis zu 1,06 Milliarden US-Dollar abgewickelt hat – das entspricht durchschnittlich rund 50 Transaktionen pro Tag.
Milliarden-Einnahmen durch Krypto-Deals
Das Weiße Haus erklärte gegenüber Bloomberg, dass die Trades über computergestützte Modellportfolios laufen, die automatisch bekannte Indizes wie den Schwab 1000 nachbilden. Doch das private Vermögen des Präsidenten wächst auch abseits der klassischen Aktienmärkte rasant:
- Krypto-Erfolg: Laut Schätzungen verdiente Trump im ersten Jahr seiner Rückkehr ins Amt (2025) rund 2,4 Milliarden US-Dollar. Das ist ein gewaltiger Sprung im Vergleich zu den geschätzten Einnahmen von 760 Millionen US-Dollar im Jahr 2024.
- Re-Invest: Dieser Zuwachs stammt zum Großteil aus seinen erfolgreichen Krypto-Projekten. Die Erträge aus den Aktiendeals wurden hingegen größtenteils direkt wieder auf dem Markt reinvestiert.
Kurioser "Pizza Hut"-Deal
Ein kurioser Deal betrifft zudem den Fast-Food-Konzern Yum Brands (Mutterkonzern von KFC, Pizza Hut und Taco Bell). Anfang Juni verkaufte Trump Aktien des Unternehmens, nur um am 12. Juni wieder Anteile im Wert von 1.000 bis 15.000 US-Dollar zu erwerben. Rund einen Monat später kam es bei Taco Bell wegen verunreinigten Salats zu einem schweren Ausbruch von Cyclospora-Parasiten in mehreren Bundesstaaten, woraufhin die Besucherzahlen um über 30 Prozent einbrachen. Der Aktienkurs brach im Juli drastisch ein, hat sich seither aber leicht erholt.
Ob die engen Verbindungen zwischen den gehandelten Staatsauftragnehmern und der Politik weitere rechtliche oder politische Konsequenzen nach sich ziehen werden, bleibt abzuwarten. Die Debatte um die Vereinbarkeit von Präsidentschaft und privatem Aktienhandel dürfte die US-Politik jedenfalls weiter begleiten.