F1-Showdown

Dünne Luft: Ferrari hat Geheimwaffe für Mexiko-GP

© NurPhoto via Getty Images
Ausgerechnet Mercedes-Pilot George Russell sieht Ferrari vorne. Dahinter steckt ein technischer Vorteil, der in Mexiko entscheidend werden könnte.
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Der Mercedes-Pilot sieht die Italiener auf der höchstgelegenen Strecke der Formel 1 im Vorteil. Nicht wegen eines neuen Aerodynamik-Tricks, sondern wegen eines Bauteils im Motor. Was bisher eine technische Randfrage war, könnte durch die neuen Regeln von 2026 plötzlich über die Kräfteverhältnisse entscheiden. Denn auf 2.286 Metern Seehöhe gelten für die Motoren andere Bedingungen als auf gewöhnlichen Rennstrecken.

Ferrari hat einen Trumpf unter der Motorhaube

Der entscheidende Unterschied steckt im Turbolader. Ferrari setzt auf eine vergleichsweise kleine Variante, die schneller auf Drehzahl kommt. Das könnte den Italienern am Sonntag (21 Uhr, live auf ORF 1 und im Sport24-Liveticker) entgegenkommen.

In Mexiko enthält die dünne Luft weniger Sauerstoff. Um trotzdem genügend Luft in den Verbrennungsmotor zu pressen, müssen die Turbolader besonders hart arbeiten. Je länger sie brauchen, um den erforderlichen Druck aufzubauen, desto stärker verzögert sich die Leistungsentfaltung beim Beschleunigen.

Genau hier könnte Ferrari profitieren. Der kleinere Turbolader reagiert schneller, während größere Varianten möglicherweise mehr Zeit benötigen. Russell sieht darin einen Grund, weshalb die Scuderia an diesem Wochenende besonders konkurrenzfähig sein könnte.

Neue Motorregeln verschärfen das Problem

Hinzu kommt eine Änderung, die das Kräfteverhältnis zusätzlich beeinflussen könnte. Mit dem neuen Motorenreglement wurde die sogenannte MGU-H abgeschafft. Dieses System konnte den Turbolader elektrisch unterstützen und damit das Turboloch nahezu ausgleichen.

Ohne diese Hilfe müssen die Hersteller das Problem anders lösen. Und nirgendwo im Kalender fällt das stärker ins Gewicht als in Mexiko.

Honda-Chefingenieur Shintaro Orihara warnt bereits vor möglichen Schwierigkeiten. Erreichen die Turbolader ihre maximale Drehzahl, ohne genügend Ladedruck aufzubauen, könnten einzelne Hersteller gezwungen sein, die Motorleistung zu begrenzen.

Honda hat deshalb umfangreiche Prüfstandtests durchgeführt. Der Hersteller rechnet mit keinen oder nur geringen Einschränkungen. Ob die Vorbereitung ausreicht, wird sich erst auf der Strecke zeigen.

Verstappen befürchtet eine Rutschpartie

Für Max Verstappen kommt noch ein weiteres Problem dazu. Die dünne Luft beeinflusst nicht nur den Motor, sondern auch die Aerodynamik.

Die Luftdichte ist in Mexiko rund 20 bis 25 Prozent geringer als auf tiefer gelegenen Rennstrecken. Dadurch erzeugen die Flügel weniger Abtrieb, die Autos verlieren an Haftung.

Verstappen rechnet deshalb mit deutlich weniger Grip. Auch sein Red-Bull-Teamkollege Isack Hadjar erwartet schwierige Bedingungen.

Max Verstappen befürchtet, dass es in Mexiko rutschig wird. © IMAGO/PsnewZ

Erschwerend kommt hinzu, dass die seit 2026 vorgeschriebene aktive Aerodynamik den Teams weniger Spielraum bei der Abstimmung lässt. Mit besonders großen Flügeleinstellungen lässt sich der fehlende Abtrieb nicht mehr so einfach ausgleichen wie früher.

Neuer Asphalt könnte alles verändern

Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor liegt direkt auf der Strecke. Teile des Autódromo Hermanos Rodríguez haben einen neuen Asphaltbelag erhalten.

Der könnte den Fahrern mehr Haftung bieten und damit einen Teil der Nachteile durch die dünne Luft ausgleichen. Allerdings fehlen den Teams noch genaue Erfahrungswerte.

Aston-Martin-Einsatzleiter Mike Krack erklärte, dass sich die Eigenschaften des neuen Belags in den Simulationen noch nicht vollständig berücksichtigen ließen.

Die ersten Hinweise auf die tatsächlichen Kräfteverhältnisse liefert das freie Training am Freitag (19.30 Uhr, live auf ORF 1). Dann wird sich zeigen, ob Ferrari den von Russell vermuteten Vorteil tatsächlich auf die Strecke bringt.