Treuer Begleiter
Dylan bringt ein Stück Leichtigkeit in den Klinikalltag
Die sechsjährige Labrador-Hündin lässt sich streicheln, nimmt einen Ball entgegen oder sitzt einfach nur da und wedelt mit dem Schwanz. Für die Menschen auf der Krebsstation bedeutet ihre Anwesenheit vor allem eines: einen Moment Ablenkung.
Dylan ist nach Angaben des Metaxa-Krebskrankenhauses in Piräus die erste Therapiehündin, die offiziell in das griechische staatliche Gesundheitssystem integriert wurde.
Ihr „Arbeitsplatz" ist die Onkologie. Zwei- bis dreimal pro Woche besucht Dylan Patienten während ihrer Chemotherapie. Ihr Ziel: ihnen für eine Weile die Gedanken an Krankheit und Behandlung zu nehmen.
„Sie ist der erste Hund im griechischen staatlichen Gesundheitssystem, der als Mitarbeiter im Gesundheitswesen integriert wurde. Was ist ihre Aufgabe? Ihre Aufgabe ist es, Patienten in einigen der schwierigsten Momente ihres Lebens zu besuchen, während sie eine Chemotherapie erhalten, und ihnen dabei zu helfen, nicht ständig an die Behandlung zu denken – ihnen dabei zu helfen, für einen Moment aus dieser schwierigen Realität auszubrechen", sagt Sarantos Efstathopoulos, der Direktor des Metaxa-Krankenhauses.
Bevor Dylan die Station betritt, gibt es klare Regeln. Efstathopoulos fragt zunächst, ob jemand allergisch gegen Hunde ist oder Angst vor ihnen hat. Dann wird die Leine abgenommen – und Dylan beginnt ihre Runde.
Für Efstathopoulos sind die Reaktionen der Patienten besonders eindrucksvoll.
„Krebspatienten stehen vor einer enormen Herausforderung, vielleicht vor der größten Herausforderung ihres Lebens. Dylan bringt allein durch ihre Anwesenheit Freude, Lächeln und Momente der Erholung. Denn sobald die Diagnose gestellt ist, verschwindet dieses unbeschwerte Lebensgefühl."
Und Dylan könne dabei helfen, einen Teil dieser Angst für einen Augenblick zu verdrängen: „Was wir mit Dylans Hilfe geschafft haben, ist, ein wenig von dieser Angst wegzunehmen und sie durch ein Lächeln zu ersetzen."
Besonders achtet der Krankenhausdirektor auf die Gesichter der Patienten.
„Ich konzentriere mich normalerweise auf die Augen der Patienten. Während der Besuche beobachte ich, wie sie sie ansehen und wie sich ihre Gesichtsausdrücke verändern, wie ihre Gesichter aufleuchten, wenn sie mit Dylan interagieren."
Wenn Patienten sie streicheln, ein gemeinsames Foto machen möchten oder anfangen, mit ihr zu spielen, entstehen für ihn besondere Momente.
Für die 71-jährige Krebspatientin Katerina Tsilfidou ist es das erste Treffen mit Dylan. Ihre Reaktion fällt eindeutig aus:
„Ich bin heute zum ersten Mal mit ihr zusammen, und ich bin absolut begeistert. Die Behandlung verging, ohne dass ich es überhaupt bemerkt habe, und darüber bin ich sehr glücklich."
Auch Diamanto Mitrakou, 66, beschreibt die Begegnung als emotionalen Moment. Während sie Dylan streichelt, sagt sie:
„Wir danken dir für alles, was du für uns tust. Wir danken dir und wir lieben dich, genauso wie du uns liebst, dich um uns kümmerst und uns Freude schenkst."
Später erzählt sie, was die Begegnung mit Dylan bei ihr ausgelöst hat:
„Sie hat mir so viel positive Energie gegeben. Allein dadurch, dass ich sie gestreichelt und berührt habe, hatte ich das Gefühl, als würde sie mich verstehen, als würde sie die Traurigkeit aus meinem Inneren nehmen und ihre eigene Energie, ihre eigene Aura an mich weitergeben."
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Hinter Dylans ruhigem Auftreten steckt eine intensive Ausbildung. Rund 18 Monate dauert die Ausbildung und Beurteilung eines Therapiehundes. Die Tiere lernen zunächst grundlegende Kommandos und werden anschließend gezielt auf Situationen vorbereitet, die ihnen in Krankenhäusern begegnen können.
„Wir können nicht wirklich dazu beitragen, ihren Körper zu behandeln, aber wir können eine Rolle dabei spielen, ihre Seele zu heilen. Und das ist äußerst wichtig, denn wir sehen einen Menschen nicht isoliert, sondern als Ganzes", erklärt Konstantina Thanasoula, Trainerin und Hundeführerin bei Dog Therapy Greece.
Die Hunde lernen unter anderem, sich Patienten langsam zu nähern, neben einem Bett oder Sessel Platz zu nehmen und ruhig zu bleiben, damit die Menschen sie berühren und streicheln können.
Vor ihrem Einsatz im Krankenhaus werden die Tiere außerdem gesundheitlich und hygienisch überprüft. Hinzu kommen Verhaltens- und Persönlichkeitstests. Dabei wird untersucht, ob ein Hund für die Arbeit mit Patienten geeignet ist.
„Neben der Senkung von Herzfrequenz und Blutdruck und der Erhöhung von Oxytocin – dem Hormon, das mit Liebe verbunden ist – können wir durch die Interaktion zwischen einem Patienten und einem Hund auch mit dem Patienten sprechen", sagt Thanasoula.
„Die Patienten können uns erzählen, wie sie sich in dieser Situation fühlen. Oder sie erzählen uns, dass sie selbst einen Hund oder eine Katze haben, und wir sprechen darüber. Das verändert die Erfahrung im Krankenhaus zumindest für eine Weile."
Das Programm „Companions with Tails" wurde 2025 gemeinsam mit den gemeinnützigen Organisationen Dog Therapy Greece und Win Cancer gestartet. Nach Angaben der Trainerin verfügt die Organisation derzeit über neun Therapiehunde. Fünf weitere Hunde wurden in diesem Jahr ausgebildet. Das Interesse an tiergestützten Interventionen nehme in Griechenland zu.
Auch weitere Krankenhäuser zeigen laut Efstathopoulos Interesse. Die griechische Regierung plant demnach, den Einsatz von Therapiehunden bis Ende 2027 auf alle onkologischen Krankenhäuser des Landes auszuweiten. Anschließend sollen auch Kinder- und allgemeine Krankenhäuser folgen.
Efstathopoulos hat dabei eine langfristige Vision: Therapiehunde sollen eines Tages eine offiziell anerkannte Rolle erhalten – ähnlich wie Arbeitshunde bei Polizei, Feuerwehr oder Militär.
Bis dahin hat Dylan bereits einen festen Auftrag: Sie soll Menschen, die gerade eine der schwersten Zeiten ihres Lebens durchmachen, für einen Moment zum Lächeln bringen.