Kündigungen
Ein Glasriese gerät ins Wanken
Der Auslöser liest sich wie das Drehbuch einer Wirtschaftskrise – eine seit drei Jahren anhaltende Rezession in der weltweiten Baubranche, die nun mit voller Wucht auch Niederösterreich erreicht.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 52 Kündigungen wurden bereits beim AMS-Frühwarnsystem gemeldet, wirksam werden sie zwischen Ende des dritten und Anfang des vierten Quartals. Der Kahlschlag zieht sich durch sämtliche Unternehmensbereiche – von rund 1.250 Beschäftigten weltweit soll die Belegschaft um zehn Prozent schrumpfen. Ein stiller Aderlass mit lauten Folgen.
Die unsichtbare Kettenreaktion
Was auf den ersten Blick wie ein hausgemachtes Problem wirkt, entpuppt sich als globales Dominospiel. Lisecs Kunden – Glasverarbeiter, die Isolier-, Fassaden- und Interieur-Glaselemente fertigen – halten sich mit Investitionen zurück. Die Folge: Seit dem zweiten Quartal 2025 bricht der Auftragseingang bei Lisec spürbar ein. Ein Bauboom, der zum Bau-Stillstand wurde, reißt nun auch die Zulieferer der Zulieferer mit sich.
Das Unternehmen selbst gibt sich in seiner schriftlichen Stellungnahme nüchtern-strategisch: „Aus diesem Grund müssen wir unsere Kapazitäten und Kosten anpassen. Eine Senkung der Kapazitäten und Kosten im erforderlichen Umfang ist jedoch ohne Personalmaßnahmen nicht möglich." Klartext für: Der Rotstift regiert.
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Licht am Ende des Tunnels – oder Galgenhumor?
Parallel zu den Kündigungen schraubt Lisec auch an den globalen Unternehmensstrukturen. Doch das Management wagt einen vorsichtigen Silberstreif: Man gehe davon aus, dass die Talsohle der Baubranche bereits durchschritten sei und sich eine schrittweise Konsolidierung abzeichne. Weitere Personalmaßnahmen seien demnach vorerst nicht geplant – ein Versprechen, das in Zeiten wackelnder Weltmärkte mit Spannung im Bezirk Amstetten verfolgt wird.