"Wir sind startklar", freut sich Thomas Meixner, Präsident des Wiener Eislauf-Vereins, auf den Saisonbeginn am 5. November. Wer dann auf die mehr als 6.000 Quadratmeter große Eisfläche kommt, wird von den jüngsten Investitionen allerdings nur einen Teil bemerken. Denn viel Geld ist in die Technik geflossen. Unter anderem wurden die Notanlage, die bei einem Stromausfall wichtige Systeme am Laufen hält, sowie Wasserleitungen, Kanäle und Elektroinstallationen erneuert.
Sichtbarer sind die Arbeiten in der Eishockey-Arena, wo nach der Verglasung im Vorjahr nun auch die Bande ausgetauscht wurde. Dazu kommen ein neuer Barcontainer für Heimspiele und ein VIP-Zelt. Zusätzliche Toiletten sollen noch geliefert werden. Wie viel Geld der Verein insgesamt investiert hat, will Meixner aber nicht verraten. "Zahlen bringen immer ein schlechtes Karma."
Wärmere Winter werden zum Problem
Der Wiener Eislauf-Verein kommt ohne öffentliche Subventionen aus. Möglich macht das der Ganzjahresbetrieb. Im Sommer sorgen Veranstaltungen wie der Opernsommer oder 3x3-Basketball für Einnahmen, dazu kommen Mieten aus Geschäftsflächen an der Lothringerstraße. Dennoch wird der Betrieb zunehmend teurer. Vor allem die steigenden Energiekosten setzen dem Verein zu. Eine weitere Herausforderung lässt sich allerdings nicht mit Geld allein lösen. Durch den Klimawandel werden die Winter immer wärmer.
Der Verein hat darauf bereits reagiert und den Saisonbeginn in den vergangenen Jahren um rund drei Wochen nach hinten verschoben. Wie lange Eislaufen unter freiem Himmel noch möglich sein wird, kann Meixner nicht abschätzen. "Vielleicht wird Eislaufen im Freien einmal überhaupt aufhören und man macht das in einer Halle", sagt der Vereinspräsident.
Aufgeben will der Verein den Freiluftbetrieb deshalb aber noch lange nicht. "Im Moment ist es machbar für uns und wir werden es machen, solange es geht", betont Meixner. Sollte der Klimawandel den Betrieb eines Tages unmöglich machen, will der Verein darauf vorbereitet sein. "Dann haben wir sicher ein Konzept parat", erklärt der Präsident.
Besonders problematisch sei dabei nicht allein die Wärme, sondern der Wind. Über dem gekühlten Eis bildet sich laut Meixner eine kalte Luftschicht, die das Eis zusätzlich schützt. Wird diese vom Wind weggeblasen, kann die Sonneneinstrahlung stärker auf die Eisfläche wirken. Für den Vereinspräsidenten ist der Wind deshalb der größte Feind eines Freiluft-Eislaufplatzes.
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Heumarkt-Projekt sorgt für Unsicherheit
Auch das seit Jahren umstrittene Heumarkt-Projekt beschäftigt den Traditionsverein weiterhin. Nachdem die UNESCO das historische Zentrum Wiens im Juli von der Liste des gefährdeten Welterbes gestrichen hat, sind laut Meixner auch die Gespräche mit der Wertinvest wieder angelaufen. Eine Rahmenvereinbarung sichert dem Eislauf-Verein für die Bauzeit einen Ersatzstandort zu. Wo dieser liegen wird, ist allerdings weiterhin offen. Die gesamten Kosten einer Übersiedlung soll der Investor übernehmen. Als möglicher Baubeginn steht weiterhin 2028 im Raum.
Bis dahin muss der Traditionsverein genau überlegen, wie viel Geld noch in den bestehenden Standort fließen soll. Eine Untersuchung hat ergeben, dass für einen langfristigen Verbleib am Heumarkt bis 2056 umfangreiche Sanierungen notwendig wären. "Das sind Millionen, die zu investieren sind", erklärt Meixner.
Die jahrelange Unsicherheit macht die Planung schwierig. Denn sollte tatsächlich 2028 mit dem Bau begonnen werden, könnten sich größere Investitionen in die bestehende Anlage kaum noch auszahlen. Jeder Cent, der bis dahin in eine umfassende Sanierung fließt, wäre dann "ein rausgeschmissener Cent", beschreibt Meixner das Dilemma. Derzeit konzentriert sich der Verein deshalb auf notwendige Arbeiten. "Wir sanieren eher anlassgegeben." Statt kleinere Schäden immer wieder auszubessern, werden betroffene Bereiche bei Bedarf gleich umfassend saniert. So wurde nach einem Kanalgebrechen im Vorjahr der gesamte betroffene Kanalstrang bis zur Straße erneuert. Eine umfangreiche Modernisierung bleibt angesichts der ungewissen Zukunft vorerst aus.
Bis zu 300.000 Besucher pro Winter
Trotz aller Sorgen ist das Interesse am Eislaufen ungebrochen. Zwischen 250.000 und 300.000 Besucher kommen laut Meixner in einer Wintersaison auf den Heumarkt. Nach zwischenzeitlichen Schwankungen habe sich die Nachfrage zuletzt sogar wieder deutlich verbessert. "Wir haben im Moment mehr Zulauf als früher", freut sich der Vereinspräsident.
Dass die Menschen angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten genauer auf ihre Ausgaben achten, bekommt allerdings auch der Eislauf-Verein zu spüren. Meixner sieht den Eissport dennoch im Vorteil. "Eislaufen ist nach wie vor ein Sport, der im Vergleich zu anderen Sportarten günstig ist", betont er. Auch die Möglichkeit, praktisch den ganzen Tag auf dem Eis zu verbringen, spreche für den Eislauf-Verein. "Sie können bei uns um 9 Uhr in der Früh beginnen und mit einem Eintritt bis 20 Uhr am Abend durchgehend da sein", erklärt Meixner.
"Eislaufmütter" gibt es jetzt auch beim Eishockey
Und die legendären "Eislaufmütter"? Jene Eltern, die ihren Nachwuchs mit großem Ehrgeiz aufs Eis schicken und vom nächsten Olympiasieg träumen? Die gibt es nach wie vor, wie Meixner mit einem eindeutigen "definitiv" bestätigt. Mittlerweile hat sich das Phänomen sogar auf eine andere Sportart ausgeweitet. "Dieser Eislaufmütter-Mythos ist ja eigentlich ein Mythos des Eiskunstlaufs. Das gibt es aber mittlerweile beim Eishockey auch", erzählt Meixner. Auch dort seien besonders ehrgeizige Eltern unterwegs, die ihre Sprösslinge zum Training bringen und genau darauf achten, dass es mit der sportlichen Karriere vorangeht.
Gratis Eislaufen zum Saisonstart
Für Erwachsene kostet eine Tageskarte unter der Woche heuer 11,60 Euro, am Wochenende 12,60 Euro. Jugendliche von 7 bis 17 Jahren zahlen 8,40 bzw. 8,90 Euro, für Kinder von 3 bis 6 Jahren werden 3,20 bzw. 3,70 Euro fällig. Am Eröffnungstag ist das Eislaufen hingegen kostenlos. Ab 15 Uhr dürfen die Besucher aufs Eis, um 18 Uhr beginnt ein Charity-Eisstockschießen zugunsten von "Licht ins Dunkel". Bis 21 Uhr kann bei freiem Eintritt gelaufen werden. Mitglieder dürfen übrigens schon ab 12 Uhr aufs Eis.