Angebot erweitert
Eltern-Kind-Pass: Das ändert sich ab 1. Oktober
Dazu kommen unter anderem eine weitere Ultraschalluntersuchung gegen Ende der Schwangerschaft, eine zusätzliche freiwillige Hebammenberatung und eine kostenlose Elternberatung. Die Neuerungen gelten auch für Familien, die den Eltern-Kind-Pass schon besitzen.
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Aktuell umfasst das Untersuchungsprogramm für Schwangere fünf gynäkologische Untersuchungen inklusive zwei Laboruntersuchungen, drei Ultraschalluntersuchungen und eine interne Untersuchung. Außerdem ist eine Hebammenberatung möglich. Künftig kann diese erstmalig zwischen der 14. und 20. Schwangerschaftswoche stattfinden, eine zweite zwischen der 24. und 34. Woche. Dabei geht es um Themen wie Stillen und Ernährung sowie den Umgang mit Alkohol, Nikotin und anderen Suchtmitteln. Dass die Hebammenberatung nur freiwillig und nicht verpflichtend angeboten wird, hatte das Österreichische Hebammengremium in der Vergangenheit kritisiert.
Risiken sollen im Blick bleiben
Zwischen der 14. und 20. Woche angesetzt ist außerdem ein neues Gesundheitsgespräch über die körperliche und seelische Verfassung sowie mögliche soziale und finanzielle Belastungen. Es kann bei Hausarzt oder Hausärztin oder im Rahmen der ersten Hebammenberatung stattfinden. Themen zu finanziellen Leistungen, zur Karenz und zur Erziehung können bei einem neuen kostenlosen Gespräch in einer Familienberatungsstelle angesprochen werden.
Die internistische Untersuchung wird künftig zwischen der 14. und 20. Schwangerschaftswoche als allgemein- und familienmedizinische Untersuchung angeboten, dabei werden auch Vorerkrankungen berücksichtigt. Überhaupt sollen gesundheitliche Risiken mehr im Blick bleiben. So kann bei erhöhtem Diabetesrisiko bereits bei der ersten Laboruntersuchung ein Zuckerbelastungstest gemacht werden. Auch das Risiko für eine Schilddrüsenerkrankung und der Impfstatus sollen bei der ersten Untersuchung erhoben werden. Zwischen der 35. und 38. Woche gibt es künftig einen vierten Ultraschall, bei dem besonders auf die Lage des Kindes geachtet wird.
Familien erhalten Zusatzheft
Bestehen bleiben die neun vorgesehenen Untersuchungen für Kleinkinder, sie werden aber inhaltlich ausgeweitet. So wird künftig verstärkt auf die motorische Entwicklung und mögliche Regulationsstörungen geachtet. Zudem gibt es mehr praktische Beratung für Eltern: Etwa zu sicherem Babyschlaf, Ernährung, Impfungen und Unfallverhütung. Berücksichtigt werden auch mögliche Belastungen im Familienalltag; Eltern werden bei Bedarf auf Hilfsangebote hingewiesen.
Auch für jene, die schon einen Eltern-Kind-Pass haben, erfolgen Untersuchungen, deren vorgesehener Zeitraum noch bevorsteht, ab dem 1. Oktober nach dem neuen Programm. Mehrmals verschoben wurde die Einführung des elektronischen Eltern-Kind-Passes, er soll wegen technischer Probleme bei der Umsetzung erst am 1. Oktober 2027 verpflichtend werden. Familien erhalten deshalb für die neuen Untersuchungen ein Zusatzheft, das genauso wie der gelbe Papierpass zu den Untersuchungsterminen mitgebracht werden soll.
Bessere Daten sollen zeigen, wo Versorgung fehlt
Die gewonnenen Untersuchungsergebnisse sollen künftig außerdem genauer dokumentiert werden. Dadurch erwartet sich das Gesundheitsministerium einen besseren Überblick über die Gesundheit von Schwangeren und Kindern. "Bessere Daten zeigen uns, wo Versorgung fehlt. So können wir öffentliche Mittel gezielt einsetzen und Angebote dort ausbauen, wo Familien sie am dringendsten brauchen", stellte Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) in einer Pressemitteilung fest.
Das Programm sei auf Basis wissenschaftlicher Empfehlungen entwickelt und mit Fachleuten aus Frauenheilkunde, Hebammenwesen, Kinderheilkunde, Allgemeinmedizin und Labormedizin abgestimmt worden, unterstrich das Ressort. Peter McDonald, der Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger, sprach von einem "großen Wurf für Schwangere und ihre Kinder". Bund und Sozialversicherung würden dafür knapp 17 Millionen Euro jährlich investieren.
Grüne sehen viele offene Fragen
Für die Grünen ist das erweiterte Untersuchungsprogramm zwar inhaltlich wichtig, Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner machte jedoch Startschwierigkeiten aus. "Es gibt offene Fragen bei Zusatzheften, Abrechnung, Ordinationssoftware und Zuständigkeiten. Wenn wenige Tage vor dem Start Ärzt:innen, Länder und Ministerium öffentlich darüber streiten, wer was wann bekommen hat, dann ist das kein professioneller Roll-out, sondern ein Alarmsignal", monierte er in einer Aussendung. Die Wiener Ärztekammer hatte mangelnde Vorbereitung kritisiert, das Gesundheitsministerium die Vorwürfe zurückgewiesen. Auch bemängelte Schallmeiner die Verschiebung des elektronischen Eltern-Kind-Passes.