Fotoprojekt

Franz Josef Baur mit Miss auf Habsburgs Spuren

© RUTH HUNDESHAGEN
Der Wiener Konzeptkünstler Franz Josef Baur schlägt mit seinem neuen Fotoprojekt eine faszinierende Brücke zwischen Österreich und Mallorca. Inspiriert von den Spuren eines Habsburgers inszenierte er in dem idyllischen Bergdorf Orient eine Fotoserie.
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Mallorca besitzt eine bemerkenswerte und tief verwurzelte historische Verbindung zur österreichischen Geschichte. Erzherzog Ludwig Salvator aus dem Hause Habsburg-Lothringen widmete einen bedeutenden Teil seines Lebens der wissenschaftlichen Erforschung der Balearen. In seinem monumentalen, weltberühmten Werk "Die Balearen in Wort und Bild geschildert" dokumentierte der Adelige im 19. Jahrhundert die Landschaft, die artenreiche Natur, die traditionelle Architektur und die Lebensweise der damaligen Inselbewohner. Auch das winzige, abgeschiedene Bergdorf Orient im Tramuntana-Gebirge gehörte zu den Orten, die der Erzherzog detailgetreu festhielt.

Mehr als 150 Jahre nach diesen kaiserlichen Aufzeichnungen wird Orient nun erneut zum Schauplatz einer intensiven künstlerischen Betrachtung. Während eines mehrmonatigen Sommeraufenthalts auf der spanischen Insel entdeckte der in Wien lebende Konzeptkünstler Franz Josef Baur die historischen Schriften Ludwig Salvators. Die Tatsache, dass ausgerechnet ein österreichischer Erzherzog diesen stillen, fast vergessenen Ort bereits im vorletzten Jahrhundert in Wort und Bild verewigte, faszinierte den Künstler nachhaltig. Inspiriert von dieser geschichtsträchtigen Achse inszenierte er vor Ort seine fotografische Serie "Ein Sommer in Orient – Ein Augenblick nur für uns".

Die Symbiose aus zarten Fäden und historischem Stein

Im absoluten Mittelpunkt dieser künstlerischen Aufnahmen steht das bekannte mallorquinische Model Delia Marjorie, die amtierende Miss Grand Islas Baleares 2025. Sie verkörpert in dem Projekt die junge, selbstbewusste und zeitgenössische Generation der Baleareninsel. In den kunstvollen Fotografien tritt sie in einen lautlosen, fast intimen Dialog mit den jahrhundertealten Steinmauern des Dorfes, der unberührten, rauen Berglandschaft und den dort heimischen Tieren.

Die visuelle Besonderheit des Projekts liegt in der Garderobe:

Händisch gefertigte Kunstkleider: Franz Josef Baur schuf für das Projekt Kleider, die er in mühevoller Detailarbeit aus einzelnen Fäden wob.

Fragile Schutzhüllen: Die textilen Kunstwerke umgeben den Körper des Models wie zarte, beinahe unvollendete Kokons.

Kontrastreiche Inszenierung: Die extreme Leichtigkeit und Verletzlichkeit der Fadenkleider stehen in starkem Kontrast zur unnachgiebigen Beständigkeit des massiven Steins.

Franz Josef Baur shootete mit der balearischen Miss © Lola Fritz

Stoff, Haut, karges Gestein und das wechselhafte mediterrane Licht verbinden sich in Baurs Arbeiten zu einer ganz eigenen Bildsprache. Sie oszilliert gekonnt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen künstlicher Inszenierung und unberührter Ursprünglichkeit. Während Erzherzog Ludwig Salvator das Mallorca seiner Zeit noch mit wissenschaftlicher Präzision, Zeichnungen und literarischen Texten dokumentierte, nähert sich Baur der Insel mit den emotionalen Mitteln der zeitgenössischen Fotokunst.

Österreichische Gastfreundschaft im Herzen Mallorcas

Neben der historischen Dimension spielten für den Wiener Künstler vor allem die persönlichen Begegnungen während des Sommers eine prägende Rolle. Besonders berührte ihn die Geschichte eines Paares aus Österreich und Deutschland, das mit viel Engagement und Herzlichkeit das Hotel Nou Dalt Muntanya direkt in Orient führt. In ihrer dortigen Küche verbinden die beiden Gastgeber mit großer Leidenschaft österreichische Küchentraditionen mit den intensiven Aromen und frischen, regionalen Produkten Mallorcas.

Die Sujets sind eine Liebserklärung an Mallorca. © Lola Fritz

Diese gelebte Gastfreundschaft und die spürbare Liebe der Hotelbetreiber zum Dorf Orient wurden für Baur zu einem Symbol für gelungene Völkerverständigung und kreativen Austausch. Die Fotoserie versteht sich daher auch als eine ganz persönliche Liebeserklärung an einen Ort, der für den Künstler während des Sommers zu einer Oase der Ruhe, der echten Begegnung und der heilsamen Entschleunigung wurde.

Franz Josef inszenierte seine Fadenkleider © Lola Fritz

Unter seinem persönlichen Lebensmotto "Wer Liebe gibt, bekommt Liebe zurück" versteht der Wiener Konzeptkünstler diese Arbeiten als ein großes Dankeschön an Mallorca – für die Menschen, die seinen Weg kreuzten, für die unerschöpfliche Inspiration und für die einzigartige, fast magische Energie des Tals von Orient. Mit den fertigen Bildern nimmt Franz Josef Baur nun ein bleibendes Stück seines Mallorcas mit zurück in die Bundeshauptstadt.