In der kalten Jahreszeit laufen sie wieder auf Hochtouren und rücken damit verstärkt in unseren Fokus: Heizkörper. Sie sind selten ein optisches Highlight und nehmen häufig einen prominenten Platz direkt unter dem Fenster ein. Doch diese Position ist keineswegs zufällig.
Darum kam die Heizung ans Fenster
Die Antwort darauf findet sich in der Vergangenheit. Dafür müssen wir rund 100 Jahre zurückblicken. Damals waren die Möglichkeiten zur Wärmedämmung noch deutlich eingeschränkter und Fenster meist nur einfach verglast. Der Bereich rund um das Fenster war deshalb oft besonders ungemütlich und schimmelanfällig. Die Lösung: Man platzierte die Wärmequelle genau dort, wo die Kälte am stärksten spürbar war, direkt unter dem Fenster. So konnte die aufsteigende warme Luft der kalten Luft entgegenwirken und für ein angenehmeres Raumklima sorgen.
Gleichmäßige Wärmeverteilung
Auch heute, trotz moderner Doppel- oder Dreifachverglasung, bleibt das Fenster fast immer die kälteste Stelle im Raum. Wenn Luft an der kalten Fensterscheibe abkühlt, wird sie schwerer und sinkt nach unten. Genau dort wartet aber unser Heizkörper. Dieser erwärmt die Luft, wodurch sie sich ausdehnt, leichter wird und nach oben steigt.
Die aufsteigende Wärme trifft auf die kalte Luft, die an der Fensterscheibe nach unten sinkt. Dabei wird diese erwärmt und wieder in den Raum getragen. So entsteht eine natürliche Luftzirkulation, die sogenannte Konvektionsströmung. Sie sorgt dafür, dass sich die Wärme gleichmäßig im Raum verteilt und eine angenehme Raumtemperatur entsteht. Wäre der Heizkörper an einer anderen Wand angebracht, könnten sich hingegen unangenehme Kältezonen bilden, während sich die warme Luft vor allem unter der Decke sammelt.
Clevere Platzersparnis
Auch aus Sicht der Raumgestaltung ist der Platz clever gewählt. Denn seien wir ehrlich: Was sollte man sonst mit dem Bereich direkt unter der Fensterbank anfangen? Der Heizkörper nutzt ihn sinnvoll, ohne wertvolle Stellfläche im Raum wegzunehmen. Einen riesigen Kleiderschrank kannst du dort nicht aufstellen, das Sofa blockiert das Öffnen des Fensters und auch der Fernseher sollte dort wegen des Gegenlichts besser nicht stehen. Der Heizkörper nutzt diesen baulichen "Toten Winkel" perfekt aus, ohne dir wertvolle Stellfläche an den Hauptwänden zu stehlen.
Brauchen wir das heute überhaupt noch?
In modernen Neubauten mit gut isolierter Dreifachverglasung und ausgeklügelten Lüftungsanlagen ist der krasse Temperaturunterschied am Fenster natürlich nicht so stark. Deshalb greifen heute viele Bauherren auf moderne Fußboden- oder Wandheizungen zurück, bei denen der klassische Heizkörper komplett verschwindet. Doch in den Millionen Bestandsbauten, Altbauwohnungen und klassischen Häusern bleibt die Platzierung unter dem Fenster die effektivste, logischste und gemütlichste Lösung.