Das "Atelier Fischer" ist mit einem Michelin-Stern und vier Hauben von Gault Millau ausgezeichnet. Nun sorgt ausgerechnet ein Fischgericht für Aufsehen.
Die Gourmet-Kritiker Jacqueline Pfeiffer und Wolfgang Fischer entdeckten in ihrer Kolumne "Der Connaisseur und Die Cuisinière" den "Taco vom Frauennervling". Der Name des Fisches war dabei bereits falsch geschrieben: Richtig heißt die Art Frauennerfling.
Auch interessant
Der größere Haken steckt allerdings im Fisch selbst. Beim servierten Tier soll es sich um einen Frauennerfling (Rutilus virgo) gehandelt haben. Die gefährdete Karpfenart steht auf der Roten Liste und ist in Österreich ganzjährig geschont.
Das bedeutet: Der Fisch darf grundsätzlich nicht aus Gewässern entnommen und anschließend verarbeitet werden – auch nicht, wenn er aus einem privaten Gewässer stammt.
Restaurant spricht von "Zufallsprinzip"
Zunächst erklärte der Restaurantleiter den Kritikern, das Lokal verfüge über einen eigenen Fischteich beziehungsweise Seegrund rund 100 Meter vom Haus entfernt. Dort werde mehrmals pro Woche mit unterschiedlichen Ködern und Methoden gefischt, um bestimmte Arten gezielt zu fangen. Der Frauennerfling sei dabei der "Fang der Woche" gewesen.
Nach dem Hinweis auf die Schutzbestimmungen änderte sich die Darstellung.
In einer schriftlichen Antwort erklärte das Restaurant, beim Angeln lasse sich nicht vorher bestimmen, welcher Fisch tatsächlich anbeiße. Geschützte Arten würden keinesfalls gezielt befischt. Es handle sich vielmehr um ein "natürliches Zufallsprinzip".
Was passiert mit einem geschützten Fisch?
Das Restaurant argumentiert außerdem mit dem Tierschutz: Wenn ein Fisch einen Haken so tief verschluckt habe, dass ein Zurücksetzen nicht sinnvoll sei, müsse das Tier waidgerecht getötet werden. Anschließend werde es verwertet.
Warum der Frauennerfling allerdings weiterhin als "Fang der Woche" beschrieben wurde und wie genau er auf der Speisekarte landete, bleibt damit offen.
Auch die unterschiedliche Schreibweise des Namens sorgt für einen kuriosen Nebenaspekt. Auf der Karte stand "Frauennervling" statt "Frauennerfling". Ob es sich dabei tatsächlich nur um einen Tippfehler handelt, erklärte das Restaurant den Kritikern zufolge entsprechend.
Der Fall wirft damit vor allem eine Frage auf: Wie konnte ein ganzjährig geschützter Fisch überhaupt als Taco in einem Spitzenrestaurant am Wolfgangsee landen?