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Im freien Fall: Warum Kanzler Merz so schlecht ankommt

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Friedrich Merz ist so unbeliebt wie fast noch kein Kanzler.
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Nur 16 Monate nach Amtsantritt scheint Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in einer Abwärtsspirale gefangen, in der sich die Effekte von Wahlniederlagen, schlechten persönlichen Werten und innerparteilichen Zweifeln gegenseitig verstärken. Einen derart rasanten Ansehensverlust eines Kanzlers hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben.

Wie ist es um das Ansehen des Kanzlers aktuell bestellt?

Demoskopen messen einen beispiellosen Ansehensverlust. Roland Abold, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Infratest, sieht Merz an einem "Tiefpunkt". In den Umfragen des Instituts kommt Merz auf die "schlechtesten Werte, die wir je für einen amtierenden Kanzler gemessen haben", sagt Abold der Nachrichtenagentur AFP. Aktuell misst Infratest nur noch 13 Prozent Zustimmung für ihn. "Der Rückgang in den Zufriedenheitswerten ist vom Umfang, aber auch von der Geschwindigkeit her relativ beispiellos."

In den Erhebungen des Instituts Forsa sind inzwischen sogar nur noch zehn Prozent mit der Arbeit von Merz zufrieden. "Einen derart tiefen Wert haben wir noch nie gemessen für einen Kanzler", stellt auch Geschäftsführer Peter Matuschek fest. Selbst Vorgänger Olaf Scholz (SPD) sei zum Ende seiner Amtszeit in der Ampel-Koalition noch auf 23 Prozent gekommen.

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Kann sich Merz aus diesem Stimmungstief nochmal herausarbeiten?

Merz selbst hat nach der Wahlschlappe im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt das Ziel vorgegeben: Seine Regierung muss Vertrauen zurückgewinnen, der Reformkurs muss fortgesetzt werden, und er selbst will sich um eine bessere Ansprache der Bürgerinnen und Bürger bemühen. Angesichts des Unmuts, der Merz im Land entgegenschlägt, wird das keine leichte Aufgabe.

"Dass sich das Bild von Merz nochmal verbessert, da bin ich eher skeptisch: Dazu hat es sich in der Bevölkerung inzwischen zu sehr verfestigt", sagt Forsa-Meinungsforscher Matuschek der Nachrichtenagentur AFP. Merz sei nie "als sympathisch oder vertrauenswürdig" wahrgenommen worden, aber zu Beginn seiner Kanzlerschaft noch mehrheitlich "als kompetent oder führungsstark". Auch dies sei nun nicht mehr der Fall.

Was sind die Gründe für diesen Imageverlust?

Matuschek nennt drei Punkte, die Umfrageteilnehmer dem Kanzler oft ankreiden: Ein Problem sei der Eindruck, dass Merz Dinge ankündigt, ohne dass etwas daraus folge. Er nennt den im vergangenen Jahr angekündigten "Herbst der Reformen. Dann kam der Winter, dann das Frühjahr, aber die Reformen blieben aus".

"Der andere Kritikpunkt an Merz sind 'gebrochene Wahlversprechen', vor allem seine Kehrtwende bei der Schuldenbremse", sagt Matuschek. Und schließlich gebe es die Vorbehalte gegen Merz als Person: "Sein Führungsstil, sein Umgangston und seine unbedachten Äußerungen, die viele bei einem Kanzler, der ja eigentlich zusammenführen sollte, als unangemessen empfinden."

Und an Merz' Start als Kanzler war noch die Erwartung geknüpft, die Regierungsarbeit professioneller auszuführen als die an internen Zerwürfnissen gescheiterte Ampel-Koalition unter SPD-Kanzler Scholz. "Da war die Hoffnung, dass er jetzt das Ruder rumreißt, Stabilität und Handlungsfähigkeit in die Regierung bringt", sagt Meinungsforscher Abold von Infratest. Dies habe sich nicht erfüllt. "Auch deswegen ist die Enttäuschung jetzt natürlich relativ groß."

Wie sieht es in der eigenen Partei aus?

Die Enttäuschung über den Kanzler hat sich nicht nur in der ohnehin Merz-skeptischen Öffentlichkeit verfestigt - sie hat auch die eigene Partei erfasst. Mit seinem Versprechen von "CDU pur" hatte Merz im Wahlkampf hohe Erwartungen in den eigenen Reihen geweckt. Anpacken, Klartext reden, das Land modernisieren: Seinem Selbstverständnis nach wollte Merz ein starker Kanzler sein - ein Reformkanzler, der das träge gewordene Land in Bewegung setzt und der programmatisch ausgelaugten CDU wieder zu einem schärferen politischen Profil verhilft.

"Merz war angetreten mit einem klar wirtschaftsliberalen und konservativen Profil", sagt Politikprofessor Marc Debus von der Universität Mannheim AFP. "In der Koalition mit der SPD muss er Kompromisse eingehen, die deutlich links von der Haltung der Union sind, mit der sie 2025 in den Wahlkampf gezogen ist. Das führt in der CDU zu Kritik an Merz."

Der Autoritätsverlust unter den CDU-Anhängern sei "eigentlich das Dramatische für ihn", befindet Forsa-Geschäftsführer Matuschek. "Mittlerweile ist auch eine Mehrheit derjenigen, die jetzt noch die Union wählen wollen, nicht mehr mit ihm zufrieden und fremdelt mit diesem Kanzler."