Für Benzin
Italiens Spritbranche geschockt wegen Eni-Preisdeckel
Die Maßnahme sorgt jedoch für Streit in der Branche. Der Tankstellenverband Assopetroli-Assoenergia wirft Eni vor, mit der Preissenkung den Wettbewerb zu verzerren. Kleinere Anbieter könnten mit den angekündigten Preisen nicht mithalten, erklärte Verbandspräsident Andrea Rossetti.
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Eni will ab Montag an seinen Tankstellen für Privatkunden maximal 1,99 Euro je Liter Benzin und 2,19 Euro je Liter Diesel verlangen. Der Konzern erwägt, den Preisdeckel bis zum Jahresende beizubehalten. Nach Berechnungen auf Grundlage der jüngsten Halbjahreszahlen könnte die Maßnahme Eni rund 100 Millionen Euro im Monat kosten. Der Konzern verkauft im Privatkundengeschäft durchschnittlich rund 600 Millionen Liter Kraftstoff pro Monat.
Tankstellenverband will sich an Regierung Meloni wenden
Die Preisbegrenzung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die staatliche Entlastung beim Dieselpreis reduziert wird. Der von der Regierung gewährte Tankrabatt von bisher 12,2 Cent je Liter wurde am Samstag auf 6,1 Cent halbiert. Nach Berechnungen des italienischen Verbraucherschutzverbands Codacons verteuert sich das Tanken dadurch bei einer Tankfüllung von 50 Litern um rund 3,05 Euro.
Nach Einschätzung von Assopetroli können kleinere Wettbewerber die Eni-Preise nicht nachvollziehen. "Auch wenn wir unsere Margen vollständig aufgeben, können wir niemals auf diese Preise kommen", sagte Rossetti. Der Verband will sich deshalb an die italienische Regierung wenden. Enis Maßnahme sei nicht nur wettbewerbsverzerrend, sondern zudem unzureichend, weil sie einen Teil des Kraftstoffmarktes nicht erfasse.
Eni verfügt landesweit über rund 3.847 Tankstellen, von denen etwa drei Viertel dem Konzern gehören oder von ihm betrieben werden. Die übrigen Stationen werden von Vertragspartnern unter den Marken Eni und Enilive geführt. Für diese Betreiber kann die kurzfristige Preissenkung ebenfalls zum Problem werden, da sie einen Teil ihrer Bestände bereits zu höheren Preisen eingekauft haben. Eni kündigte an, die daraus entstehenden Kosten auszugleichen.
Engpässe sind möglich
Auch die Frage der Versorgung könnte zum Problem werden. Die Eni-Tankstellen machen weniger als ein Fünftel der insgesamt rund 22.000 Tankstellen in Italien aus. Bei einem starken Anstieg der Nachfrage könnten deshalb Engpässe an Eni-Tankstellen entstehen. Der Konzern erklärte, seine Logistik und Raffineriekapazitäten auf Nachfragespitzen auszurichten. Außergewöhnlich starke Nachfrage könne jedoch zu vorübergehenden Problemen bei den Beständen führen.
Die Preisbegrenzung betrifft zudem nur das Privatkundengeschäft. Der sogenannte "Extra-Rete"-Vertrieb, über den unter anderem unabhängige Tankstellen, Landwirtschaft, Fischerei und Transportunternehmen beliefert werden, ist ausgenommen. Für Speditionen bleibt Diesel damit vom Preisdeckel unberührt. Der Transportverband Assotir fordert deshalb weitere Maßnahmen gegen die hohen Dieselpreise. Sollte die Regierung die Verbände der Branche nicht zu Gesprächen einladen, schließt Verbandschef Claudio Donati einen Streik nicht aus.
Auch Tankstellenkette IP senkt Benzinpreise
Nach dem Energiekonzern Eni begrenzt nun auch die Tankstellenkette IP die Preise für Kraftstoffe. Die staatliche aserbaidschanische Gesellschaft Socar, die den italienischen Mineralölkonzern Italiana Petroli (IP) kontrolliert, will damit einem "Appell der italienischen Regierung" folgen und einen Höchstpreis für den Verkauf von Kraftstoffen festlegen. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni begrüßte die Entscheidung als "wichtiges Signal". Sie dankte dem aserbaidschanischen Präsidenten und versicherte, die Regierung werde die Familien angesichts der steigenden Kosten weiter unterstützen.
Unterdessen steigen die durchschnittlichen Kraftstoffpreise weiter. Der Dieselpreis an italienischen Autobahntankstellen nähert sich inzwischen der Marke von 2,50 Euro pro Liter. Das sorgt zunehmend für Unmut bei Menschen, die beruflich auf ihr Auto angewiesen sind. Nach den Spediteuren weitet sich der Protest nun auf die Taxifahrer aus. Ihre Verbände fordern ein Gespräch mit der Regierung. Sollte es dazu nicht kommen, drohen sie mit einem Streik.