FPÖ-Feier
Kickl will mit Haider das "System" stürzen
FPÖ-Chef Herbert Kickl würdigte Haider in höchsten Tönen: "Ich verneige mich vor ihm." Der 13. September 1986 sei "unser eigentlicher Geburtstag." Witwe Claudia Haider übergab er die "Goldene Verdienstmedaille" für "unseren Jörg."
Diese hohe Parteiauszeichnung habe man neu eingeführt, so Kickl am Schluss der Veranstaltung. Es sei ihm eine besondere Ehre, diese "posthum" Jörg Haider zukommen zu lassen, meinte er, neben der Witwe stehend: "Für den Retter von Innsbruck." Claudia Haider, neben Kickl stehend, erklärte gerührt: "Ihr Applaus für meinen Mann. Mein Dank an sie. Er hat's verdient." Zuvor war sie unter großem Applaus begrüßt worden. Kickl nannte Claudia Haider in seiner Rede die "allergrößte und allerwertvollste Stütze des Jörg": "Dankeschön für deine Treue und dein Lebenswerk."
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An den 13. September 1986 erinnerte der Bundesparteichef euphorisch."Es war die Geburtsstunde einer völlig neuen FPÖ. Aus Partei einer Partei ist eine Gesinnungsgemeinschaft und Bewegung geworden. Es war eine historische Wende. Eine politische Revolution der Denkungsart", rief Kickl den mehr als 1.000 Gästen, Funktionären und Sympathisanten den 13. September 1986 unter deren euphorischem Applaus und unter Querverweis auf Immanuel Kant im Saal Tirol zu. Exakt jenem Ort, in dem damals österreichische Zeitgeschichte geschrieben wurde. Ebendort, wo der 36-jährige damalige Kärntner Landesrat und Landesparteiobmann Jörg Haider auf einem dramatischen Parteitag in einer Kampfabstimmung den amtierenden Parteiobmann und Vizekanzler Norbert Steger mit 57,7 Prozent Delegiertenstimmen kurz vor Mitternacht "stürzte".
Am Tag darauf kündigte der damalige SPÖ-Kanzler Franz Vranitzky die rot-blaue Koalition auf. Der mehr als 13 Jahre lang währende Aufstieg Jörg Haiders und seiner FPÖ in der Opposition begann. Aus einer kleinen nationalliberalen Honoratiorenpartei mit rund vier Prozent wurde eine rechtspopulistische Massenbewegung an die 30 Prozent, Haider zu einem politischen Popstar, der weit über Österreich und Europa hinaus Schlagzeilen machte. Ab der schwarz-blauen Koalition folgten heftige Turbulenzen, parteiinterne Konflikte. Im Jahr 2005 kam es mit der Gründung des BZÖ durch Haider zum Bruch mit der FPÖ und heftigen Konflikten. Im Jahr 2008 starb Haider, damals Kärntner Landeshauptmann, bei einem Autounfall.
Kickl: Innsbruck 1986 "Geburtsstunde des Rechtspopulismus"
Haiders Machtübernahme in der Partei vor 40 Jahren sei die "Geburtsstunde des Rechtspopulismus" in Österreich und darüber hinaus gewesen - und dies sei nur positiv zu sehen. "Er war der Erfinder und Prototyp", erklärte Kickl in seiner mehr als einstündigen Rede. "Danach war alles anders. Es war ein Einzelner, der den Lauf der Geschichte entscheidend verändert hat", lobte Kickl Haider, in dessen Zeit er 1995 als kleiner Mitarbeiter in der Parteiakademie zu arbeiten begann und für den er später unter anderem Redensbestandteile lieferte. Man feiere als "zum zweiten Mal Geburtstag: "Wer kann das schon von sich behaupten."
Haider habe eine "historische Wende" geschafft und einen damaligen Kurs der Parteispitze geändert, der die FPÖ im Dauerzustand einer sterbenden, liberalen Kleinpartei verweilen habe lassen. "Wir sehen Innsbruck aber nicht als Denkmal. Sondern als Auftrag für Gegenwart und Zukunft. Wir ehren Jörg Haider dadurch, dass wir in seinem Geist über uns hinauswachsen. Wir vollenden, was ihm verwehrt geblieben ist", schlug der FPÖ-Chef immer wieder einen Bogen in die Jetztzeit. Man fuße auf dieser "völlig neuen FPÖ", die Haider damals begründet habe.
"Nicht "arrangieren", sondern "überwinden"
Nicht ein "Arrangieren", sondern ein "Überwinden" des Herrschaftssystems - das habe Haider allen mitgegeben - und das gelte heute mehr denn je. Nur in jenen Phasen, in denen man diesen Fokus verloren habe, seien die "Skandale, Krisen und schweren Niederlagen passiert". "Denkt darüber nach", mahnte Kickl die Sympathisanten im Saal. Es blieb gleichzeitig auch die einzige Anspielung auf die Verwerfungen und Konflikte, die auch sein Verhältnis mit Haider einige Jahre lang prägten.
Damals wie heute habe man es mit denselben Denunziationen und Verleumdungen des "Systems" zu tun, proklamierte Kickl. So sei es etwa beim Volksbegehren "Österreich zuerst" der Fall gewesen. Und so ergehe es der FPÖ heute beim Begriff Remigration: "Es wird uns etwas in den Mund gelegt. Remigration ist nur die Antwort auf die Migration, die illegale Massenzuwanderung." Die FPÖ stehe vor einer historischen Aufgabe: Dem endgültigen Sieg über die "wahren Gefährder der Demokratie", die sich aus reinem Machterhalt auf ewig in "ihren Strukturen" festsitzen wollen würden, folgte ein wiederholter Rundumschlag. Dem wolle man das Modell der Freiheit in allen Bereichen entgegenstellen. Bei der Wahl 2029 solle es soweit sein, mehr als 40 Prozent seien drinnen, so Kickl, der die Gäste am Ende seiner Ausführungen auf eine "Bilderreise" mit nahm über ein Land voll Freiheit und Sicherheit, in dem es sich wieder zu leben lohne.
"Urknall der europäischen Politik"
Vor der Rede Kickls waren Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger, der Verleger und Chefredakteur der Schweizer Wochenzeitung "Die Weltwoche", Roger Köppel und der frühere steirische FPÖ-Obmann Gerhard Kurzmann zu Wort gekommen. "Hausherr" Abwerzger begrüßte die Gäste und sprach vom 13. September 1986 als einem Tag, an dem "politische Geschichte geschrieben" worden sei. Er selber habe sich in erster Linie wegen Jörg Haider politisch zu engagieren begonnen. Denn dieser sei ein Politiker anderen Typs gewesen "jünger, dynamischer, selbstbewusster". Abwerzger, der nächstes Jahr Tiroler Landeshauptmann werden will, schlug einen Bogen zu Kickl - es handle sich zwar um unterschiedliche Persönlichkeiten, aber beide würden "politische Gewissheiten infrage stellen." Kickl sei eine "Fortsetzung des Aufbruchs", der unter Haider begonnen habe.
Köppel nannte Haiders Machtergreifung den "Urknall der europäischen Politik": Es war ein Erdbeben, dessen Erschütterungen bis heute noch spürbar sind." Haider sei ein "Wilhelm Tell der Neuzeit in der österreichischen Variante" gewesen - ein Vorbild für liberalkonservative Politiker "mit Esprit, Witz, Schärfe" und einer Politik, die er mit einer "beängstigenden Unabhängigkeit vorgetragen" habe. Der frühere Politiker der SVP im Schweizer Nationalrat ging auch auf das Wahlergebnis der AfD in Sachsen-Anhalt ein - es sei ein "Volksaufstand" gewesen, es herrsche "Begeisterung und Aufbruchsstimmung."
Kurzmann indes, bereits 1986 Unterstützer Haiders, skizzierte die damalige Vorgeschichte des Parteitags und die dramatischen 14 Stunden, die er bis zur Verkündung des Wahlergebnisses dauerte. Er berichtete von den vergeblichen Versuchen Stegers, mit einem "Kompromisskandidaten, dem damaligen FPÖ-Verteidigungsminister Helmut Krünes, das Ruder noch herumzureißen. Und von Haiders taktischem Geschick und er Fähigkeit Stimmungen zu nutzen. "Der Rest ist Geschichte", meinte Kurzmann zu all den Haider-Jahren "danach", als die Wahl feststand.
Viel Tradition, Gäste von Kunasek bis Westenthaler
Der Ablauf der Veranstaltung unter dem Titel "Aufbruch zur Spitze - 40 Jahre Wahl von Dr. Jörg Haider zum Partei- und Klubobmann der FPÖ" lief etwas anders ab als die in den vergangenen Jahren üblichen FPÖ-Großveranstaltungen. Keine "John Otti Band", keine Hymnen, kein allzu lautes Getöse. Stattdessen viel Tradition mit Volksmusikklängen und Erdigkeit. Und einem Bühnenaufbau, der demjenigen von vor 40 Jahren quasi nachgebaut wurde, wie Kickl berichtete. Und einen kurzen Video-Einspieler über die Haider-Jahre, und darauf anknüpfend einen solchen über die bisherige Kickl-Ära.
Unter den Gästen befanden sich auch viele bekannte freiheitliche Gesichter. Vom Ersten Nationalratspräsidenten Walter Rosenkranz bis zu Länder-Granden wie Steiermarks FPÖ-Landeshauptmann Mario Kunasek, Niederösterreichs Landeshauptmannstellvertreter Udo Landbauer oder Vorarlbergs Christof Bitschi und den Generalsekretären Christian Hafenecker und Michael Schnedlitz. Zudem waren viele Nationalratsabgeordnete nach ihrer zweitägigen Klausur in Innsbruck anwesend. Mit dabei auch engste Haider-Mitstreiter wie etwa ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler - früher unter anderem FPÖ-Generalsekretär, Klubobmann und führendes Mitglied von Haiders legendärer "Buberlpartie". Auch Ex-Volksanwalt und Klubobmann Ewald Stadler sowie die Kärntner Scheuch-Brüder, Uwe und Kurt, ließen sich das Jubiläum nicht entgehen.