Medizin-Sensation

Krebs-Durchbruch: Kommt jetzt die Impfung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs?

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Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den aggressivsten und tödlichsten Krebsarten überhaupt. Nun sorgen gleich zwei neue Forschungsansätze für Hoffnung: Eine experimentelle Impfung könnte Hochrisikopersonen künftig schützen, noch bevor ein Tumor entsteht. Gleichzeitig verlängerte ein neues Medikament das Überleben von Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung drastisch.
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Bauchspeicheldrüsenkrebs gilt bis heute als eine der größten Herausforderungen der modernen Krebsmedizin. In Österreich gibt es jährlich fast 2.000 Neuerkrankungen und rund 1.900 Todesfälle. Das große Problem: Die Erkrankung verursacht lange Zeit kaum eindeutige Beschwerden und wird deshalb häufig erst entdeckt, wenn der Tumor bereits fortgeschritten ist.

Doch gleich mehrere neue Studien lassen jetzt aufhorchen.

Impfung soll Krebs verhindern, bevor er entsteht

Besonders spektakulär ist ein neuer Ansatz von Forschern des Johns Hopkins Kimmel Cancer Center in Baltimore. Sie untersuchen eine Impfung gegen bestimmte KRAS-Mutationen, die bei einem Großteil der Fälle von Bauchspeicheldrüsenkrebs eine entscheidende Rolle spielen. Die Idee: Das Immunsystem soll lernen, Zellen mit gefährlichen KRAS-Mutationen frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen – noch bevor daraus ein bösartiger Tumor entstehen kann.

In einer ersten Phase-I-Studie erhielten 20 Menschen mit erblicher Veranlagung für Bauchspeicheldrüsenkrebs und auffälligen Veränderungen der Bauchspeicheldrüse vier Dosen des experimentellen Impfstoffs mKRAS-VAX. Bei 18 von 20 Teilnehmern – also 90 Prozent – entwickelte sich eine deutliche Immunreaktion gegen mutiertes KRAS. Die ausgelösten Immunzellen waren teilweise noch bis zu zwei Jahre später nachweisbar.

Kein einziger Teilnehmer erkrankte

Noch bemerkenswerter: Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 16,5 Monaten hatte keiner der 20 Teilnehmer Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickelt oder eine Hochrisiko-Veränderung, die operiert werden musste. Bei fünf Teilnehmern verschwanden kleine Zysten in der Bauchspeicheldrüse auf den Kontrollbildern vollständig, bei drei weiteren bildeten sie sich teilweise zurück.

Allerdings betonen die Forscher selbst, dass die Ergebnisse noch nicht beweisen, dass die Impfung Bauchspeicheldrüsenkrebs tatsächlich verhindern kann. Die Studie war mit nur 20 Teilnehmern klein und sollte zunächst vor allem Sicherheit und Immunreaktion untersuchen. Größere und langfristige Studien müssen nun zeigen, ob der Schutz tatsächlich funktioniert.

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Impfstoff bereits bei Krebspatienten getestet

Ganz neu ist der Impfstoff nicht. Bereits zuvor wurde er bei zwölf Patienten untersucht, deren Bauchspeicheldrüsentumor operativ entfernt worden war. Sie erhielten die Impfung gemeinsam mit einer Immuntherapie. Bei zehn der zwölf Patienten entwickelte sich eine tumorspezifische Immunantwort. Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von knapp drei Jahren waren vier der zwölf Teilnehmer weiterhin ohne Rückfall.

Die Forscher hoffen deshalb langfristig auf einen völlig neuen Ansatz: Menschen mit einem besonders hohen Risiko könnten möglicherweise geimpft werden, bevor Bauchspeicheldrüsenkrebs überhaupt entsteht.

Neue Tablette verdoppelt Überlebenszeit

Doch auch für Menschen, die bereits an fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt sind, gibt es neue Hoffnung.

Beim diesjährigen Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) sorgte das experimentelle Medikament Daraxonrasib für außergewöhnliche Begeisterung.

In einer großen Phase-III-Studie mit 500 Patienten mit bereits behandeltem metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs wurde das Medikament mit einer herkömmlichen Chemotherapie verglichen. Daraxonrasib blockiert bestimmte aktive RAS-Proteine, die bei der Entstehung und dem Wachstum vieler Bauchspeicheldrüsentumoren eine zentrale Rolle spielen. Das Ergebnis: Die mittlere Gesamtüberlebenszeit lag unter Daraxonrasib bei 13,2 Monaten – gegenüber 6,7 Monaten unter Chemotherapie. Damit wurde sie nahezu verdoppelt. Auch die Zeit, in der die Erkrankung nicht weiter fortschritt, verlängerte sich von 3,6 auf 7,2 Monate.

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Hoffnung bei einer der tödlichsten Krebsarten

Eine Heilung bedeutet auch Daraxonrasib nicht. Dennoch gelten die Ergebnisse als außergewöhnlich, weil bei metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs jahrzehntelang nur geringe Fortschritte erzielt werden konnten.

Noch weiter von einer breiten Anwendung entfernt ist die vorbeugende Impfung. Die ersten Ergebnisse liefern bislang vor allem einen Machbarkeitsnachweis. Sollten größere Studien den Effekt bestätigen, könnte sich langfristig jedoch ein völlig neuer Weg eröffnen: Bauchspeicheldrüsenkrebs nicht erst zu behandeln, sondern ihn bei besonders gefährdeten Menschen möglicherweise bereits vor seiner Entstehung abzufangen.