oe24-Interview

Marko: "Ich hab mich schon geschreckt"

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Lesen Sie, wie der ehemalige Red-Bull-Motorsportchef den Unfall seines ehemaligen Schützlings Max Verstappen in Zandvoort erlebt hat, wann er die Bullen wieder auf der Siegerstraße sieht und welches Projekt er selbst vorantreibt.
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"Nein, mir ist noch immer nicht langweilig". meinte Helmut Marko, als er von oe24 bei der Mittagspause gestört wurde. "Ich bin seit sieben Uhr im Büro und habe genug Projekte, um die ich mich kümmern muss." Dabei meint der langjährige Red-Bull-Motorsportchef weniger das MotoGP-Spektakel in Spielberg Mitte September und die Red Bull Ring Classics letztes Wochenende. Events, für die der "Doktor" als Botschafter gewonnen wurde. Markos Haupt-Aufmerksamkeit gilt einem neuen Hotelprojekt am Grünen See in der Steiermark. Aber keine Sorge: Auch in der F1 entgeht dem 83-Jährigen nichts.

oe24: Herr Marko, wann haben Sie erfahren, dass Max Verstappen bei Red Bull verlängert hat?

Helmut Marko: Jedenfalls nicht aus den Medien. Ich hab immer gesagt, dass das das Gscheiteste ist. Trotzdem müssen sie ihm ein siegfähiges Auto hinstellen.

oe24: Wobei der neue Motor der größte Unsicherheitsfaktor war. Jetzt hat Red Bull laut FIA den stärksten Motor, was mit Nachteilen bei der Weiterentwicklung bestraft wird ...

Marko: Dieses Reglement ist unausgereift und gehört sofort geändert. Der Antrieb besteht aus Verbrenner, Elektro, Software und Batterie. Da hat Red Bull sicher nicht das beste Triebwerk.

"Es ging leider in die falsche Richtung"

oe24: Das ist offenbar nicht die einzige Schwachstelle. Wo liegen die Probleme beim Red-Bull-Chassis?

Marko: Sie haben nicht so schlecht begonnen, aber dann ist es in die falsche Richtung gegangen. Wenn man zweimal in die falsche Richtung entwickelt, wird es finanziell schwierig mit dem Cost-cap-Reglement.

oe24: War es ein Fehler, Superhirn Adrian Newey während der Arbeit am neuen Auto unter dem neuen Reglement gehen zu lassen?

Marko: Die Crew hat schon im Vorjahr, als sie ohne Newey die WM nur knapp verloren hat, bewiesen, dass sie was kann. Aber Sie wissen ja: Ich bin nur mehr Zuschauer aus der Ferne.

oe24: Wie sehr haben Sie sich geschreckt, als Max Verstappen in Zandvoort in der Mauer eingeschlagen hat?

Marko: Ich hab mich schon geschreckt, als das Auto quergestanden ist. Gott sei Dank war da ein Abstand zum hinteren Feld und zum Glück hat Lawson richtig gut reagiert. Wenn da einer in ein querstehendes Auto reinfährt, kann es richtig gefährlich werden.

oe24: Wann waren Sie beruhigt?

Marko: Ich hab gleich an seiner Kopfbewegung gesehen, dass Max stabil war. Dann sind eh schon sein "Ich bin okay." und "Sorry!" gekommen. Wie schnell was passieren kann, hat man bei Hadjar gesehen. Der hat sich beim Kickboxen mit einem Trainer am Handgelenk verletzt (und musste für den Zandvoort-GP pausieren, d. Red).

oe24: In zwei Wochen will Max beim Red-Bull-Event "Max vs 100" in Silverstone im Kart hundert Gegner überholen. Kann er das schaffen?

Marko: Das ist eine lustige Challenge, ist aber auch nicht ganz ungefährlich, wenn‘s vor Max Kollisionen gibt und weniger erfahrene Fahrer in Kämpfe verwickelt sind. Es wird sicher spannend.

oe24: Weniger spannend ist die WM heuer aus Red-Bull-Sicht. Kann es sich am Sonntag in Monza ausgehen mit dem ersten Sieg unter dem neuen Reglement?

Marko: Monza kommt da zu früh. Auf dem kurzen Kurs in Zandvoort hatten wir vier, fünf Zehntel Rückstand. Das ist eine Ewigkeit. Es wird schwierig mit dem Gewinnen. Am ehesten klappen kann es vielleicht in Texas, Las Vegas oder Mexiko.