Reboot vom Reboot
Mega-Hype um neuen "Resident Evil"-Kino-Hit
Auf der Leinwand funktionierte der Gaminggigant "Resident Evil" nie so ganz. Die ersten Verfilmungen der Horrorsaga mit Milla Jovovich lieferten regelmäßig Profite, lösten aber wenig Begeisterung bei Kritikern aus. Der erste Comebackversuch namens "Resident Evil: Welcome to Raccoon City" (2021) orientierte sich wiederum stärker am Plot der Games, brachte aber zu wenig Geld ein. Jetzt will Sony mit dem neuen Reboot eine ganz andere Richtung einschlagen. Ab Donnerstag im Kino.
Diesmal darf nämlich Horrornewcomer Zach Cregger, Macher des letztjährigen Oscarstreifens "Weapons", eine eigene Interpretation des Spieleklassikers abliefern. Für sein "Resident Evil" lässt er Actionamazonen der Marke Jovovich, aber auch die Superagenten der Games zu Hause. Stattdessen stolpert hier ein dusseliger Titelheld durch abstruse Horrorkulissen.
Ist das noch "Resident Evil"?
Cregger hat sich kein leichtes Publikum ausgesucht. Zwischenzeitlich verglich der Regisseur seine Pressegespräche gar mit einer "Entschuldigungstour". Neben Filmmagazinen machte er nämlich auch bei Gamingwebseiten Halt, die ihn auf sein Zockerwissen abklopften, und darauf, ob er ein wirklicher Fan der Spiele sei. Skepsis entstand wohl, weil seine Variante von "Resident Evil" keinem Plot der Spiele folgt und sich stilistisch viele Freiheiten nimmt.
Im neuen Film muss Schnellkurier Bryan (Austin Abrams) ein mysteriöses Päckchen nach Raccoon City liefern - nichtsahnend, dass dort Zombies und Tentakelmonster wüten. Zwar ließ Cregger laut eigener Aussage viele Witze nach den ersten Testvorführungen streichen, aber der Film wartet weiter mit viel Augenzwinkern auf. Gleich zu Beginn fährt etwa ein Zombie im Beifahrersitz mit. Trotz viel Ironie nimmt sich der Streifen aber Zeit, an den richtigen Stellen den Horror anzusetzen.
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Visuell starker Grusel-Klamauk
Das neue "Resident Evil" schafft es nahtlos, vom Klamauk ins Schaurige zu wechseln. Das liegt vor allem an einer starken Ästhetik. Wälder bei Nacht sind ohnehin gruselig, und Cregger hat hier offensichtlich ein gutes Auge für Licht und Schatten. Auch die Stadtkulissen bekommen so einen einprägsamen Look. Beim Sound schneidet sich der Regisseur wiederum eine Scheibe von Urgestein John Carpenter ab. Im Hintergrund pumpert nämlich selbst in ruhigen Momenten häufig der Synthesizer. Zusammen mit den starken Bildern hat das Wirkung. Nur schwache Monstereffekte stechen unschön aus dem Gesamtbild. Manche Nahaufnahmen der CGI-Tentakel und Monsterrachen wirken vergleichsweise billig.
Schon die alten Originalgeschichten waren ulkig, aber meist eher unfreiwillig aufgrund mangelnder Englisch- und USA-Kenntnisse der japanischen Spieleentwickler. Hier entsteht der Humor nun gewollt durch den dauergestressten Tollpatsch Bryan, der wie ein schlechter Videospieler mit mehr Glück als Verstand den Fängen der Mutanten entkommt. Die teils slapstickartigen Einlagen wirken daher nicht deplatziert. Allerdings ist bei Bryans aberwitzigen Reaktionen irgendwann die Luft raus. Zum dutzendsten Mal zitternd "Fuck" zu heulen, ist spätestens gegen Ende mehr ermüdend als komisch.
Ein Film wie ein Spiel
Statt der etablierten Story soll die neue Zombie-Hatz vielmehr das Gefühl beim Spielen der Vorlage einfangen. Als Konzept ergibt das Sinn. In den Games entsteht der Horror nämlich durch das stressige Spieldesign, weniger durch die Story. In Creggers "Resident Evil" geht das teils auf, wenn der Titelheld etwa mit dem berüchtigten Munitionsmangel der Games kämpft. Gelegentlich steht der Protagonist auch vor den wundersam robusten Türschlössern der Spiele, wobei solche direkten Anspielungen manchmal eher platt sind. Insgesamt wäre noch etwas mehr Stressterror der Spiele möglich gewesen.
Absoluten Puristen des "Resident Evil"-Universums mag der Reboot womöglich vor den Kopf stoßen. In seinen knackigen 90 Minuten Laufzeit liefert die Neufassung aber eine kurzweilige Horrorkomödie, die vor allem audiovisuell abliefert - nur gelegentlich schwache Monstereffekte und repetitive Gags nagen am Gesamtbild. Die Idee, das Gefühl der Spielerfahrung einzufangen, klappt zumindest teilweise. Ein wenig Luft nach gibt es zwar, aber von Problemen der oft trashigen Vorgänger sind diese Mankos weit entfernt.