Soll verkauft werden
Millionenwirbel um Berliner Luxus-Hotel
Die Verkaufspläne für das berühmte Berliner Luxushotel Adlon am Pariser Platz sorgen bei den Gesellschaftern des Fondseigentümers für deutlichen Unmut. Für Donnerstags stellt sich heraus, dass vor allem eine Klausel zur Erfolgsbeteiligung für die verwaltende Immobiliengesellschaft Jagdfeld kritisiert wird. Diese sichert dem Unternehmen bei einem Verkaufspreis von über 310 Millionen Euro eine Beteiligung von 20 Prozent am Mehrerlös zu. Als Mindestpreis sind 280 Millionen Euro angesetzt. Die betroffenen Privatanleger befürchten dadurch geringere Auszahlungen aus ihren Investments.
Streit um hohe Erfolgsbeteiligung
Jagdfeld verteidigt diese Regelung als branchenübliches Modell. "Es ist marktüblich, dass bei Überschreiten des Mindestverkaufspreises nicht nur die Gesellschafter profitieren, sondern auch der persönlich haftende Gesellschafter (phG)", teilte das Unternehmen mit. Zudem begründete Jagdfeld die Klausel mit einem Interessengleichlauf aller Beteiligten: "Damit gibt es einen Interessengleichlauf zwischen den Anlegern, die am Mehrerlös partizipieren, und dem phG, dessen außerordentliche Leistung, die zu einem hohen Verkaufspreis geführt hat, honoriert wird."
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Kritische Gesellschafter halten zusammen mehrere Hunderttausend Euro am Fonds und rechnen mit einem tatsächlichen Verkaufspreis zwischen 350 und 400 Millionen Euro. Dadurch könnte die Beteiligung für Jagdfeld einen zweistelligen Millionenbetrag erreichen. Um den Verkauf zu verhindern, suchen sie nun Verbündete unter den rund 4.000 Eigentümern des Fundus-Fonds 31. Für das Scheitern des Deals ist eine Sperrminorität von mehr als 25 Prozent nötig, während 75 Prozent der Stimmen für die Zustimmung gebraucht werden. Donnerstag, 27. August, 23:59 Uhr endet die Abstimmungsfrist für die Anleger.
Gründe für Verkaufsentscheidung
Jagdfeld nennt das fortgeschrittene Alter vieler Anleger als Hauptgrund für die Verkaufsabsichten. "Mit dem angestrebten Verkauf kommen wir dem Wunsch der Anlegerinnen und Anleger am besten nach und sind so in der Lage, den höchstmöglichen Preis zu erzielen", hieß es von der Jagdfeld-Gruppe. Zudem befinde man sich in der Lage, "frei und aus eigenen Stücken diesen Weg gehen und Deutschlands berühmtestes Hotel in neue Hände geben zu können". Jagdfeld spricht von einer sehr positiven Stimmung unter den Gesellschaftern.
Interesse aus der Gründerfamilie
Auch Felix Adlon, der 59-jährige Ururenkel des Gründers, schaltete sich in die Debatte ein und zeigte sich überrascht. Zur Führung des Hauses äußerte er sich positiv gegenüber der "Süddeutschen Zeitung": "Kempinski führt das Hotel gut. Jagdfeld hat das neue Adlon mit Stil und Klasse wieder aufgebaut". Gleichzeitig betonte er sein Interesse, das Hotel inklusive der Namensrechte selbst zu übernehmen: "Ich kann kein Stück Seife mit meinem Namen verkaufen".
Das von Lorenz Adlon vor fast 120 Jahren gegründete Haus brannte 1945 bis auf einen Seitenflügel ab und wurde 1984 komplett abgerissen. In den 1990er-Jahren entstand der Neubau nach Originalplänen und wurde 1997 neu eröffnet. Betrieben wird das Haus von Kempinski, während die Immobilie im Eigentum der rund 4.000 Anleger verbleibt.