FALL DER WOCHE

Morgenstern-Heli gestohlen - »Dachte an versteckte Kamera«

© Instagram, thomasmorgensternheli: Dre Ex-Skispringer und sein "Baby".
Wo steckt Robinson R44? Was nach einem Science-Fiction-Roman klingt, ist für Thomas Morgenstern, dem seine Geschäftsgrundlage gestohlen wurde, bittere Realität.
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Slzbg. Die meisten, die dieser Woche mit der Nachricht konfrontiert wurden, dass in der Nacht auf Montag in Mauterndorf in Salzburg des Nachts ein 600.000-Euro-Hubschrauber gestohlen wurde, reagieren mit einem erstaunten "Das gab´s noch nie". Das stimmt auch, was Österreich anbelangt. International gibt es nur zwei Fälle, die in den Internet-Archiven zu finden sind: 1995 der Diebstahl eines Militärhubschraubers im Jahr 1974 durch einen Soldaten, der den Heli unerlaubt entwendete und auf dem Rasen des Weißen Hauses landete. Und 2009 in Stockholm, wo Kriminelle einen Bell 206 Jet Ranger von einem Flugplatz entwendeten, um damit auf dem Dach eines Gelddepots zu landen und Millionen zu erbeuten. Der Unterschied: Beide Helis wurden in kurzer Zeit sichergestellt bzw. zurückgegeben, was man im aktuellen Fall in Salzburg nur hoffen kann.

Leider trifft dieses Bild den Kern der Geschichte: Ein  Hubschrauber ist über alle Berge. © instagram/thomasmorgensternhelic

Massive Konsequenzen für Ex-Skispringer

Am meisten betroffen von dem minutiös geplanten Coup um halb zwei Uhr in der Früh in vollmondheller Nacht ist neben dem aktuellen Besitzer des Robinson-Hubschraubers im auffälligen Breitling-Design aus Wagrain dessen (Geschäfts-)Freund, der Ex-Skispringer und Olympiasieger Thomas Morgenstern, der mit eben diesem und nur diesem Heli für Touristen und Abenteuerlustige Erlebnis-, Foto- und Eventflüge veranstaltet hat. Der spektakuläre Coup hat für Morgenstern massive wirtschaftliche und existenzielle Konsequenzen - die Haupteinnahmequelle der Firma ist von heute auf morgen weggebrochen, zudem ist Fliegen seine große persönliche Leidenschaft. Allfällige Versicherungsfragen werden sich nicht von heute auf morgen klären lassen.

Anfangs reagierte der 39-Jährige noch einigermaßen mit Humor und spricht in Interviews davon, dass er zuerst gedacht habe, dass er "verarscht" werden würde, dass sich andere eine "Gaudi" mit ihm machen würden, sogar die Sendung "Versteckte Kamera" kam ihm in den Sinn und dass er für die TV-Show hereingelegt worden war: "Ich hab wirklich in Mauterndorf  gesucht, ob irgendwo eine Kamera herumhängt." Und dass sich sogleich alles in belustigtes Wohlgefallen auflöst. Doch nichts da. Robinson R44 war wirklich weg.

Wo steckt Robinson R44? © instagram/thomasmorgensternhelic
© zVg, Aster

Fluggerät praktisch unverkäuflich

"Für mich ist es  unverständlich, dass man mitten in der Nacht einen Hubschrauber stehlen und über einige Ländergrenzen fliegen kann", übt er wie andere auch Kritik an der Luftraumüberwachung durch die Austrocontrol und das Bundesheer, wobei zweitere den Heli - bei dem der Transponder ausgeschaltet bzw. von den versierten Dieben ausgebaut worden war - nach 1.30 Uhr mehrmals am Schirm hatte, doch die Eurofighter blieben am Boden: Aufstieg zu teuer, Jets für einen Hubschrauber zu schnell, kein aggressives Verhalten und kein Überfliegen sensibler Sperrzonen. Und schwupps war der Heli in Kroatien auf der Insel Pag, wo er zuletzt geortet bzw. gesehen worden sein soll.

Größtes Rätselraten herrscht auch darüber, wie die Täter den Hubschrauber zu Geld machen wollen: "Der ist doch praktisch unverkäuflich! Alle Teile haben Seriennummern", sagt Morgenstern, der fürchtet, dass sein "Baby", wie er den Helikopter nennt, je wieder zurückbekommt. Denkbar ist auch, dass es bei dem verrückten Coup um eine Riesen-Erpressung gegen den Besitzer oder User geht, der eine gewisse Summe (möglicherweise aufgrund von Schulden) zahlen soll, damit das gestohlene Fluggerät wieder retourniert wird. Oder ein (Ex-)Insider am Flughafen Mauterndorf hat mitbekommen, wie einfach - angeblich mit einem Dutzendschlüssel - der Heli gestartet werden kann, was er oder sie wiederum organisierten kriminellen Kreisen gegen Bares verraten haben könnte. Oder ist alles nur ein PR-Gag, der demnächst aufgelöst wird? Lassen wir uns überraschen.

Kurz nach dem Diebstahl, tauchte  auf Facebook ein kurioses Verkaufsangebot des Helikopters auf. Der Preis: stolze 895.000 Euro. Die Anzeige entpuppte sich allerdings bald als Scherz.