Besorgniserregend

Neue Studie: So schnell schmelzen die Gletscher

© APA/BARBARA GINDL
Die Gletscherschmelze in den Alpen schreitet mit erschreckender Geschwindigkeit voran und bedroht die Existenz der alpinen Ökosysteme.
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Experten warnen in einer neuen Analyse, dass bis zum Jahr 2050 fast alle Eisriesen unterhalb von 3.500 Höhenmetern komplett verschwunden sein könnten.

Besorgniserregender Schwund der alpinen Eisflächen

Die Alpen verlieren ihr ewiges Eis in einem rasanten Tempo, das selbst langjährige Forscher in Erstaunen versetzt. Eine aktuelle Untersuchung des italienischen Umweltschutzverbands Legambiente zeigt das ganze Ausmaß der ökologischen Katastrophe: Seit dem Jahr 2000 ist die Gesamtfläche der Alpengletscher um sage und schreibe 39 Prozent zurückgegangen. Vanda Bonardo, die Alpenbeauftragte des Verbands, warnt vor einer extrem dynamischen und gefährlichen Entwicklung im Hochgebirge. Gletschersysteme, die auf den Menschen eigentlich still und unbeweglich wirken, verändern sich derzeit im Wochentakt.

Legambiente führt jeden Sommer intensive Kontrollen auf den wichtigsten Alpengletschern durch. Die Beobachtungen der Umweltschützer zeichnen ein düsteres Bild. Wo noch vor wenigen Jahren massives Eis die Landschaft prägte, fließt heute unaufhörlich Schmelzwasser ab. Zudem entstehen durch den schnellen Rückgang immer größere, unberechenbare Gletscherspalten. Diese Risse im Eis machen traditionelle Wander- und Bergsteigerrouten zunehmend gefährlicher und erfordern von Alpinisten höchste Vorsicht.

© KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Milliarden Tonnen Eis schmelzen jedes Jahr

Die dramatischen Entwicklungen im europäischen Hochgebirge spiegeln einen weltweiten Trend wider. Nach offiziellen Angaben des World Glacier Monitoring Service hat sich der weltweite Eisverlust in den vergangenen Jahren massiv beschleunigt:

  • Seit der Jahrtausendwende gingen global durchschnittlich rund 273 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr verloren.
  • Im Jahr 2025 erreichte dieser Wert mit atemberaubenden 408 Milliarden Tonnen einen neuen, traurigen Höchststand.

Sollte sich dieser Trend ungebremst fortsetzen, hat das fatale Konsequenzen für die Alpenlandschaft. Legambiente prognostiziert, dass bereits im Jahr 2050 sämtliche Gletscher in den Alpen, die sich unterhalb einer Grenze von 3.500 Metern befinden, vollständig verschwunden sein könnten. Damit stünde die alpine Landschaft vor einem unumkehrbaren Wandel.

Rekordschmelze am Forni-Gletscher in Norditalien

Wie konkret sich das Sterben des Eises im Hochgebirge äußert, lässt sich besonders eindrucksvoll am Forni-Gletscher nahe der Ortschaft Bormio in der italienischen Lombardei beobachten. Der renommierte Glaziologe Claudio Smiraglia beobachtet und erforscht diesen spezifischen Gletscher seit nunmehr 65 Jahren. Seine jüngste Bilanz fällt erschütternd aus. Smiraglia betonte, dass er eine derart extreme Schmelzsaison in seiner gesamten jahrzehntelangen wissenschaftlichen Karriere noch nie miterlebt habe. Der einst majestätische Forni-Gletscher ist mittlerweile in mehrere isolierte Teile zerfallen. Zudem hat das verbliebene Eis eine unnatürliche, grau-schwarze Färbung angenommen, was den Abschmelzprozess durch die stärkere Absorption des Sonnenlichts weiter beschleunigt.

Sommerskitourismus steht vor dem endgültigen Aus

Die weitreichenden Konsequenzen dieses Gletscherschwunds treffen längst auch die Tourismusbranche mit voller Härte. Am Stilfser Joch mussten die Liftanlagen für den traditionellen Sommerskilauf wegen akutem Schneemangel komplett geschlossen werden. Zuvor war bereits am weltberühmten Matterhorn der Sommerskibetrieb aus denselben Gründen eingestellt worden. Den Bergen fehlt im Sommer schlicht die schützende weiße Decke.

Verantwortlich dafür ist eine ungewöhnliche und anhaltende Wärme in extremen Höhenlagen. In den Sommermonaten lag die sogenannte Null-Grad-Grenze im Alpenraum ungewöhnlich oft zwischen 4.000 und 5.000 Metern Seehöhe. Dadurch schmilzt selbst auf den höchsten Gipfeln jene Schneedecke im Rekordtempo weg, die das darunterliegende Gletschereis eigentlich vor der intensiven Sonneneinstrahlung schützen sollte. Ohne diese natürliche Schutzschicht sind die Alpengletscher der Sommerhitze schutzlos ausgeliefert.