Wer künftig den Vorstandsvorsitz der ÖBB-Holding übernimmt, führt ein echtes Schwergewicht der heimischen Wirtschaft. Der Staatsbetrieb befindet sich zu 100 Prozent im Eigentum der Republik Österreich, beschäftigt mehr als 48.000 Mitarbeiter und setzt jährlich Milliarden um. Die offizielle Ausschreibung für den Chefsessel verlangte langjährige Erfahrung in Mobilitätsunternehmen, internationale Expertise sowie hohe wirtschaftliche Kompetenz.
Zwei prominente Namen: Angelo gegen Jäger
Im Zentrum der Nachfolgeentscheidung stehen zwei prominente Namen aus dem sozialdemokratischen Umfeld. Als bisherige Top-Favoritin gilt Silvia Angelo, die seit 2017 als Finanzvorständin im Teilkonzern ÖBB Infrastruktur tätig ist und damals als erste Frau in diese Spitzenfunktion einzog. Angelo blickt auf eine lange Laufbahn im ÖGB-Büro in Brüssel, im SPÖ-Parlamentsklub sowie in der Wiener Arbeiterkammer zurück. Ihren Posten bei der Infrastruktur lässt sie mit Jahresende auslaufen, wo Georg Ortner, der frühere Kabinettschef von Markus Marterbauer, nachfolgen wird. Das rote Personalkarussel dreht sich.
Überraschende Konkurrenz hat Angelo jetzt in der Person von Julian Jäger. Der amtierende Vorstandschef der Flughafen Wien AG ist seit 25 Jahren erfolgreich am Airport tätig und gilt als ausgewiesener Luftfahrtexperte. Jäger verfügt über exzellente Drähte in die SPÖ und ihm wird in Branchenkreisen eine besondere Nähe zu Infrastrukturminister Peter Hanke nachgesagt, wie profil.at berichtete. Zu seiner Bewerbung schweigt der Manager bislang eisern.
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Minister-Kabinettschef im Gremium
Der ÖBB-Aufsichtsrat wählt den neuen Chef. Bislang war von einer Vierergruppe die Rede, bestehend aus dem Aufsichtsratspräsidium. Neben der SPÖ-nahen Industriemanagerin Brigitte Ederer sind das der Münze Österreich-Vorstand Gerhard Starsich (wird ÖVP-Umfeld zugerechnet), der Schweizer Bahnmanager Nicolas Perrin (parteilos) und Roman Hebenstreit (Vertreter der Arbeitnehmer, SPÖ-Umfeld). Laut profil kommt jetzt auch ÖBB-Aufsichtsrat und Hanke-Kabinettschef Peter Walder Wintersteiner als fünfter Teilnehmer in das entscheidende Hearing der Nachfolgekandidaten. Der Minister hat also einen Vertrauensmann direkt im Gremium, das den neuen Chef oder die neue Chefin wählt.