Wien. Der designierte ORF-Generaldirektor Clemens Pig will weniger als der einstige ORF-Chef Roland Weißmann verdienen. Das begründete er gegenüber "Kurier" und "Standard" mit dem erhöhten Sparbedarf, den der ORF gegenwärtig zu bewältigen hat. Er wolle in diesen Zeiten mit gutem Beispiel vorangehen und auf erfolgsabhängige Bonuszahlungen verzichten. Verhandelt wird erstmals am Donnerstag im Vergütungsausschuss des ORF-Stiftungsrats.
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ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer sagte gegenüber der APA, dass er keine Gehaltsverhandlungen in der Öffentlichkeit führen wolle. Aber er nehme positiv zur Kenntnis, dass Pig in dieser schwierigen Lage für den ORF "ein gutes Stück entgegenkomme". Man werde einen vernünftigen Weg finden, sagte er.
Pig will mit seinem Begehr den "Grundstein für eine neue Gehaltspyramide" im öffentlich-rechtlichen Medienhaus setzen. "Die Menschen in Österreich haben ein Recht darauf, dass wir mit ihren Beiträgen verantwortungsvoll umgehen. Diesen Anspruch stelle ich zuallererst an mich selbst", wurde Pig von den beiden Tageszeitungen zitiert.
"Braucht keine Bonuszahlungen"
Lederer hatte im September angekündigt, dass man sich sehr genau mit der Ausgestaltung des Vertragswerks befassen werde, wobei man einen internationalen Personalberater und eine Arbeitsrechtlerin hinzuziehen werde. Er will einen größeren Teil der Direktorengehälter durch erfolgsabhängige Komponenten darstellen. Das lehnt Pig nun ab: "Es braucht keine Bonuszahlungen oder sonstige Gehaltsbestandteile, die draußen niemand versteht. Es soll ein Fixum geben, und das wird geringer sein als die Gesamtvergütung meines Vorgängers." Weißmann wurde im März veröffentlichtem Transparenzbericht ein Bruttojahresgehalt von 427.500 Euro ausgewiesen.
Am Donnerstag finden sich ORF-Stiftungsräte zudem zu einer Sondersitzung des Finanzausschusses zusammen, um das Budget für 2027 und die Finanzpläne für die Folgejahre zu fixieren. Kein einfaches Unterfangen, wurde dem ORF von der Bundesregierung doch die Kompensation für den Entfall des Vorsteuerabzugs mit dem Umstieg auf den ORF-Beitrag gestrichen. 93 Mio. Euro kommen dem Medienhaus dadurch pro Jahr recht kurzfristig abhanden. Der "Standard" schrieb zuletzt mit Verweis auf "Stiftungsratskreise", dass 2027 ein Minus von fast 30 Mio. Euro drohen könnte. Lederer kommentierte gegenüber der Zeitung keine Zahlen, hielt aber fest, dass er sich unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht vorstellen könne, im kommenden Jahr positiv abzuschließen.
Lederer: Zunächst an der Spitze sparen
Im APA-Gespräch stellte Lederer klar, dass er jedenfalls genau dargelegt bekommen wolle, wie mit dem Sparbedarf umgegangen wird - nicht zuletzt, weil er "zunehmende Unsicherheit" im ORF wahrnehme. Die schmerzhaften Einschnitte im Personalbereich müssten konkretisiert werden, so Lederer, der darauf pocht, dass zunächst an der Spitze und damit im Führungsbereich und bei Topverdienern gespart werde. Generell dürfe aber kein Bereich von einer genauen Analyse ausgenommen werden.
Zudem will sich Lederer auf den neuesten Stand in puncto angekündigter Verfassungsklage gegen die kurzfristigen Einschnitte durch die Bundesregierung bringen lassen. ORF-Chefin Ingrid Thurnher hatte diese bereits vor Monaten angekündigt. Befürchtet wird, dass der öffentlich-rechtliche Auftrag nicht mehr ausreichend gedeckt sein könnte. Ein Gutachten für die Beschwerde sei so gut wie fertig, sagte Thurnher im September.