Tot im Hotel
Rätsel um Aiwanger-Tod: Jetzt spricht die Polizei
Staatsanwaltschaft und die Mordkommission des Landeskriminalamts Berlin haben ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Die deutsche Politik reagierte schockiert. Von AfD-Chefin Alice Weidel bis zum grünen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, Cem Özdemir, gab es Beileidsbekundungen.
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Die Hintergründe des Todes waren zunächst völlig unklar. Auch die Staatsanwaltschaft wollte keine Details nennen. "Die konkrete Auffindesituation kann aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit noch nicht preisgegeben werden", sagte ein Sprecher. Es werde ermittelt, um "die konkrete Todesursache und den Hergang des Todes herauszufinden sowie ein mögliches Fremdverschulden auszuschließen".
Aiwanger war in Berlin gewesen, um an der Eröffnung des Hauptstadtbüros seiner Partei teilzunehmen. Aus gesundheitlichen Gründen ließ er sich bei der Veranstaltung aber vertreten. Später war er nicht mehr erreichbar und wurde schließlich am frühen Abend leblos in seinem Hotelzimmer aufgefunden.
Ministerpräsident Söder: "Absolute Tragödie"
Schockstarre gab es in der Nacht auf Mittwoch in der bayerischen Landespolitik. "Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger ist eine absolute Tragödie", schrieb Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder schrieb auf der Plattform X. Noch ist völlig offen, wie es in Partei und Regierung weitergeht. Die Freien Wähler sind der Juniorpartner von Söders CSU. Aiwanger war der starke Mann der rechtsliberalen Partei, die auch deutschlandweit aktiv ist. Bei Bundestagswahlen scheiterte sie zwar regelmäßig an der Fünf-Prozent-Hürde, doch im Europaparlament ist sie mit drei Abgeordneten vertreten.
Aiwanger war Wirtschaftsminister in der bayerischen Landesregierung. Seine Vertretung übernimmt nun Staatssekretär Tobias Gotthardt (Freie Wähler). Ob und wann die Freien Wähler ihre Posten nach- oder umbesetzen, wird sich noch zeigen müssen. Gotthardt werde umgehend von einer Delegationsreise aus Singapur nach Bayern zurückkehren, teilte das Ministerium am Abend mit.
Seit 2018 bayerischer Vize-Ministerpräsident
2008 war Aiwanger mit den Freien Wählern erstmals in den bayerischen Landtag eingezogen und wurde deren Fraktionschef. Zehn Jahre später, 2018, schmiedeten CSU und Freie Wähler eine Koalition. Aiwanger wurde Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident. Mit Aiwanger verlieren die Freien Wähler ihren markantesten und sicher auch streitbarsten Kopf. Erst bei den bayerischen Kommunalwahlen im Frühjahr hatten die Freien Wähler unter Aiwangers Führung noch große Siege gefeiert und viele Landrats-Posten gewonnen. Der Niederbayer hatte zwei Kinder und lebte mit der Freie-Wähler-Landrätin Tanja Schweiger zusammen.
Betroffenheit in deutscher Spitzenpolitik
Zahlreiche Spitzenpolitiker zeigten sich betroffen vom Ableben Aiwangers. "Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger bestürzt mich sehr. Er war ein streitbarer Politiker mit Ecken und Kanten, der für seine Überzeugungen kämpfte", teilte der baden-württembergische Ministerpräsident Özdemir auf X mit. "Er war ein streitbarer Politiker, für den seine bayerische Heimat immer im Mittelpunkt stand", schrieb auch der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst (CDU), auf X. Als "sehr traurige Nachricht" bezeichnete auch AfD-Chefin Weidel den Tod Aiwangers.