Vor allem bei Produkten mit längerer Bindung bieten Banken teilweise Verzinsungen von über 3 Prozent und damit mehr als noch zu Jahresbeginn an. Wer Geld in Spareinlagen investieren will, sollte laut Arbeiterkammer (AK) jedoch genau hinsehen: Sie warnt vor "Lockangeboten" und Fristen auf vermeintlich gute Konditionen.
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Welche Zinssätze Sparprodukte abwerfen, hängt unter anderem von der Bindungsdauer des Angebots ab. Bei Sparprodukten mit dreijähriger Bindung lagen die Zinssätze zuletzt im Schnitt bei rund 2,3 Prozent, bei 24 Monaten waren es etwa 2,1 Prozent - mit Ausreißern nach oben bis hin zu 3,6 Prozent, zeigt die Sparzinsenplattform der Nationalbank (OeNB). Auch bei täglich fälligen Geldern locken die Banken mit teilweise attraktiven Angeboten, hier ist aus Sicht der Arbeiterkammer allerdings Vorsicht geboten, sacken die Konditionen doch in manchen Fällen nach drei bis vier Monaten wieder ab. Die Kammer rät, Kleingedrucktes gründlich zu studieren, bevor eine Entscheidung gefällt wird.
Leitzinserhöhungen bringen Schub
Einer der Gründe für den Schub bei den Sparzinsen sind die jüngsten Zinsschritte der Europäischen Zentralbank (EZB). Auf den Krieg im Nahen Osten und seine wirtschaftlichen Verwerfungen reagierte sie mit zwei Leitzinserhöhungen im Juni und September. Vor allem die gestiegene Inflation in der Eurozone aufgrund explodierender Spritpreise zwang sie zum Handeln. Dass die Banken höhere Zinsniveaus an ihre Kunden weitergeben, ist aber kein Automatismus, wie schon der Kurswechsel der EZB nach der historischen Nullzinsphase ab 2022 vorgeführt hat. Damals zogen die Sparzinsen in Österreich nur bedingt mit bzw. blieben zumindest hinter den Kreditzinsen zurück.
Inwieweit die Geldhäuser ihre Zinssätze an das allgemeine Zinsniveau anpassen, hängt allen voran von deren Liquiditätsbedarf und dem Wettbewerb am Markt ab, erklärt Stefan Pichler, Professor an der Wirtschaftsuni (WU) Wien, im Gespräch mit der APA. Einlagen von Sparern seien ein Weg für die Geldhäuser, sich mit liquiden Mitteln zu versorgen. Eine Rolle spiele darüber hinaus die Nachfrage nach Krediten, mit denen Banken bekanntlich ihr Geschäft machen und die aktuell wegen der schwachen Konjunktur und aufgrund steigender Leitzinsen eher durchwachsen sei.
Bei Krediten, den darauf zu entrichtenden Zinsen und ihrem Verhältnis zu den Sparzinsen müsse man zusätzlich bedenken, dass Darlehen in der Regel wesentlich längere Laufzeiten als Sparprodukte haben und Banken einen entsprechenden Risikoaufschlag für mögliche Ausfälle verrechnen müssten. Das sei "schnell einmal ein Prozentpunkt und daher nicht zu unterschätzen", so Pichler.
Wettbewerb hat noch Luft nach oben
Beim Wettbewerb wiederum sieht Pichler noch Luft nach oben, selbst wenn neben manchen klassischen Geldhäusern auch Neobanken wie Trade Republic aktuell mit ihren Zinskonditionen werben. Der Ökonom verwies auf alternative Angebote wie den österreichischen Bundesschatz, der als sichere Anlageform im Vergleich zu den Spar-Angeboten der Banken ebenso nicht schlecht dastehe.
Pichler rechnet jedenfalls damit, dass der Trend zu steigenden Zinsen auf absehbare Zeit anhält. "Aber ich glaube, dass der Effekt eher kleiner wird. Denn wenn die Zinsen weiter raufgehen, wird die Kreditnachfrage sinken. Was eher eine Rolle spielen könnte: Wenn die Staaten wegen hoher Schulden solche Finanzierungsprobleme bekommen, dass die Zinsen für Staatsanleihen steigen und zur Konkurrenz werden. Dann würden die Banken mit den Zinsen rauf müssen."