Die slowenische, in Wien lebende Autorin Tamara Štajner hat einen Ausschnitt ihres Romans Luft nach unten 2024 beim Bachmann-Preis vorgetragen und gewann den Kelag-Preis. Nun ist der Text als ausgefertigter Roman erschienen: Iva reist aus Wien nach Nordmazedonien, um Marija zu beerdigen.
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Zwischen Tod und neuem Leben
Geheimnis. Das geliebte Kindermädchen war engste Bezugsperson, Mutterersatz. Am Friedhof wirft Iva nicht nur einen letzten Blick auf Marija, sondern entdeckt auf deren Grabstein den Namen eines Mädchens und kommt so einem Geheimnis auf die Spur.
Parallel dazu ist Ivas Leben in Wien geprägt von ihrem Kinderwunsch. Nach ihrer Rückkehr soll es in der Klinik bald losgehen. Doch Ivas Mann Felix scheint dieses Vorhaben nicht so ernst zu nehmen wie sie.
Im Buch wird nicht nur dank Ivas Frisur der Tarantino-Hit Pulp Fiction zitiert, die Autorin gibt im Gespräch mit ihrem Verlag auch an, beim Schreiben in Filmszenen zu denken: "Ich denke beim Schreiben und auch sonst gern filmisch. Wenn mich etwas emotional oder existenziell herausfordert, switche ich gedanklich die Perspektive, als wäre ich selbst nur Zuschauerin. So bekommen die Dinge einen Zug ins Absurde – und diese Absurdität erzeugt Komik."
Rasant. Und genau das gelingt ihr hier in diesem Text. Die Szenen sind dank dieser Perspektive rasant, inhaltlich auch immer wieder etwas absurd. Es ist die Mischung der Emotionen, die gelingt. Iva erlebt die emotionalen Abgründe und zerstörerischen Dynamiken zwischen Töchtern und ihren Müttern.
Gedanken kreisen um Mutter
Was tragen wir von den Menschen mit, die uns die nächsten sind, die unser Leben geprägt haben? Was können wir (emotional) von ihnen erwarten? Iva hadert mit all dem, ist aber kein passives Opfer, obwohl die Mutter in ihren Gedanken übermäßig viel Platz einnimmt.
Iva wird mit Geheimnissen, Begebenheiten, Entscheidungen konfrontiert. Manches tut weh, manches erstaunt, vieles berührt - Tamara Štajner hat hier einen Roman verfasst, der auf der ganzen Linie überzeugt.