Wassermangel
Trockenheit bedroht Tierwelt
Besonders dramatisch ist die Situation in Österreichs Flüssen. In der Wachau erreichte die Donau einen historischen Tiefstand. Für die Fische wird das zur Lebensgefahr. Durch den niedrigen Wasserstand werden sie durch den Wellenschlag von Schiffen teilweise ans Ufer geschleudert und sterben dort. In ufernahen Tümpeln kann das Wasser inzwischen 28 bis 30 Grad erreichen – für Jungfische sind solche Bedingungen kaum zu überleben. Auch kleinere Flüsse trocknen bereits aus. In der Mattig in Oberösterreich lagen schon im Juni tote Fische und sogar ein verendeter Biber im trockenen Bachbett. Besonders für Forellen und andere Arten, die auf kaltes, sauerstoffreiches Wasser angewiesen sind, ist die Situation dramatisch. Trocknen die Seitenbäche aus, können ganze Generationen von Jungfischen verloren gehen.
Amphibien gehören zu den Tieren, die besonders empfindlich auf Trockenheit reagieren. Ihre Fortpflanzung ist eng an Wasser gebunden. Trocknen Laichgewässer zu früh aus, können Laich, Kaulquappen und Molchlarven sterben, bevor sie sich zu Landtieren entwickeln.
Die extreme Trockenheit wird auch in der Landwirtschaft zu einem großen Problem. Auf den Wiesen in Oberösterreich fehlt in manchen Regionen bereits bis zur Hälfte des üblichen Futterertrags. Viele Betriebe müssen deshalb schon jetzt auf ihre Wintervorräte zurückgreifen. Ein Milchbauer aus Oberösterreich beschreibt die Situation so: "Normalerweise füttern wir sie grün, also mit frischem Futter, aber da ist aktuell überhaupt nichts da".
Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 02.08.2026, hier in voller Länge sehen. Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 09.08.2026, 18:30 Uhr.
Für Rinder bedeutet die Hitze zudem Hitzestress. Kühe fressen bei hohen Temperaturen weniger, ihr Wasserbedarf steigt stark und ihre Milchleistung sinkt. Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich berichtet bereits von Auswirkungen der Hitzewelle auf die Milchanlieferung; auch in Deutschland und Frankreich ist die Milchmenge zuletzt deutlich zurückgegangen.
Besonders schwierig ist die Situation auf Almen und Weiden. Dort wächst wegen der Trockenheit kaum noch Gras nach. Das Futter, das jetzt auf den Wiesen fehlt, fehlt später im Winter im Stall. Landwirte müssen deshalb teilweise bereits ihre Vorräte aufbrauchen oder zusätzliches Futter teuer zukaufen.
Und die Futterknappheit hat eine besonders drastische Konsequenz: Wenn ein Betrieb nicht mehr genügend Futter für alle Tiere hat, muss der Tierbestand reduziert werden. Das kann eine vorzeitige Tötung aufgrund der Futterknappheit bedeuten. Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich warnt bereits davor, dass Betriebe ihre Tierbestände verkleinern könnten, wenn der Regen ausbleibt.
Damit wird die Trockenheit auch zu einem unmittelbaren Tierschutzproblem: Die Tiere tragen die Folgen der Klimaerwärmung unmittelbar – durch Hitzestress, Wassermangel, fehlendes Futter und im schlimmsten Fall durch einen vorzeitigen Tod. Vorzeitige Tötungen aufgrund von Futterknappheit hat es zwar auch vor vielen Jahren gegeben, jedoch nicht in diesem Ausmaß. Zudem ist die Hitze auch für Schweine und Hühner schwer zu ertragen, da diese eine wesentlich niedrigere Wohlfühltemperatur haben, als Menschen und dadurch besonders leiden. Die Trockenperiode und Hitzewelle wird laut Expert:innen Auswirkungen auf unsere Lebensmittel haben. Das Landwirtschaftsministerium arbeitet inzwischen an klimafitten Gemüsesorten, die auch bei weniger Wasser stabile Erträge liefern. Trockenheits- und hitzetolerante Kulturen getestet. Zu den besonders Hitze- und Trockenheitsverträglichen Lebensmittel zählen Paprika, Melanzani, Süßkartoffeln, Mangold und Zucchini. Als Proteinquelle ist die Kichererbse laut BOKU tolerant gegenüber Trockenheit und Hitze. Die Ergebnisse sind jedoch Sortenabhängig.
Es wird weiter geforscht, um festzustellen, welche Sorte sich für Österreich am besten eignet.
Auch Insekten sind betroffen. In Österreich ist die Zahl der Hausgelsen seit 2020 um rund 70 Prozent zurückgegangen. Das mag für Menschen zunächst positiv erscheinen, hat aber Folgen für andere Tiere: Gelsen sind eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel, Fledermäuse und Fische. Weniger Gelsen, bedeutet damit weniger Futter für wichtige Tierarten.
Zudem begünstigt die Hitze die Zeckenpopulation.