In Österreich
Unsere Kinder brauchen eine neue Schulschrift
In der Schule lernen die Kinder schreiben: erst die Druckschrift, ein Jahr später dann die wesentlich kompliziertere Schreibschrift. Bis vor Kurzem konnten Lehrer:innen übrigens noch zwischen zwei Schreibschriften wählen. Erst im Schuljahr 2023/24 wurde der Lehrplan geändert und nun lernen alle Kinder die gleiche Schrift, nämlich die Österreichische Schulschrift 1995. Im Vergleich zu ihrem Vorgänger ist sie etwas schlichter und ergonomischer.
Trend zur Handschrift
Im Computer-Zeitalter wird auf das handschriftliche Schreiben allerdings immer weniger Wert gelegt. Auch aus Schulen sind Computer nicht mehr wegzudenken. Schriftdesigner Titus Nemeth sieht darin ein Problem, wie er gegenüber diepresse.com erklärt: "International wird wieder vermehrt Handschrift unterrichtet, weil man einfach empirisch darstellen kann, dass Tippen fürs Gehirn weniger tut als die Handschrift."
Auch interessant
Problematischer Verbindungszwang
An der gängigen Schulschrift üben Nemeth und sein Kollege Martin Tiefenthaler, Mitbegründer der Typografischen Gesellschaft Austria, harte Kritik. In Gesprächen mit Lehrenden stellten sie fest, dass die Kinder vor allem mit der verbunden Schreibschrift große Probleme haben: "Sobald die Kinder ein langes Wort schreiben müssen, brechen ihnen die Finger ab."
Nemeth und Tiefenthaler machten sich - beauftragt vom Wiener Bildungsserver - daran, eine Lösung für dieses Problem zu finden und entwickelten eine neue Schulschrift: Primæ. Diese Schrift liegt seit 2023 fix und fertig in der Lade und wurde in New York bereits mit einem Preis ausgezeichnet.
Schreiben leicht(er) gemacht
Der Clou: Die neue Schrift bricht mit der starren Struktur des durchgehenden Verbindens auf und bietet einen leichteren Übergang zwischen Druck- und Schreibschrift. Primæ erleichtert Kindern das Schreibenlernen und die Lesbarkeit. Das kommt besonders Kindern mit einer Leseschwäche entgegen.
Der Status quo
Seit Primæ 2023 präsentiert wurde, hat sich allerdings wenig getan: Die Schrift kann von Lehrkräften als Unterrichtswerkzeug genutzt werden, es gilt aber nach wie vor die "Österreichische Schulschrift 1995" mit dem strengen Verbindungszwang.
Warum sich die neue Schrift nicht durchsetzt? Nemeth sieht die Verantwortung beim Bildungsministerium. Das allerdings sieht keinen Anlass, den Lehrplan zu ändern, denn der lasse den Lehrenden ohnehin Freiraum. Nemeth und Tiefenthaler setzen auf das Interesse der Lehrkräfte, das groß ist.