Die Österreicher gehen in Los Angeles als klarer Außenseiter ins WM-Sechzehntelfinale gegen Spanien. Der als Turnierfavorit gestartete Europameister hat in Nordamerika bisher allerdings ebenfalls nicht restlos überzeugt. Die ÖFB-Auswahl rechnet sich Möglichkeiten aus. "Wir haben noch nicht unser Leistungsmaximum erreicht", betonte Teamchef Ralf Rangnick.
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Der Deutsche sprach vom "nächsten Endspiel". Das mit dem 3:3 gegen Algerien in letzter Sekunde verhinderte Aus in der Gruppenphase soll neue Kräfte freigesetzt haben. Der Druck scheint für das ÖFB-Team weg. "In dem Spiel können wir tatsächlich nur gewinnen", meinte Rangnick vor dem Duell mit den Iberern. Das war beim Auftakt gegen Jordanien noch anders gewesen. Dem mühevollen 3:1-Sieg gegen den WM-Debütanten folgte ein achtbares 0:2 gegen Weltmeister Argentinien.
Sechs erzielten Toren stehen nach drei Partien auch sechs - teilweise einfache - Gegentore gegenüber. "Dass wir im Abwehrverhalten der gesamten Mannschaft Luft nach oben haben, ist logisch", erklärte Rangnick. "Dass wir ein paar Dinge besser machen müssen, wenn wir eine Chance haben wollen, wissen wir. Wenn man bedenkt, dass wir mit Spanien auf eine Mannschaft treffen, die technisch wahrscheinlich die beste Mannschaft der Welt ist in eigenem Ballbesitz, müssen wir sicher zulegen."
Startelf wie gegen Argentinien möglich
Das traut Rangnick seinem Team aber zu. Der ÖFB-Coach könnte zu einer Startformation ähnlich jener in der Argentinien-Partie zurückkehren, als der im Spiel gegen den Ball stärkere Michael Gregoritsch anstelle von Marko Arnautovic im Sturmzentrum begonnen hatte. Im zentralen Mittelfeld scheint der ballsichere Florian Grillitsch eine Option. Dafür müsste Rangnick mit Xaver Schlager aber einen seiner Lieblingsschüler auf die Bank setzen.
Offen ist auch die Position des Linksverteidigers. Auf dieser könnte Bayern-München-Allrounder Konrad Laimer die Kreise von Spaniens Hoffnungsträger Lamine Yamal einengen - und diesem auch körperlich zusetzen. "Er ist einer der kommenden Topstars, eigentlich ist er jetzt schon einer", sagte Rangnick über den 18-Jährigen vom FC Barcelona. Wie Argentinien nicht nur Lionel Messi, ist Spanien nicht nur Lamine Yamal. Die Mittelfeldstars Rodri und Pedri haben für ihre bisherigen WM-Auftritte in der Heimat allerdings auch Kritik erhalten.
Kürzere Anreise für ÖFB-Team
ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel schätzte die Spanier als "nicht so zweikampfstark" wie Argentinien ein. "Sie definieren sich schon sehr über das Spiel mit dem Ball." Dazu musste der Weltranglisten-Zweite zwei Tage vor dem Sechzehntelfinale einen Viereinhalb-Stunden-Flug aus seinem Teamcamp in Chattanooga in Tennessee nach Los Angeles antreten. Die Österreicher reisten am Mittwoch mit dem Bus aus dem nahe gelegenen Santa Barbara an.
Dort hat Rangnick in den vergangenen Tagen an seinem Matchplan gearbeitet. "Wir müssen schauen, dass wir tatsächlich eine Leistung bringen, die am obersten Level sein muss, um in diesem Spiel eine Chance zu haben", betonte der 68-Jährige. "Die Chance werden wir suchen. In einem Spiel ist alles möglich, das hat man auch zuletzt schon beim Turnier gesehen."
Der Sieger trifft auf den Aufsteiger des Duells zwischen Portugal und Kroatien, das im Anschluss (1.00 Uhr MESZ in der Nacht auf Freitag) in Toronto steigt. Das Achtelfinale findet am Montag (6. Juli, 21.00 Uhr MESZ) in Dallas statt. Für ein allfälliges Viertelfinale würde der Gewinner wieder nach Los Angeles zurückkehren.
Spaniens Torsperre
Die Spanier haben, wenn man von einem Elfmeterschießen im Nations-League-Finale im Vorjahr gegen Portugal absieht, 34 Pflichtspiele in Folge nicht verloren. Zudem hat Unai Simon seit 429 WM-Minuten kein Gegentor erhalten. Das bisher letzte kassierte der Europameister-Torhüter 2022 im Gruppenspiel gegen Japan (1:2). Beim vergangenen Weltturnier vor vier Jahren in Katar war allerdings in der ersten K.o.-Runde nach einem torlosen Remis gegen Marokko im Elferschießen mit 0:3 Endstation.
In eine Entscheidung vom Punkt waren die ÖFB-Männer in einem Pflichtspiel noch nie verwickelt. Für sie ist es überhaupt die erste K.o.-Partie bei einer WM seit dem Spiel um Platz drei 1954 gegen Uruguay, das sie mit 3:1 für sich entschieden. Seither setzte es bei großen Turnieren in Spielen, die einen Sieger bringen mussten, zwei Niederlagen - bei der EM 2021 im Achtelfinale gegen Italien (1:2 n.V.) und bei der EM 2024 ebendort gegen die Türkei (1:2).