13 Jahre Tierqual

VGT deckt zum 5. Mal Betrieb in St. Pölten auf

© VGT
Aktuell schockiert erneut ein Mastbetrieb in Traismauer im Bezirk St. Pölten-Land in Niederösterreich mit horrenden Haltungsbedingungen für rund 1.000 Rinder, Ziegen und Schafe.
Zur Vollversion des Artikels

Die dem Verein gegen Tierfabriken (VGT) zugespielten Videoaufnahmen zeigen extrem magere Tiere, die teilweise bereits bewegungsunfähig am Boden liegen und augenscheinlich akut unterernährt und krank sind. Außerdem ist die Misshandlung von Tieren zu sehen.

Die Vorgeschichte

Der Betrieb hat bereits mehrmals für Empörung gesorgt. Schon 2013 hat der VGT den Fall aufgedeckt. Im September 2022 erneut, worüber wir ebenfalls berichtet haben. Damals wurden zahlreiche Tierleichen in unterschiedlichen Verwesungsstadien im Betrieb gefunden – teils waren nur mehr die Knochen zu sehen. Tiere, die tagelang bis zu ihrem Tod qualvoll dahinvegetiert waren, waren auf den Aufnahmen zu sehen. Die Schafe und Ziegen wurden auf einem Vollspaltenboden gehalten, obwohl dies bei diesen Tieren verboten ist. Andere Tiere legten sich auf die Leichen – vermutlich, weil dies die einzige vorhandene weiche Liegemöglichkeit für sie war. Ein Jungtier, das am Boden lag, schrie minutenlang auf der Videoaufnahme – ein qualvoller Schrei, der schwer anzuhören war. Besonders dramatisch war die Lage bei den Rindern: Ein Gemisch aus Kot und Urin hatte sich zu einem regelrechten Güllesee entwickelt, in dem die Tiere liegen mussten. Sie konnten ihren Kopf nicht mehr hinlegen, ohne in der Flüssigkeit zu ersticken, weshalb sie unter massivem Schlafmangel litten. Der VGT hat Anzeige erstattet. Während der Gerichtsverhandlung im April 2023 wurde der Betrieb erneut durch Videoaufnahmen aus dem Februar und April 2023 dokumentiert. Darauf war zu sehen, dass sich die Umstände nicht verbessert hatten. Mülltonnen voller toter Tiere waren vor dem Betrieb zu finden. Trotzdem kam es für den damals zuständigen Landwirt zu keiner Verurteilung, sondern zu einer Diversion. Ein Tierhaltungsverbot wurde jedoch verhängt.

Missstände halten an

Die Missstände in Traismauer im Bezirk St. Pölten-Land wurden bereits vor vielen Jahren – im Jahr 2013 – vom VGT aufgedeckt. Mit den Aufdeckungen im September 2022, Februar 2023, April 2023 und vor kurzem im August 2026 hat der VGT nun bereits zum fünften Mal auf die horrenden Zustände in diesem Betrieb aufmerksam gemacht. 13 Jahre lang Tierleid. Dabei stellt sich die Frage: Wo waren all diese Jahre die Behörden? Sollten diese Kontrollen nicht eigentlich von der zuständigen Behörde übernommen werden? Obwohl im April 2023 gegen den damals zuständigen Landwirt ein Tierhaltungsverbot verhängt wurde, ist er weiterhin im Betrieb tätig. Die Aufnahmen zeigen, wie er Schafe misshandelt: Er packt sie an den Vorderbeinen und zerrt sie durch den Betrieb. Anschließend wirft er sie über eine Absperrung. Die anderen Tiere flüchten vor ihm.

Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 30.08.2026, hier in voller Länge sehen. Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 06.09.2026, 18:30 Uhr.

Tierhaltungsverbot wirkungslos

Wie kann das sein, dass der Landwirt immer noch am Betrieb tätig ist, obwohl ein Tierhaltungsverbot verhängt wurde? Nach dem Tierhaltungsverbot im Mai 2023 ging die offizielle Haltung der Tiere im Betrieb an die Ehefrau des ehemaligen Betreibers über. Ein Tierhaltungsverbot verbietet jedoch auch den Umgang mit Tieren. Ein Verstoß dagegen kann zur Abnahme der Tiere führen. In solchen Fällen können Staatsanwaltschaften Verfahren unter bestimmten Voraussetzungen neu eröffnen und eine Verurteilung anstreben. Gegen die aktuelle Betreiberin läuft bereits ebenfalls ein Verfahren wegen eines möglichen Tierhaltungsverbots. Dagegen hat die Betreiberin Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht Niederösterreich eingelegt. Wie dieses entscheiden wird, bleibt offen. Sollte auch gegen die Betreiberin rechtskräftig ein Tierhaltungsverbot verhängt werden, könnte der Betrieb womöglich an die Tochter der beiden weitergegeben werden.

Betreiber:innen konfrontiert

Diese Woche stellte David Richter, VGT-Kampagnenleiter, den Landwirt und die Landwirtin, die aktuell als Betreiberin eingetragen ist, zur Rede.

“"Ich habe ihn gefragt, warum er immer noch im Stall mit den Tieren arbeitet. Ich habe Fotos von den verhungerten Ziegen und den Rindern in der Gülle gezeigt. Er hat bestritten, im Stall zu arbeiten, obwohl wir den aktuellen Videonachweis dafür haben."”

VGT-Kampagnenleiter, David Richter

Mehrmals überfuhren der Landwirt und Familienangehörige mit ihren Autos dabei beinahe Katzen, die sich vor dem Betrieb aufhielten.

Der VGT stellt infrage, ob die familiäre Betriebsübernahme einer Plausibilitätsprüfung standhält – sprich, ob eine adäquate Versorgung der Tiere überhaupt geleistet werden kann – und ob die Übertretungen des Tierhaltungsverbots den Kontrollorganen nicht schon früher hätten auffallen müssen. Auch die Aussagen der Bezirkshauptmannschaft, wonach der Betrieb ohnehin engmaschig kontrolliert werde und die "Einhaltung tierschutzrechtlicher Vorgaben" geprüft werde, kann David Richter so nicht stehen lassen:

“"Entweder sind diese Kontrollen vollkommen zahnlos oder es gibt einfach keine Konsequenzen bei weitreichenden Übertretungen. Wenn Missstände sich über Jahre ziehen, kann doch nicht ernsthaft geantwortet werden, dass der Betrieb ohnehin regelmäßig kontrolliert wird!"”

VGT-Kampagnenleiter, David Richter

Kein Einzelfall

Fälle wie diese lassen an der Effizienz der Behördenkontrollen zweifeln. Tierschutzlandesrätin Rosenkranz meinte am 26. August 2026 gegenüber der APA: "Ein einzelner Problemfall darf nicht den Ruf tausender ordentlich arbeitender Bauern beschädigen." Sie bezog sich dabei auf den Fall im Bezirk St. Pölten-Land. Doch wie zahlreiche Aufdeckungen zeigen, ist dies bei Weitem nicht der einzige Fall. Auch der aktuelle Fall in Amstetten mit 400 toten Schweinen und 1.000 verschwundenen, womöglich bereits verwesten Schweinen schockiert derzeit und wird von der Staatsanwaltschaft überprüft. Das davon angefertigte Foto- und Videomaterial wurde auf Anfrage des VGTs nicht zur Verfügung gestellt, da es laut Behörden zu gravierend für die Öffentlichkeit sei. Auch hier war der Betrieb bereits bekannt, da im Vorjahr 55 Schweine gestorben waren.

Des Weiteren sorgt ein Schweinebetrieb in Mureck für Schlagzeilen: Ein 49-jähriger Mann steht gemeinsam mit seiner 67-jährigen Mutter im Verdacht, die Tiere über mehrere Wochen schwer vernachlässigt zu haben. Mehrere Schweine sind gestorben, weitere wurden behördlich abgenommen. Beide wurden wegen des Verdachts der Tierquälerei angezeigt. Auch gegen den Schafbetrieb des oberösterreichischen Landwirts Roland S. mussten die Behörden einschreiten. Berichtet wird von unterernährten Schafen, erkrankten Tieren, Fehlgeburten und Bissverletzungen. Auch ein totes Schaf wurde gefunden. Aktuell steht noch nicht fest, ob der Betreiber die behördlich abgenommenen Schafe wieder zurückbekommt oder nicht. Er möchte die Entscheidung bekämpfen. Die BH hält weiterhin daran fest, dass der Betreiber als Tierhalter nicht geeignet sei. Außerdem wurden Verwaltungsstrafen verhängt. Fälle wie diese werden immer wieder aufgedeckt. Häufig stammen die Aufdeckungen jedoch nicht von den Behörden selbst, sondern von anonymen Privatpersonen, die dem VGT Beweise zuschicken. Fraglich ist, wie hoch die Dunkelziffer der Tierquälerei auf Betrieben ist. Wie es im Fall der Ziegen, Schafe und Rinder in Traismauer im Bezirk St. Pölten-Land weitergeht, bleibt offen. Wir bleiben dran.