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Warum veraltete Technik ein guter Schutz gegen Hacker ist

© Andreas Tischler / Vienna Press
In einer zunehmend digitalisierten Welt setzen Cybersicherheits-Experten und Militärs überraschend wieder auf veraltete Technologien. Oberbegriff: "Security by Antiquity". Im Alltag ein genialer Schutzschild gegen moderne Cyber-Kriminelle.
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Wer an modernste Cyber-Sicherheit denkt, stellt sich meist hochkomplexe, ständig aktualisierte Abwehrsysteme vor. Doch einer der bekanntesten Experten der Branche, der finnische Sicherheitschef Mikko Hyppönen, ging jahrelang einen völlig anderen Weg. Statt gängiger Anbieter wie Gmail oder Hotmail nutzte er das längst veraltete E-Mail-Programm Eudora und das noch Jahre nach dem offiziellen Ende des technischen Supports.

Entwicklung von Schadsoftware lohnt sich für Hacker nicht

Der Grund dafür ist simpel, aber genial, berichtet die BBC in einer ausführlichen Story zum Thema "Alte Technik gegen Hacker": Da kaum noch jemand die Eudora-Software nutzt, lohnt sich die Entwicklung von Schadsoftware für Hacker schlichtweg nicht. Hyppönen nennt dieses Prinzip "Security by Antiquity" – Sicherheit durch Altertum.

Während der Experte betont, dass aktuelle und gepatchte Software für die breite Masse der optimale Weg bleibt, gibt es Spezialfälle, in denen die Nischen-Nutzung alter Systeme einen entscheidenden Vorteil bietet. Cyber-Kriminelle arbeiten gewinnorientiert und konzentrieren sich auf Massenmärkte, nicht auf eine Handvoll Nutzer historischer Software.

Das verblüffende Honeypot-Experiment

Dass diese Theorie auch in der Praxis perfekt funktioniert, bewies Matt Bishop, Informatikprofessor an der University of California. In den 1990er-Jahren richtete sein Team einen sogenannten Honeypot ein:  einen bewusst ungesicherten Computer im Netz, um Hacker anzulocken. Das Team wählte dafür jedoch absichtlich eine ältere, eigentlich fehleranfällige Software-Version.

Hacker bei der Arbeit. © Getty Images

Das Ergebnis war verblüffend: Kein einziger Hacker oder automatisierte Bot interessierte sich für das System. Erst als das Team die Software auf die neueste, eigentlich modernere Version aktualisierte, prasselten die Angriffe im Sekundentakt auf den Server nieder. Dieser unfreiwillige Test zeigte eindrucksvoll, wie sehr Angreifer auf aktuelle Trends fixiert sind.

Analoge Resilienz beim Militär und im Flugverkehr

Auch im militärischen Bereich und in der kritischen Infrastruktur erlebt die alte Technik derzeit ein massives Comeback. Angesichts von GPS-Jamming-Angriffen, wie sie im Ukraine-Konflikt an der Tagesordnung stehen, setzen die Truppen vermehrt auf bewährte, analoge Hilfsmittel:

  • Papierkarten und Kompasse: Diese sind im Gegensatz zu digitalen Systemen absolut immun gegen elektronische Störsender und Ausfälle.
  • Klassischer Funk: US-Militärs halten an jahrzehntealten Funksystemen fest, da diese als extrem robust, erprobt und abhörsicher gelten.
  • Bodenstationen statt Satelliten: Die irische Luftfahrtbehörde hat die Stilllegung veralteter Funkfeuer gestoppt, um eine Rückfallebene gegen den Ausfall von Satellitennavigation zu haben.
  • eLoran als GPS-Alternative: Das auf dem Zweiten Weltkrieg basierende Langstrecken-Navigationssystem eLoran gewinnt an Bedeutung, da seine extrem starken Signale kaum blockiert werden können.

Das Comeback des Magnetbands in Datencentern

Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel ist die Datensicherung auf physischen Magnetbändern, die bereits in den 1950er-Jahren in den Anfängen der IT-Geschichte erfunden wurden. Angesichts grassierender Ransomware-Angriffe, bei denen Erpresser ganze Netzwerke verschlüsseln, erleben diese Bänder eine echte Renaissance.

Große Unternehmen, Archive und Forschungseinrichtungen sichern ihre sensibelsten Daten wieder auf physischen Bandspulen. Diese lassen sich nach dem Schreibvorgang komplett vom Netzwerk trennen und offline in tiefen, unterirdischen Bergwerken lagern. Da RAM-Speicher immer teurer werden, bietet diese Methode zudem enorme Kostenvorteile. Von Fernseharchiven bis hin zur Genomforschung schätzen Profis diesen physischen Schutz – denn ein Magnetband im Tresor kann von keinem Hacker der Welt aus der Ferne gekapert werden. Veraltete Technik bietet somit oft die stabilste Brücke in eine sichere Zukunft.