Fashion Week Saison
Paris, Mailand oder London? So wählen Designer ihre Fashion Week
Wenn im September die Fashion-Week-Saison beginnt, wandert die Aufmerksamkeit der Modewelt zwischen New York, London, Mailand und Paris hin und her. Dabei fällt auf: Nicht jedes Label zeigt dort, wo seine Wurzeln liegen.
Nicht jedes Modehaus zeigt dort, wo es zu Hause ist
Ein besonders aktuelles Beispiel ist Alexander McQueen. Das britische Traditionshaus hatte seine Shows zuletzt in Paris präsentiert, ist 2026 aber wieder auf den offiziellen Kalender der London Fashion Week zurückgekehrt. Der British Fashion Council bezeichnete die Rückkehr von McQueen gemeinsam mit Mulberry als wichtige Rückkehr britischer Häuser nach London.
Auch Victoria Beckham und Stella McCartney sind britische Modehäuser, die ihre Kollektionen in Paris präsentieren. Valentino wiederum ist ein italienisches Traditionshaus mit Wurzeln in Rom, zeigt aber in Paris. Das macht deutlich: Die Stadt, in der eine Kollektion präsentiert wird, muss nicht mit dem historischen oder geschäftlichen Sitz eines Modehauses übereinstimmen.
Einfach anmelden und loslaufen? Nicht ganz
Eine offizielle Fashion Week ist schließlich keine Veranstaltung, bei der sich jedes Label einfach einen Timeslot reservieren kann. In Paris wird der offizielle Kalender von der Fédération de la Haute Couture et de la Mode (FHCM) organisiert. Er besteht aus den Mitgliedshäusern der zuständigen Modekammern und sogenannten Guest Houses. Diese werden für jede Saison nach Prüfung ihrer Bewerbungen durch eigene Komitees ausgewählt, denen unter anderem internationale Journalist:innen und Einkäufer:innen angehören. Auch für eine Bewerbung gelten Voraussetzungen. Ein Label muss beispielsweise über eine rechtliche Unternehmensstruktur verfügen und mindestens eine kommerzialisierte Kollektion vorweisen. Außerdem muss die Marke langfristig am offiziellen Kalender teilnehmen wollen.
In London ist das Verfahren ebenfalls selektiv. Der British Fashion Council kuratiert den offiziellen Kalender. Designer:innen müssen sich jede Saison neu bewerben, selbst wenn sie bereits zuvor Teil der London Fashion Week waren. Entscheidend ist laut BFC vor allem das kreative Potenzial; für den Main Schedule müssen Bewerber:innen außerdem seit mehr als einem Jahr im Geschäft sein und eine Ready-to-Wear- oder Accessoire-Kollektion präsentieren.
Und auch der Mailänder Kalender ist kuratiert: Die Camera Nazionale della Moda Italiana listet für die Milano Fashion Week unterschiedliche offizielle Formate – von Fashion Shows über Präsentationen bis hin zu Events. Auf dem offiziellen Kalender zu stehen, ist also selbst für etablierte Marken kein Selbstläufer.
Aber warum will ein Haus überhaupt woanders zeigen?
Wenn ein Modehaus die Wahl hat, wo es seine Kollektion präsentiert, geht es um weit mehr als die Adresse des Ateliers.
1. Eine andere Stadt bedeutet ein anderes internationales Publikum
Paris, Mailand und London haben jeweils ihre eigenen Netzwerke aus Einkäufer:innen, Medien, Stylist:innen und Modeprofis. Für ein Haus kann es deshalb strategisch interessant sein, seine Kollektion genau dort zu präsentieren, wo es die für die eigene Marke relevanten Kontakte erreicht.
2. Die Stadt ist Teil des Markenimages
Fashion Weeks sind nicht einfach nur Orte, an denen Kleidung gezeigt wird. Paris steht für eine andere Modegeschichte als London oder Mailand. Ein Haus kann deshalb auch bewusst die Atmosphäre und kulturelle Bedeutung einer Stadt nutzen. Die Location wird Teil der Erzählung rund um die Kollektion. Eine Show in Paris kommuniziert etwas anderes als eine Show in London, selbst wenn auf dem Laufsteg exakt dieselbe Kollektion gezeigt würde.
3. Zugang zu Presse und Einkäufer:innen
Ein weiterer entscheidender Faktor ist schlicht die Branche selbst. Während einer Fashion Week befinden sich innerhalb weniger Tage unzählige internationale Journalist:innen, Einkäufer:innen, Stylist:innen und andere Modeprofis in derselben Stadt. Der British Fashion Council nutzt beispielsweise mit den London show ROOMS in Paris sogar bewusst die Pariser Fashion Week, um britischen Designer:innen Zugang zu internationalen Medien und Einkäufer:innen zu ermöglichen.
4. Und manchmal geht es auch darum, zurückzukommen
Der Wechsel funktioniert nämlich in beide Richtungen. Alexander McQueen zeigt das gerade besonders schön: Das britische Haus präsentierte zuletzt in Paris und kehrt 2026 nach London zurück. Damit wird der Standort selbst wieder Teil der Geschichte des Labels. Das zeigt: Ein Fashion-Week-Standort muss keine lebenslange Entscheidung sein. Ein Modehaus kann seine Prioritäten verändern und damit auch entscheiden, welche Stadt gerade die richtige Bühne für seine Marke ist.
Die Fashion Week ist also nicht automatisch die Heimatadresse
Wer im offiziellen Kalender von Paris, Mailand oder London auftaucht, muss deshalb nicht aus dieser Stadt stammen. Die Herkunft eines Modehauses und der Ort seiner Show sind zwei verschiedene Dinge.
Gerade bei den großen Traditionshäusern ist der Showort vielmehr Teil einer größeren strategischen Entscheidung: Wo erreicht man die richtigen Menschen? Welche Stadt passt zur aktuellen Positionierung? Und welche Bühne erzählt die Geschichte des Hauses am besten?