Zum Weltkatzentag

Was wir von Katzen lernen können

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Katzen faszinieren Menschen seit Jahrhunderten. Was macht ihre Anziehungskraft aus? Zum Weltkatzentag am 8. August machen wir uns auf Spurensuche.
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Sie schnurren, ignorieren uns, lassen sich streicheln – wenn sie gerade Lust dazu haben. Genau darin liegt wohl auch ihr Geheimnis: Katzen müssen nicht gefallen, um geliebt zu werden. Sie sind eigenwillig, unabhängig und folgen ihrem eigenen Rhythmus. Dass sie damit Millionen Menschen erobern, zeigt sich nicht nur in unzähligen Wohnzimmern, sondern auch auf den großen Bühnen der Welt. Karl Lagerfelds Birma-Katze Choupette, die zum internationalen Star wurde, ist wohl das berühmteste Beispiel dafür.

Karl Lagerfeld machte Choupette zur wohl berühmtesten und reichsten Katze der Welt. © Getty Images

Was Katzen so besonders macht

Wer mit einer Katze lebt, kennt diese Momente: Die Katze zieht sich zurück, wenn sie ihre Ruhe möchte – und sucht plötzlich die Nähe, wenn sie selbst dazu bereit ist. Gerade diese freiwilligen Begegnungen machen die Beziehung zu ihr so besonders. Eine Katze bleibt immer ein eigenständiges Wesen – und gerade deshalb entsteht oft eine ganz besondere Vertrautheit.

Seelentröster

Ein langer Tag, zu viele Gedanken, Stress im Beruf – und dann legt sich die Katze daneben oder beginnt zufrieden zu schnurren. Solche kleinen Rituale gehören für viele "Katzenmenschen" zum Alltag und sind einer der Gründe, warum die Samtpfoten als so wohltuend empfunden werden. Dass Katzen eine beruhigende Wirkung auf Menschen haben können, ist mittlerweile auch wissenschaftlich untersucht. Ihr Schnurren, ihre gleichmäßigen Bewegungen und der Kontakt beim Streicheln können entspannend wirken. Studien zeigen, dass die bloße Nähe von Katzen sogar den Blutdruck senken kann. Doch die Beziehung zwischen Mensch und Katze lässt sich nicht allein mit Messwerten erklären. Es ist auch die besondere Art dieser Tiere, den Alltag zu begleiten. Katzen leben in einem anderen Tempo. Sie beobachten minutenlang aus dem Fenster, genießen einen Sonnenfleck oder widmen sich mit großer Aufmerksamkeit ihrer Fellpflege. Was aus menschlicher Sicht manchmal wie Müßiggang wirkt, ist ihre ganz eigene Form, mit der Welt umzugehen.

Lehrer auf vier Pfoten

Katzen faszinieren auch deshalb, weil sie Eigenschaften zeigen, die im menschlichen Alltag nicht immer selbstverständlich sind. Sie setzen Grenzen und zeigen sehr deutlich, wann sie Kontakt möchten – und wann nicht. Sie folgen ihren Bedürfnissen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Eine Lektion, die Menschen oft erst mühsam lernen: Sich selbst wichtig zu nehmen, ist nicht egoistisch. Auch ihre Gelassenheit ist bemerkenswert. Eine Katze kann mitten im Chaos entspannt schlafen, minutenlang einen Sonnenfleck genießen oder aufmerksam ihre Umgebung beobachten. Sie lebt in ihrem eigenen Tempo und lässt sich nicht von jeder Unruhe anstecken. Und dann ist da diese besondere Mischung: Katzen sind unabhängig und gleichzeitig fähig zu tiefer Bindung. Sie zeigen ganz nebenbei, dass Nähe und Eigenständigkeit kein Widerspruch sein müssen.

“Eine Katze entscheidet selbst, wem sie vertraut, wann sie Nähe sucht und wann sie ihren eigenen Weg geht.”

Zwischen Mythos und Magie

So viel wir über Katzen wissen – ein Teil ihrer Faszination bleibt ein Geheimnis. Ihre leuchtenden Augen, ihre lautlosen Bewegungen und ihre Fähigkeit, scheinbar mühelos zwischen Nähe und Distanz zu wechseln, haben Menschen seit Jahrtausenden beeindruckt. Schon im alten Ägypten wurden Katzen verehrt und mit Schutz, Fruchtbarkeit und göttlicher Kraft verbunden. Auch in anderen Kulturen galten sie als besondere Wesen, denen eine Verbindung zu einer Welt jenseits des rein Sichtbaren zugeschrieben wurde. Bis heute haben Katzen etwas Rätselhaftes bewahrt. Wir können ihr Verhalten beobachten, ihre Körpersprache verstehen und ihre Bedürfnisse erforschen – und doch bleibt immer ein Rest Unverfügbarkeit. Eine Katze entscheidet selbst, wem sie vertraut, wann sie Nähe sucht und wann sie ihren eigenen Weg geht. Genau diese Mischung aus Vertrautheit und Geheimnis macht Katzen so faszinierend. Sie gehören zu unserem Alltag und bewahren sich gleichzeitig etwas Wildes, Ursprüngliches. Sie zeigen dass nicht alles im Leben erklärbar ist – und dass gerade das Unbekannte oft einen besonderen Reiz ausübt.

Buch-Tipp: "Miezen im Mezzanin – Ein Wiener Stadtporträt in 23 Katzen" von Janina Lebiszczak, Molden Verlag, 26 Euro

Wiener Miezen, weise Worte

Dass Katzen ihre Menschen auf ganz eigene Weise um den Finger wickeln – ohne dabei ihren Eigensinn zu verlieren –, zeigt Janina Lebiszczak in ihrem neuen Buch "Miezen im Mezzanin – Ein Wiener Stadtporträt in 23 Katzen". Mit liebevoll beobachteten Geschichten porträtiert sie Wiener Samtpfoten und die Menschen, die ihren Alltag mit ihnen teilen. Darunter sind auch die Katzen der Spanischen Hofreitschule: Maximilian, Leopold und Gisela bewegen sich ganz selbstverständlich zwischen den edlen Lipizzanern. Stallmeister Andreas Haipl nennt Katzen "echte Freigeister" – zutraulich und zugleich unabhängig. Dass Katzen nicht nur Begleiter im Alltag sind, sondern auch zum Nachdenken über das eigene Leben anregen können, ist die Grundidee von Eduardo Jáureguis Roman "Gespräche mit meiner Katze". Der spanische Psychologe erzählt von einer Frau in einer Lebenskrise, die in einer klugen Katze eine ungewöhnliche Gesprächspartnerin findet. Mit Humor und feiner Beobachtungsgabe entwickelt sich daraus eine Geschichte über Perspektivwechsel, Selbstreflexion und die besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Roman über Lebensfragen von Eduardo Jáuregui, Rowohlt Taschenbuch, 20 Euro

Warum Katzen faszinieren

Das Geheimnis der Katzenliebe liegt nicht nur in ihrem Verhalten, sondern auch in ihrer besonderen Art. Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf die kleinen Dinge: das warme Fell neben uns, ein zufriedenes Schnurren, einen Blick aus geheimnisvollen Augen. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen ständig erreichbar sind, schnell reagieren und immer mehr leisten sollen, wirken Katzen wie ein ruhiger Gegenpol. Sie leben nach ihrem eigenen Rhythmus. Sie folgen ihren Gewohnheiten, beobachten aufmerksam ihre Umgebung und nehmen sich Zeit für das, was ihnen wichtig ist. Eine Katze, die sich in einen Sonnenstrahl legt oder minutenlang ein fallendes Blatt beobachtet, braucht keine großen Ereignisse, um zufrieden zu wirken.

Jared Leto sorgte bei der Met Gala mit seinem Auftritt als Choupette für Aufsehen. © The Hollywood Reporter via Getty Images
“Das Leben und dazu eine Katze, das ergibt eine unglaubliche Summe, ich schwör’s euch!”

Rainer Maria Rilke

Es ist diese Fähigkeit, im Augenblick zu sein, die viele Menschen an Katzen fasziniert. Sie zeigen, dass nicht jeder Moment einem Zweck dienen muss. Eine Pause, ein ruhiger Augenblick, ein vertrautes Ritual – oft sind es gerade die unscheinbaren Dinge, die den Alltag bereichern. Von Choupette, der berühmten Modekatze, bis zur Samtpfote auf dem heimischen Sofa: Jede Katze hat ihren eigenen Charakter, ihre eigenen Rituale und ihren ganz besonderen Platz im Leben der Menschen, die sie begleiten. Sie bleiben eigenständig und lassen sich dennoch auf eine enge Beziehung ein. Sie lassen sich nicht besitzen und werden gerade deshalb zu so besonderen Gefährten. Katzen zeigen, dass Verbundenheit und Eigenständigkeit kein Gegensatz sein müssen – und genau darin liegt ein Teil ihrer besonderen Faszination. Die Ausstrahlung von Katzen hat übrigens nicht nur Karl Lagerfeld fasziniert, sondern auch Dichter und Denker inspiriert. Victor Hugo verglich die Katze mit einem "Tiger zum Streicheln", Leonardo da Vinci sah selbst in der kleinsten Katze ein Meisterwerk. Rainer Maria Rilke brachte die besondere Verbindung zwischen Mensch und Katze in wenigen Worten auf den Punkt: "Das Leben und dazu eine Katze, das ergibt eine unglaubliche Summe, ich schwör’s euch!"