Bildung

Wiederkehr startet neue Schulplattform

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Auftakt mit Volksschulen, 2027 folgen die anderen Schulformen - Keine Rankings nach Leistungsdaten - Endausbau des Bildungskompass 2028/29
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Das Bildungsministerium hat am Donnerstag die Plattform https://bildungskompass.gv.at gestartet. Schülerinnen, Schüler und deren Eltern können dort die Profile aller Schulen abrufen. Ein "fairer Vergleich" zeigt außerdem, wie sie im Vergleich zu Standorten mit ähnlicher Klientel bei den Bildungsstandards oder der Zentralmatura abschneiden. Zum Auftakt gibt es nur Volksschul-Daten.

Minister Christoph Wiederkehr (NEOS) bringt das Tool mehr Fairness und Orientierung.

Jede Schule habe ihre eigenen Schwerpunkte, pädagogischen Zugänge und Rahmenbedingungen. Bei der Schulwahl sei man derzeit aber entweder auf Informationen aus informellen Netzwerken angewiesen oder müsse viel Zeit in Recherche stecken, so der Minister bei einer Pressekonferenz in Wien. Der neue Bildungskompass soll die Infos nun qualitätsgesichert auf einen Blick für jeden zugänglich machen, "unabhängig davon, wie vertraut man mit dem Bildungssystem ist oder welche Kontakte man hat".

Der Schulkompass sei durch den geplanten Umfang und die Suchfunktionen (u.a. Ort, Schulform, Schwerpunkt, Ganztagsbetreuung, Gütesiegel, Wegzeit zu interessanten Schulen, Schulklima) wesentlich serviceorientierter und informativer als derzeitige Schulführer, betonte Sektionschef Martin Netzer. Die Liste der Schulmerkmale soll stufenweise ausgebaut werden. Ab dem nächsten Schuljahr kommen die anderen Schulformen hinzu, außerdem sollen dann laut Plan die Standorte ihr Profil mitgestalten und etwa Projekte oder besondere Angebote hervorheben können. Der Endausbau ist für 2028/29 geplant, immerhin handle es sich angesichts von 6.000 Schulen um eine "mittlere Herkulesaufgabe".

Nur "fairer" Vergleich

Neben Basisdaten (Zahl der Schüler und Klassen, durchschnittliche Klassengröße) zeigt die Seite derzeit an, ob eine Volksschule am Chancenbonus-Programm teilnimmt, über das Standorte mit besonders vielen Migrantenkindern aus bildungsfernen Familien zusätzliches Personal erhalten. In Zukunft sollen diese Schulen ganz konkret ausweisen können, wenn durch den Chancenbonus an ihrem Standort etwa zusätzliche Schulsozialarbeit angeboten wird.

Außerdem werden die Volksschul-Ergebnisse der Informellen Kompetenzmessung Plus (IKM Plus) ausgewiesen. Bei ihr wird überprüft, in welchem Ausmaß die Kinder bei den bundesweit einheitlichen Tests in der 3. bzw. 4. Klasse die vorgesehenen Bildungsstandards in Deutsch und Mathematik erreichen. Dabei werden allerdings keine absoluten Testergebnisse oder Mittelwerte veröffentlicht, um "einseitige Rankings" zu verhindern. Zu sehen ist nur, ob die Leistung an einer Schule im Schnitt der vergangenen drei Jahre im Vergleich zu anderen Standorten mit einer vergleichbaren Schülerschaft (Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund, einer anderen Alltagssprache als Deutsch und Eltern mit wenig Bildung und geringem Einkommen) im oberen, mittleren oder unteren Drittel liegt.

"Neue Ehrlichkeit" bei Leistungsdaten

Wie die sozioökonomische Ausgangslage (SÖL) der untereinander verglichenen Schulen aussieht, erfährt man allerdings nicht. In Absprache mit den Schulpartnern hat das Ministerium sich auch gegen die ursprünglich angekündigte Einordnung entschieden, ob eine Schule besser oder schlechter abschneidet, als angesichts ihrer Schülerschaft zu erwarten wäre.

Wiederkehr ortete unabhängig davon eine "neue Ehrlichkeit im Umgang mit Leistungsdaten an Schulen". Man wolle in der Diskussion wegkommen von subjektiven Vergleichen zu objektiven Daten, wobei man immer den Kontext berücksichtigen müsse. Für Schulen, die bisher ungerechterweise einen schlechten Ruf haben, sei die Veröffentlichung eine Chance, ihre Leistungen aufzuzeigen. Außerdem hofft Wiederkehr einen Schub für die Schulentwicklung: Jetzt, wo auch die Eltern die Daten einsehen können, müssten sich die Schulen noch intensiver mit ihren Ergebnissen auseinandersetzen.