Nach Rekordsommer

Wiens Klimafahrplan bekommt ein Hitze-Update

© APA/ROLAND SCHLAGER
Nicht nur Verkehrsbetriebe adaptieren ihre Fahrpläne, auch der "Klimafahrplan" der Stadt Wien wird überarbeitet.
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Grundlegend ändern werden sich Strategie, Stoßrichtung und Themenbereiche nicht, wie Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) im Gespräch mit der APA versicherte. Vielmehr handelt es sich um ein "Update" mit einigen neuen Schwerpunkten. Zu diesen gehört etwa die Kreislaufwirtschaft oder Maßnahmen gegen Trockenheit und Hitze.

Die Fortschreibung des Klimaplans geschieht nicht aus einer Laune heraus, sondern ist gesetzlich festgelegt. Alle fünf Jahre muss sich der Gemeinderat dem Grundsatzpapier widmen. Da die Erstausgabe 2022 beschlossen wurde, ist es nun wieder so weit. Ab morgen, Montag, können zum Entwurf Stellungnahmen eingereicht werden. Die Beschlussfassung des Updates soll dann im Frühjahr 2027 erfolgen.

Langfristige Klimaziele

Langfristige Ziele wie etwa die Klimaneutralität bis 2040 bleiben erhalten, erklärte der Stadtrat. Er betonte, dass es sich beim Fahrplan um keine konkrete Maßnahmenanleitung handelt. Projekte, Förderungen oder Novellierungen fallen in die Zuständigkeit der jeweiligen Ressorts. Betroffen sind hier etwa der Wohnbau oder der Verkehr. Als Schnittstelle fungiert hier Klimadirektor Andreas Januskovecz. Er koordiniert die Umsetzung der Vorgaben.

Die nun fortgeschriebene Vision spannt den großen Bogen. "Klimaziele sind notwendig, sonst kann man keinen Plan machen", versicherte Czernohorszky. Er verwies darauf, dass bereits in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung verzeichnet worden sei. Seit 2005 sind laut dem Stadtrat die Treibhausgasemissionen in Wien von 8,5 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten auf 5,9 Mio. Tonnen gesunken.

Allein im Zeitraum 2019 bis 2024 sei die Treibhausgasreduktion fast dreimal so hoch wie in den 15 Jahren davor gewesen. Hervorgestrichen wurden die Strom- und Fernwärmeerzeugung und der Gebäudesektor. Die Erzeugung von erneuerbarem Strom sei in den vergangenen 20 Jahren um rund 50 Prozent gestiegen, wurde betont.

Sektorale Treibhausgas-Zwischenziele vorgesehen

Geschärft wurden im vorliegenden Entwurf die Definitionen von Klimagerechtigkeit oder Klimaneutralität. Methodische Weiterentwicklungen bei der Treibhausgasbilanzierung gibt es ebenfalls. Für 2030 und 2035 sind sektorale Treibhausgas-Zwischenziele vorgesehen. Umfasst von den Zielsetzungen sind sämtliche Bereiche.

Zu Mobilität, Bauen und Energie gesellen sich hier etwa Konsum und Abfall. Unternehmen sollen bei nachhaltiger Produktion und der Umsetzung der Prinzipien der Kreislaufwirtschaft unterstützt werden, heißt es. Das betrifft zum Beispiel den Bereich Neubau und Renovierung. Die Sanierung von Häusern soll weiter forciert werden, mit Fokus auf den Einbau erneuerbarer Energiesysteme.

Hitze und Trockenheit als Schwerpunkte

Auf die Stärkung der regionalen Landwirtschaft, die Natur- und Erholungsräume und die Trinkwasserversorgung wird ebenfalls ein Hauptaugenmerk gerichtet. Letztere soll angesichts von häufiger auftretenden Dürreperioden resilienter gestaltet werden. Schließlich ist auch eines der im wahrsten Sinn des Wortes brennendsten Themen der jüngeren Vergangenheit präsent: die Extremhitze.

Der Sommer 2026 sei der heißeste Sommer der österreichischen Messgeschichte gewesen, streicht man hervor. Der Wiener Hitzeaktionsplan und das Hitzemanagement der Stadt sollen deshalb ab 2027 neu aufgesetzt werden. Daran werde mit Hochdruck gearbeitet, versicherte der Stadtrat. Der Fokus soll künftig noch stärker auf kurzfristigen Maßnahmen für Phasen extremer Hitzebelastung liegen.

Die Vorgaben des Klimafahrplans fließen auch in Gesetze und Regularien der Stadt ein, also etwa in die Bauordnung. Der Wiener Klima- und Umweltstadtrat hat jedoch bereits wiederholt angemerkt, dass man für einen nachhaltigen Ausstieg aus Öl oder Gas auch bundesgesetzliche Regelungen braucht. Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWG) wird dabei als wichtiger Schritt gewertet, Czernohorszky hat jedoch bereits beim Beschluss 2024 kritisiert, dass dieses "verwässert" wurde.

Er fordert darum weitere Schritte. Thema in Wien sind vor allem die Energiesysteme im Bestand. Um etwa die Zentralisierung solcher Systeme in Gebäuden zu erleichtern, brauche es hier Änderungen, bekräftigte der Stadtrat.