Von blauen Vögeln

Wilder Sex & Intrigen im Parlament

© Minitta Kandlbauer
Autorin und Digitalexpertin Shejla Baltić hat Debüt vorgelegt.
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Eine "Rote" mit einem "Blauen" – das Techtelmechtel zwischen Hauptfigur Mia und Konstantin ist brisant, beide arbeiten in der Kommunikation für die SpitzenpolitikerInnen ihrer Parteien. Da kann ein bisschen Fummelei im Parlament und Late-Night-Sex zur Entspannung der Karriere schnell ein jähes Ende bereiten.

Figuren führen Leben am Limit

Opfer. Das Spiel mit dem Feuer zieht sich generell als Thema durch den Roman Von blauen Vögeln (es ist einer der letzten Romane, den der Leykam Verlag herausbringt und das ist sehr schade). Denn Mia lebt am Limit ihrer körperlichen Kraft, der emotionalen sowieso. Mit dem Freund in der ländlichen Heimat ist es aus, weil die Beziehung mit den Arbeitszeiten kollidierte. Ähnlich verhält es sich auch mit Alma, der besten Freundin und Mitbewohnerin, für die Mia meist nur spätabends Zeit hat. Denn immer ist eine Pressemitteilung vorzubereiten, die Spitzenkandidatin in ein TV-Studio zu begleiten oder Mia muss auf eine Abendveranstaltung.

Baltic © Leykam

Die nächste Wahl ist nur wenige Monate entfernt, jetzt geht es um alles. Ob sich die zahlreichen Opfer lohnen? Immerhin scheint für Mia ein Chefinnenposten in greifbarer Nähe zu sein. Shejla Baltić hat mit diesem Roman ihr Debüt vorgelegt. Sie ist Digitalexpertin im Parlament, hat dabei wohl ein paar Notizen gemacht.

Rasant und provokant

Wobei: Dank Ibiza-Affäre, Grasser-Prozess und Co. ist in der österreichischen Politik phasenweise nicht zu unterscheiden, ob die Vorgänge echt sind oder doch von DrehbuchautorInnen erdacht. Wir tauchen ein in eine Welt, in der taktiert wird, geblufft und erpresst. Mia muss mitmachen, wenn sie gewinnen will, doch sie ist eine, die nach den Regeln spielen will ... Da gestaltet sich das Verhältnis zum "Blauen" Konstantin, der immer nahbarer wirkt, schwierig. Der Text liest sich sehr rasant, unterhält und provoziert.

Wie weit gehen wir für unsere Wahrheiten?

Fortsetzung. Baltić wirft in ihrer Erzählung moralische Fragen auf. Dürfen wir mit jemandem verbandelt sein, dessen Einstellung wir verachten? Kann sich das ausgehen oder ist es grundfalsch? Wie weit gehen wir für unsere Wahrheiten? Spoiler, das Ende sitzt und ein zweiter Teil ist schon in Planung, wie die Autorin im Nachwort wissen lässt. Dann allerdings bei einem anderen Verlag.