Szenen einer roten Entfremdung. "Es gibt bei 15 Prozent jede Diskussion, sowohl inhaltliche als auch personelle. Bei 15 Prozent in den Umfragen kann man als Sozialdemokratie nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", also sprach SPÖ-Nationalratspräsidentin Doris Bures offiziell aus, was so viele in der SPÖ nur hinter vorgehaltener Hand sagen.
Der formale SPÖ-Vorsitzende Andreas Babler steht längst auf der Abschussliste der Seinen. Und das dürfte auch der rote Vizekanzler wissen, der immerhin bei sämtlichen Obmann- und Obfrau-Demontagen der Roten der letzten Jahrzehnte an vorderster Front "mit dabei war", wie mehrere Rote jetzt einwenden.
Die Stimmung in der SPÖ-Präsidiums- und Vorstandssitzung am Freitag war dementsprechend unterkühlt. Offene Kritik kam von Bures und einzelnen Vorstandsmitgliedern.
Auch interessant
So herbe Kritik wie es FSG-Chef Wolfgang Muchitsch in einer Gewerkschaftssitzung geübt hatte, übte er vor Babler nicht. Dass Muchitsch eine "personelle Neuausrichtung" – ebenso wie die fast gesamte Gewerkschaft will – ist in der SPÖ dennoch länger bekannt.
Wie an dieser Stelle bereits seit Anfang September berichtet hat auch ÖGB-Boss Wolfgang Katzian seine schützende Hand von Babler weggezogen. Zu schlecht seien die "Rückmeldungen von hunderten Betriebsräten", berichten Insider. Die Gewerkschaft dürfte jemanden wie SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer statt Babler wollen.
Und wieso hält sich Babler dann?
Die SPÖ-Statuten sind eher eine Ausrede. Der wahre Hintergrund ist wieder einmal die innere Zerstrittenheit der Roten. Sie können sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen.
Dabei würde zumindest ein politisch attraktiver Kandidat auf der politischen Bühne stehen: Top-Medien-Manager Gerhard Zeiler.
Zeiler würde auch Vizekanzler machen.
Offensive. Dieser ist derzeit wieder im Lande – er war zuletzt in New York, wo er bekanntlich an der Spitze von Warner Brothers steht. Und dürfe – rote Kapriolen hin oder her – trotzdem weiter Interesse am Einstieg in die Politik haben.
Vertraute des einstigen ORF-Chef sagen, er habe einen "fertigen Plan" – sowohl inhaltlich als auch personell – und würde mit einem Gesamtkonzept auch den Vizekanzler in der schwarz-rot-pinken Koalition machen. Seine Ziele: Die SPÖ wieder mehr in die Mitte rücken und laut Wegbegleitern "einen Kanzler Herbert Kickl verhindern".
In der SPÖ wirkt es derzeit hingegen so als würden einige eher Zeiler verhindern wollen. Während Kärntens LH Daniel Fellner und die SPÖ-Landeschefs von Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und Vorarlberg wohl für Zeiler wären, ist der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil strikt gegen ihn.
Diese SPÖ-Spitzen wären jetzt für Zeiler
Front. Auch in der Gewerkschaft gilt er als zu wirtschaftsliberal. Für ihn sollen hingegen ehemalige Kanzler wie Franz Vranitzky oder Werner Faymann sein. Pro Zeiler soll auch Bures sein.
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig soll hingegen einen Wechsel an der SPÖ-Spitze erst vor der nächsten Wahl wollen. Ob das so lange gut geht?