Zweigelt von der B35
Kellergassen-Idylle zwischen Hadersdorf am Kamp und Gedersdorf – zumindest auf den ersten Blick. Direkt davor donnert die Bundesstraße vorbei. Eher wenig Romantik, darum geht es hier aber auch nicht. Für die Winzer ist das Working Base und nicht kuschelige Weinlauben-Kulisse. Mittendrin der junge Autodidakt Florian Herzog, kein Familienweingut, kein gemachtes Nest – Herzog hat sich seine Weinwelt selbst aufgebaut. Das alte kleine Presshaus kommt im coolen Grau ziemlich lässig daher, im historischen Ziegelkeller wird es aber ernst. Herzblut ist angesagt. Prägend dafür war sicher sein vinophiler Lehrmeister Winzer Gernot Heinrich. Viel gelernt, eigenen Stil entwickelt – und jetzt macht der gebürtige "Xi-berger" sein eigenes Ding.
Die nur 1,7 Hektar werden biologisch bewirtschaftet. Im Keller gilt: weniger machen, mehr entstehen lassen. Beim Zweigelt 2024 zeigt sich diese Philosophie ziemlich gut. Die frühe Lese bringt Frische und Spannung, während die dreitägige Kohlensäuremaischung die saftige, vitale Art unterstreicht. Dazu kommt ein Hauch Gerbstoff, der dem puristischen, naturnahen Wein die Struktur gibt. Unkompliziert, lebendig und mit ordentlich Trinkfluss – hipp, hipp, hurra! Preis ab Hof: 19,50 Euro. https://weinskandal.at/
Einmal Imperium und zurück!
Einst nur im X-Large Format bekannt, katapultierte sich das klassische Familienweingut zu einem Weinunternehmen. Über 100 ha Anbaufläche, Gutsbesitz samt umfangreichen Nebenprojekten. Dann Kehrtwende: Reißleine ziehen, neu sortieren. Seit einigen Jahren stehen wieder Herkunft, Boden und die einzelnen Lagen im Fokus. Kurz gesagt: weniger Imperium, mehr Terroir, Anbaufläche gleich mal um 25% reduziert.
Handarbeit ist Thema, die biologische Umstellung am Laufen und den Generationenwechsel auch gleich durchgezogen. Mittlerweile on duty die Junioren Erich und Christoph Polz und im Verkauf der "Weißburgunder Ehrenhausen" 2024. Burgunder und Korallenkalk - das passt schon mal. Danach ein Jahr im großen Holzfass - bringt Textur und dient der Entwicklung des Weins. Gelbe Fruchtaromen wie Birne und Apfel wirken saftig und reif, dazu ein Hauch Melone. Die feine Nussigkeit zeigt sich zurückhaltend. Elegant, harmonisch, mit einem schönen Säurebogen und kalkiger Spannung am Gaumen. Perfekter Ortswein. Polz kann definitiv Weiss! Eher an reifen und älteren Jahrgängen interessiert? Tipp: Das Weingut verfügt über ein hauseigenes Archiv, teilweise bis in die 2000er Jahre zurückreichend. Absolute Rarität! Preis an Hof: 19,90 Euro. https://weingutpolz.at/