Szenario 1 ist hart

Nationalbank warnt in 4 Szenarien alle Menschen wegen Irankrieg

26.03.2026

Österreichs Nationalbank warnt: Dauerhafter Hormus-Ausfall könnte Ölpreise weit nach oben treiben. 

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© APA/HANS KLAUS TECHT
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Durch die Straße von Hormus wird rund ein Fünftel der globalen Ölmenge transportiert. Die Sperre durch den Iran führt damit zu einer starken Angebotsreduktion und zu starken Preisanstiegen von Erdöl. In den ersten zwei Wochen stieg der Preis für ein Fass Brent von 73 USD auf rund 100 USD. Ökonomen der OeNB haben in einem Modell untersucht, wie der Ölpreis kurzfristig auf eine Sperre reagiert, also wie Angebot und Nachfrage am Weltmarkt darauf reagieren.

Schlimmstes Szenario

Eine Totalsperre der Straße von Hormus reduziert das globale Erdölangebot um 20 Mio Fass pro Tag. Sollte diese Sperre länger anhalten, so führt dies nach den Berechnungen der Autoren auf der Basis von in der Vergangenheit beobachteten Preisreaktionen zu einem Preisanstieg zwischen 38 % und 99 % auf 101 USD bis 146 USD.

Öl kostet also doppelt soviel wie bisher. Das würde die Weltwirtschaft in einem Schock versetzen, könnte den Wirtschaftsoutput mehr als halbieren,

Die bisher zu beobachtenden Preisanstiege von Erdöl liegen deshalb noch im unteren Bereich der Berechnungen. "Dies könnte daran liegen, dass viele Marktteilnehmer von einer vorübergehenden Sperre ausgehen und eine schrittweise Normalisierung des Ölangebots erwarten", folgert die Nationalbank.

Das sind die 4 Szenarien

Die Analyse geht von insgesamt vier Szenarien aus. Neben einer Totalsperre der Straße von Hormus (S1) wurden drei weitere Szenarien gerechnet.

  • Szenario 1 (Totalsperre): Das Extremszenario. Die Straße von Hormus ist komplett dicht. Das globale Angebot sinkt sofort um 20 Mio. Fass pro Tag (-19 %).
  • Szenario 2 (Umleitung): Wie S1, aber ein Teil des Öls (5,7 Mio. Fass/Tag) kann über alternative Pipelines umgeleitet werden. Die Angebotsreduktion sinkt auf -13 %.
  • Szenario 3 (Ausnahmeregelung): Wie S2, zusätzlich dürfen iranische Tanker trotz Sperre fahren. Die Reduktion sinkt auf -12 %.
  • Szenario 4 (Strategische Reserven): Das "mildeste" Szenario. Alle Maßnahmen aus S2 und S3 greifen, und zusätzlich geben Länder ihre strategischen Ölreserven frei. Die Reduktion beträgt dann "nur" noch -9 %. 

Diese enthalten unterschiedliche Gegenmaßnahmen zur Milderung des Angebotsschocks (Umleitung von Erdöl über Pipelines, Ausnahmen für iranische Tanker, Freigabe strategischer Erdölreserven). Im Szenariomit allen Gegenmaßnahmen (S4) läge der Erdölpreis im Bereich von 86 USD bis 107 USD, was gegenüber dem Wert vor dem Konflikt im Nahen und Mittleren Osten einen Anstieg von 18 % bis 47 % bedeuten würde.
 

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